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SIKH-JUGENDCAMP SCHWEIZ - BEIM KÖNIGLICHEN TREFFEN LACHTE SOGAR DIE SONNE | GASTBEITRAG!

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die unterschiedlichsten Facetten der Schönheit unserer Religion zum ersten Mal als Gesamtpaket in unserem Gurdwara zu sehen waren. Und zwar beim Sikh-Jugendcamp Ende Juli 2010 in der Schweiz (Swiss) in Daeniken in der Nähe von Basel, welches von einem internationalen Team geleitet wurde.

 

Findet Nemo
Den Anfang unserer spirituellen Reise machte Harcharanjit Singh aus Malaysia. Mit seiner humorvollen Art konnte er auch die Aufmerksamkeit der jüngeren Kinder schnell wecken. Schon bald waren auch sie fähig, den Camp Theme Shabad „Sunn Sunn Jiwa Teri Baani (Wenn ich Deine Weisheit verinnerliche, dann erst bin ich wirklich lebendig. GGS, S. 749, M. 5)“ mit ihm und seinem Sohn mitzusingen. Sie beantworteten auch mit viel Eifer seine Fragen – auch über den Fisch Nemo. Denn sie hatten verstanden was der Besucher aus dem fernen Malaysia über den Vers „Jeo Machlee Bin Paaneeai Keo Jeevann Paavai" (Wie kann der Fisch ohne Wasser leben? GGS, S. 708, M. 5) erklärt hatte. Ein Fisch wie Nemo braucht Wasser, um zu leben. Ein religiöser Mensch braucht die Verbindung zum Schöpfer, um seine Seele zum leben zu erwecken. Doch als die Mägen der Kinder schließlich knurrten und dazu noch die ersten Düfte aus der Freiküche zu riechen waren, konnten die Kleinen nicht mehr still sitzen. Sie warteten sehnsüchtig auf das Essen und den Nachtisch: ihr geliebtes Eis.

 

Gespräche zwischen Prinzessinnen und Königen
Nach dem Langar sprudelten wir alle voller Energie. Die Campleiter teilten uns in Gruppen auf, damit ein größtmöglicher Lernerfolg erzielt werden konnte. In der ersten lockeren Kennenlernrunde spielten die jüngeren „Statur – Beweg Dich nicht“. Wir älteren stellten uns gegenseitig in einem Gedächtnistrainingspiel vor. Bei der Vorstellung kamen auch Nachnamen wie Bajwa und Dhillon usw. vor. Doch durch das Spiel lernten wir, welche Bedeutung unsere gemeinsamen
Familienamen Singh und Kaur haben. Viele Jugendliche waren darüber erstaunt, dass sie sich eigentlich als Prinzessinnen (Kaur) und Könige (Singh, Löwe) vorstellen können. Sie wussten gar nichts von den inspirierenden gemeinsamen Familiennamen, die Guru Gobind Singh einführte und dass Sikhs seither eigentlich keine weiteren Zusätze wie die „Got“ anfügen. Diese neuen Gedanken stärkten das Selbstbewusstsein von uns Jugendlichen, da wir im täglichen Leben ohne hin mit so manchen Problemen zu kämpfen haben wie zum Beispiel Benachteiligung in der Schule oder bei der Arbeit.

Gurmukhi-Spiele, Kirtan und Kunst
Später hat Ravinderpal Singh aus England mit seiner unbeschreiblich schönen Stimme den Abend mit
Kirtan ausklingen lassen. Am nächsten Morgen brachten er und die anderen Leiter den Kleinen durch verschiedene Spiele Basiswissen der Sikhi bei. Die Kinder lernten zum Beispiel die „Fünf Kakar“ kennen, die Namen der Sahibzade und vieles mehr. Gurjant Singh aus Indien brachte den Kindern die Schrift Gurmukhi bei. Viele jüngere Kinder haben mit Manpreet Kaur kunstvolle Bilder gemalt. Beim Malen haben sie gleichzeitig Gurmukhi und wichtige Begriffe aus der Sikh-Tradition gelernt. Zum Beispiel lernten die Kinder die Bedeutung der ersten beiden Zeichen des Adi Guru Granth Sahib.

