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Wichtige historische Ereignisse der Sikh-Religion bis zur Gegenwart in chronologischer Reihenfolge.

1469 Guru Nanak wird in dem Dorf Talwandi (das heutige Nankana Sahib in Pakistan) geboren. Er verkündet universelle spirituelle Einsichten, die auf der Einsicht beruhen, dass die gesamte Schöpfung eine Einheit bildet. Gleichzeitig distanziert er sich von dominierenden religiösen Praktiken Nord-Indiens. Guru Nanak hält seine Offenbarung in zahlreichen poetischen Versen fest.

1526 Babar besiegt in der Schlacht von Panipat die Pathan Dynastie der Lodies.

1539 Guru Nanak ernennt Bhai Lehna, der fortan Guru Angad heißt, zum nachfolgenden Guru.

1552 Als dritter Guru der Sikhs wird Guru Amar Das benannt. Er reformiert bestehende Rituale für Heirat, Geburt und Tod und gründet religiöse Zentren (Manji), an denen Sikhi gelehrt wird.

1574 Guru Amar Das ernennt Bhai Jetha zum Guru. Bhai Jetha, der nun Guru Ram Das genannt wird komponiert Verse, die fortan für die Heiratszeremonie verwendet werden. 1577 ersteht Guru Ram Das Land von Akbar und gründet mit seiner Gefolgschaft die Stadt Ramdaspur (auch Chak Guru genannt), das heutige Amritsar.

1581 Guru Arjan Dev, der jüngste Sohn von Guru Amar Das übernimmt als erster Sohn eines Gurus die Guruschaft. Unter seiner Aufsicht wird der Bau des Ramdas Sarovars (Wasserbecken) fertiggestellt und der Grundstein für den Darbar Sahib in dem entstandenen Komplex gelegt. Guru Arjan vereint in einem aufwendigen Systematisierungsprozess 1604 seine eigenen Kompositionen, die der vorherigen Gurus und Vertretern der Bhakti-Richtung in dem Werk Aad Granth Sahib.

1605 Der Tod des Moghulkaisers Akbar beendet die weitgehend harmonische Zeit in Nordindien. Sein Nachfolger Nuruddin Jahangir (1569-1627) markiert den Beginn einer Ära der Gewalt.

1606 Guru Arjan, der Blasphemie bezichtigt, wird auf Befehl von Jahangir zu Tode gefoltert. Der nachfolgende Guru Har Gobind betont die Balance zwischen spiritueller (Piri) und weltlicher (Miri) Sphäre. Der Akal Takhat, Sitz der weltlichen Macht, wird errichtet.

1664 Guru Tegh Bahadar, Sohn Guru Hargobinds, übernimmt als neunter Guru die Guruschaft.

1669 Die Verschärfung des Tons durch den letzten großen Mogulkaiser Aurangzeb (1618-1707) im Jahre 1669 gegen Menschen, die sich nicht zum Islam bekennen, führt zu Gewalt gegen religiöse Minderheiten.

1675 Der neunte Guru wird von den Machthabern in Delhi hingerichtet. Guru Gobind Rai (Singh) wird der zehnte und letzte Guru der Sikhs. Er betont die Wichtigkeit, gegen Tyrannei und Ungerechtigkeit vorzugehen.

1699 Guru Gobind Rai führt an Waisakhi, einem populären Fest, eine Taufzeremonie durch und gründet die Gemeinschaft des Khalsas. Zunächst tauft er fünf Freiwillige (Fünf Geliebte), anschließend lässt er sich selbst taufen und heißt fortan Guru Gobind Singh. Der Guru unterstreicht die Notwendigkeit geistiger und körperlicher Balance (Fünf K's).

1708 Guru Gobind Singh fügt dem Aad Granth Sahib die Verse seines Vaters Guru Tegh Bahadar hinzu und lässt Kopien des Werkes anfertigen. Er betont die alleinige Guru-Autorität der Schrift. Das Gesamtwerk wird seither Guru Granth Sahib genannt. Der zehnte Guru, der zuvor alle vier Söhne durch die Hand der Machthaber verloren hat, stirbt an den Folgen eines Attentates.

1670-1716 Einer der treusten Sikhs Guru Gobind Singhs, Banda Singh Bahadar übernimmt eine zentrale Führungsrolle nach dem Tode des zehnten Gurus. Nawab Kapur Singh (1697-1753), der Begründer der Dal Khalsa, versucht mit der Unterstützung von Bhai Mani Singh die Ideale des Khalsa in der Sikh-Gemeinschaft zu etablieren.

1745 Die erste Gurmatta des Sarbatt Khalsa, die Versammlung der Khalsa-Gemeinschaft, wird verabschiedet. Sie beinhaltet richtungsweisende Entscheidungen für die Gemeinschaft.

