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Eine Gruppe von Studenten des Khalsa College in Amritsar während einer Unterrichtspause. Das Bild ist typisch für die Gruppenaufteilung an Schulen im Panjab. Jungen und Mädchen bleiben weitestgehend in den Pausen unter sich. Es ist zu erkennen, dass einige der Studenten Sikhs sind. Der zweite Student von rechts trägt keinen Turban; lediglich am Armreif ist zu sehen, dass es sich wohl um einen Sikh handelt. Dies ist ein oft zu sehendes Bild im Panjab.

Herausforderungen für die Jugend
Viele junge Sikhs (auch im Ausland) befassen sich nicht mehr oder kaum mit den Inhalten der Sikhi und legen auch keinen Wert mehr auf die Bewahrung der sichtbaren Merkmale der Sikh-Religion. Sie argumentieren oft, dass der Turban und ungeschnittene Haare zu viel Zeit in Anspruch nehmen, die Tradition nicht mehr zeitgemäß ist, die Gesellschaft einen nicht akzeptiert, wenn man so “anders” ist oder dass die innere Haltung allein wichtig ist. Diese Erklärungen zeigen, dass sich Sikhs, allen voran die Elterngenerationen und auch die Gelehrten ernsthaft mit dem Thema Werte, religiöse Merkmale und Alltagstauglichkeit auseinander setzen müssen. Dies gilt umso mehr in der Diaspora. Ein Student, auf die sichtbaren Merkmale der Sikh-Religion angesprochen, antwortete: “Mein Vater hat zwar einen Turban, aber mir wurde nie gesagt, warum ich meine Haare bewahren soll. Ich habe auch sonst kaum etwas Inhaltliches über meine Religion erfahren. Außerdem haben die anderen auch keinen Turban, warum soll ausgerechnet ich einen tragen?” Andere verweisen darauf, dass ihre eltern es selbst nicht allzu ernst nehmen, mit dem Thema Religion. Die Aussagen machen deutlich, dass neben dem gesellschaftlichen Aspekt (Akzeptanz) auch die Erziehung eine wichtige Rolle spielt. So scheint es, dass weder in den Gurdwara noch in den Elternhäusern eine grundlegende Auseinandersetzung mit der eigenen Religion statt findet. “Ich gehe zwar in den Gurdwara, aber mehr weil ich soll. Ich finde es dort langweilig, weil dort immer alte Männer über Sachen reden, die nichts mit meinem Leben zu tun haben. Ab und an leiere ich die Gebete runter. Ich verstehe sie eh nicht, also kann ich’s auch lassen. Meine Eltern machen das auch so. Schnell die Gebete und dann ab in den Alltag”, meint ein anderer.

Religion ohne Wissen
Viele Sikhs scheinen kaum bis wenig über die Lehren des GGS zu wissen. Das eigentliche Problem ist, dass viele Sikhs auf sich selbst gestellt sind, wenn sie etwas über ihre Religion erfahren wollen. Dies gilt auch für viele (junge) Sikhs in Europa. Da viele
eingewanderte Eltern sehr mit der Sicherung ihrer Existenz oder mit Asylverfahren beschäftigt sind, haben sie nur wenig Zeit bzw. Interesse, sich intensiv um die (religiöse) Bildung ihrer Kinder zu kümmern. Andere haben selbst wenig Einblicke und können daher ihren Kindern keine inspirierenden Inhalte vermitteln. Zudem werden oftmals junge Sikhs noch ähnlich wie im Panjab erzogen. Kulturelle Elemente aus dem Panjab werden mit Sikhi verwechselt. So kommt es zu Entfremdung von den Eltern und den Lehren des GGS. Abkehr von der Religion dient dann auch als Abgrenzung von den Eltern.

Wichtig scheint daher, dass Sikhs Möglichkeiten bekommen, sich über ihre Religion zu informieren und in Problemlagen (persönliche, schulische, Fremdenfeindlichkeit etc.) bei Vertrauenspersonen Gehör finden. In diesem Zusammenhang müssen allen voran auch die Gurdwara in Zukunft ihre Rolle ändern. Zudem sollten Sikhs, die ihre Haare schneiden, nicht wie Abtrünnige behandelt werden. Gemäß den Lehren des GGS soll der Mensch nicht über andere richten. Das mag für Eltern sehr schwer sein, aber durch Ausgrenzung ist noch kein Mensch glücklich geworden. Sikhi basiert auf freiwillige Einsicht und tiefgehende Auseinandersetzung mit sich selbst. Alle sind daher aufgerufen, den Kindern Grundwerte zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, selbst zu entscheiden, was für sie gut ist und was nicht. Strenge Verbote und Strafen sind - dies bestätigen die Entwicklungen in Deutschland und anderen Ländern - kontraproduktiv. Kinder für die eigenen Versäumnisse zu bestrafen, ist schlichtweg unfair und lenkt von den eigentlichen Ursachen ab.

 

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