1766-1769  Die machtpolitischen Wirren verstärken sich. Ahmad Shah Abdali fällt sieben Mal in Indien ein, seine Truppen zerstören den Darbar Sahib. Tausende Sikhs sterben, zum Teil müssen sie in Wäldern Schutz vor Verfolgung suchen.

1799  Ranjit Singh, einer bedeutenden Sikh-Familie abstammend, nutzt die Zerstrittenheit der drei Herrscher von Lahore und stürmt die Stadt mit Erfolg und wird Herrscher des Panjabs. Nach seinem Tod 1839 zerfällt das Reich rasch.

1849 Der Panjab wird von den britischen Kolonisatoren annektiert.

1873 Sikhs schließen sich zu der Bewegung Singh Sabha zusammen, um sich auf die Lehren der Gurus zu besinnen. Die neu eingeführte Presse wird verwendet, um religiöse Publikationen voranzutreiben.

1892 Der Grundstein für das Khalsa College in Amritsar wird gelegt.

1899 Vertreter der hindusitischen Arya Samaj-Bewegung und der Singh Sabha führen zahlreiche öffentliche Debatten über den Charakter der Sikh-Religion. Die Arya Samaj sprechen der Sikh-Religion ihre Originalität ab und erklären sie dem Hinduismus zugehörig. Im Zuge der Kontroversen wird das populäre Werk des Gelehrten Kahan Singh Nabha Hum Hindu Nahin (“Wir sind keine Hindus”) als direkte Antwort auf das Werk Sikh Hindu Hai (“Sikhs sind Hindus”) veröffentlicht.

1902 Mit der Gründung des Chief Khalsa Diwan wird eine Dachorganisation etabliert, die die Interessen der Sikhs in religiöser und politischer Hinsicht vertreten soll. Sie ist bei der Umsetzung des Anand Marriage Act 1909 erfolgreich. Somit ist die religiöse Heiratszeremonie der Sikh-Religion rechtmäßig anerkannt.

1920 Im Einverständnis mit den Briten wird die Shiromani Gurdwara Parbandhak Committee (S.G.P.C.) gegründet. Sie soll wieder die Verwaltung aller Gurdwara unter die Kontrolle von Sikhs bringen. Aus der S.G.P.C. geht später die Partei Akali Dal hervor.

1945 Die von der S.G.P.C. beauftragten Sikh-Gelehrten veröffentlichen nach knapp zwanzigjähriger Ausarbeitung die Sikh Rahit Maryada. Sie gilt seither als gemeinschaftlicher Verhaltenskodex.

1947 Am 15. August wird Indien, unter Begleitung von schwersten Unruhen, unabhängig. Der Panjab wird geteilt; Pakistan entsteht. Millionen Menschen müssen zwangsumsiedeln. Viele Sikhs fühlen sich politisch und wirtschaftlich benachteiligt und fordern von der neuen indischen Regierung Zugeständnisse.

1966 Unter Indira Gandhi wird den Sikhs nach zahlreichen Agitationen die Panjabi-Suba, eine eigene Sprachprovinz, bei der die Aufteilung des Bundesstaates nach Sprachzugehörigkeit vorgenommen wird, zugestanden. Die von Hindus dominierten Gebiete werden abgetrennt und in dem neu entstandenen Bundesstaat Haryana zusammengeschlossen.

1973 Sikh-Führer verabschieden die Anandpur Sahib Resolution. Die Kernforderungen lauten unter anderem die Einsetzung Chandigarhs zur alleinigen Hauptstadt des Panjabs und eine stärkere Staatsautonomie. Zudem wird gefordert, den Abschnitt des Artikels 25 der indischen Verfassung, in dem die Sikhs unter die Zuschreibungskategorie Hindu fallen, zu überarbeiten.

1975 Indira Gandhi verordnet einen Ausnahmezustand über Indien, laut Amnesty International werden 140 000 Menschen ohne Haftbefehl festgenommen. Die Spannungen im Panjab verschärfen sich.

1977 Jarnail Singh Bhindranwale wird Vorsteher der Damdami Taksal, einer religiösen Institution. Die religiöse Kernbotschaft von Jarnail Singh lautet, Rauschmittel zu meiden, die Taufe zu empfangen, nach den Idealen des Khalsa zu leben und Abspaltungen der Sikh-Religion (wie etwas die Nirankari) zu boykottieren. Nach Gewalttaten wird Bhindranwale festgenommen. Nach seiner Freilassung wächst seine Popularität rasant.

1982 Zahlreiche Agitationen werden unter der Führung von Bhindranwale und Harcharn Singh Longowal, dem Präsidenten der Akali Dal, initiiert. Die Ausrufung des Dhharam Yuddh Morcha, dem Verteidigungskampfs zur Wahrung der Religion und dem Vorgehen gegen Unrecht, gibt der Bewegung um die Durchsetzung der Anandpur Sahib Resolution starken Auftrieb.

1983 Die Zahl blutiger Ausschreitungen und Anschläge im Panjab nimmt zu. Verschiedene konkurrierende Sikh-Gruppen, alle scheinbar in Namen des Dhharam Yuddh Morcha (Verteidigungsbewegung) agierend, sind für zahlreiche Morde an Sicherheitsbeamte und Zivilisten verantwortlich. Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen ergeben später, dass Mitglieder der Regierung einige der Gruppen unterstützen, um eine Legitimationsgrundlage für ein hartes Durchgreifen zu erlangen. Jarnail Singh und seine Begleiter verlagern ihr Quartier in den Akal Takhat. Indira Gandhi ruft die Direktregierung des Panjabs durch die Zentralregierung aus.

1984 In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni, am Gedenktag des Hinscheidens von Guru Arjan, besuchen besonders viele Gläubige den Darbar Sahib. Soldaten der indischen Armee eröffnen das Feuer auf das religiöse Zentrum der Sikhs, um Jarnail Singh und seine Gefolgschaft zu stellen. Zuvor wird eine Ausgangs- und Nachrichtensperre verhängt. In den folgenden Tagen liefern sich Jarnail Singh und seine Anhänger erbitterte Gefechte mit den Streitkräften. Im Zuge der Stürmung – der Operation Blue Star – werden tausende Besucher des Darbar Sahib und Sänger sowie Jarnail Singh und seine Gefolgschaft getötet. Der Akal Takhat und die Darshani Deuri, in der sich historische Gegenstände und Dokumente der Sikh-Gurus und berühmter Sikhs befinden, werden weitestgehend zerstört. Die anschließende Operation Woodrose schürt weiteres Misstrauen bei der Bevölkerung des Panjab. Soldaten suchten im Panjab systematisch nach vermeintlichen Sikh-Aktivisten, dabei konzentrierten sie sich vornehmlich auf männliche Jugendliche. Bei bloßen Verdachtsmomenten werden Sikhs ohne Haftbefehl verschleppt oder getötet.

1984 Im Oktober wird die Premierministerin Indira Gandhi durch ihre Leibwächter Beant Singh und Satwant Singh getötet. Unruhen im Panjab und Delhi eskalieren in Pogromen. Hindus wollen sich an Anhängern der Sikh-Religion für den Mord an Indira Gandhi rächen. Tausende Sikhs sterben, viele Gurdwara werden in Brand gesteckt. Menschenrechtsorganisationen wie die “Menschenrechtsunion für Demokratische Rechte” in Delhi kommen zu dem Schluss, dass die Ausschreitungen das Resultat eines gut organisierten Planes sind. Sie seien gekennzeichnet durch wohlüberlegte Unterlassung und Verbrechen von Seiten führender Politiker des Kongresses und von Autoritäten der Administration.

1987 Die Direktregierung über den Panjab wird von Rajiv Gandhi, Sohn von Indira Gandhi, ausgerufen.

1988  Höhepunkt der Operation Black Thunder ist die erneute Belagerung des Darbar Sahib.

1990er Die verschiedenen Sikh-Gruppen im Panjab werden mehr oder weniger vollständig zerschlagen; die Lage im Panjab ‘normalisiert’ sich weitestgehend. Es gelingt Sikh-Führern und der Zentralregierung (unter anderem R. Gandhi, V. P. Singh, C. Shekar, N. Rao, A. B. Vajpayee) jedoch nicht, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung der Panjab-Frage zu erlangen. Zahlreiche Abkommen für eine politische Einigung werden unterzeichnet. Jedoch wird, wie so oft zuvor, bei der Umsetzung der Beschlüsse gezögert und bestehende Ungerechtigkeiten nicht beseitigt (zum Beispiel ist es unverständlich, warum Bewohner des Panjabs in anderen Bundesstaaten kein Land erwerben können, hingegen Bewohner anderer Staaten aber im Panjab sehr wohl Land erstehen können). Erschwerend kommt hinzu, dass die Sikh-Führer stark zerstritten sind und keine einheitliche Vorgehensweise für eine politische Lösung abstecken können. Korruption, Bestechung, Vetternwirtschaft sowie staatliche Willkür sind nach wie vor existent und stellen immer wieder das friedliche Miteinander sowie Menschenrechtsgrundsätze in Indien in Frage.

2004 Der hoch angesehene Ökonom Manmohan Singh wird der erste Sikh-Ministerpräsident von Indien.

2007 Im Panjab löst die Akali Dal unter Badal die Kongress-Partei (Amninder Singh) ab.

 

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