 

Endlich! Prinzessinnen mit Turban
Den Kleinen wurde es nie langweilig. Hierfür sorgten auch Dilneet Kaur und Kirpal Singh aus Deutschland, Rajinder Singh aus Indien und Inderpal Singh aus England. Mit viel Geduld haben sie jedem einzelnen Kind gezeigt, wie man einen
Turban bindet und Fragen beantwortet. Die einen wollten einen runden Dumala, die anderen eher eine spitz gebundene Dastaar. Jeder Turban nach dem persönlichen Geschmack. Die Freude war den Kindern ins Gesicht geschrieben. Voller Stolz präsentierten sie ihren Turban den Eltern. Auch viele Mädels. Endlich Prinzessin!

später wurden dann einige unserer Fragen beantwortet. Es gab so viel, was wir nicht wussten: Warum man sich ausschließlich nur vor dem Adi Guru Granth Sahib verbeugt, was der Hintergrund des Darbar Sahib ist und vieles mehr. Im Gurdwara verstehen wir sonst nicht so viel, da die Erklärung oft an uns vorbei gehen. Später konnte man dann zwischen dem Film „Rahit Piary Muj Ko Sikh Piara Nahi“ und einem Ausflug bzw. Fußball entscheiden. Da die Sonne nichts gegen unser königliches Treffen hatte und den Regen vertrieb, entschieden sich viele für einen Ausflug und Fußball.

Gebet wozu?
Am nächsten Tag haben wir erstmals die Bedeutung des Abschlussgebets
Ardas gelernt. Uns wurden dabei Fragen gestellt, mit welchen wir uns noch nie befasst haben. Wir lernten, wie wichtig es ist, uns und dem Adi Guru Granth Sahib Fragen zustellen. Wir erfuhren, dass im Abschlussgebet die edlen Taten der Gurus und anderer vorbildlicher Sikhs in Erinnerung gerufen werden. Dass es darum geht, in der Gemeinschaft für das wohl aller zu beten und sein eigenes Ich hinten anzustellen. Und das ein Gebet nicht dazu da ist, materielle Dinge vom Schöpfer zu fordern oder eine gute Schulnote. Oder dass es nicht angemessen ist, gegen Geld ein Gebet in „Auftrag“ zu geben. Wir lernten die ganze Ardas auf Deutsch verstehen.

Wacht auf!
Das Gelernte mussten wir dann auch umsetzen. Im Camp wurden wir Jugendliche immer wieder ermutigt, alle wichtigen Sikh-Traditionen selber in die Hand zu nehmen. Auch im Gurdwara. Ein Motto der Campleiter war: „Wacht auf, hört zu, lernt, verinnerlicht und nehmt eure Verantwortung wahr!“ Am Sonntag war es dann soweit. Zum ersten Mal hat eine Jugendliche im Divaan vor der ganzen Gemeinschaft Ardas im Gurdwara gemacht. Das war wirklich eine tolle und inspirierende Premiere – vor allem für uns Mädels.
Gleichberechtigung live.

O-Töne: „Die waren gar nicht streng, sondern cool!”
Diese Reaktionen zeigen, dass dieses Camp mit vielen positiven Erinnerungen verbunden ist. Die kleine Prabhdeep und Parween fanden das Camp sehr abwechslungsreich. Sie betonten, dass sie die Campleiter „voll cool“ fanden. Parween: „Die waren gar nicht streng, sie haben uns nicht nur etwas über Sikhi beigebracht, sondern sogar Fußball mit uns gespielt. Und uns zum lachen gebracht.“

Jagjit Kaur sagte, dass sie oft an Camps teilgenommen habe, doch dieses sei das Beste gewesen, da sie auch viele neue Kontakte knüpfen konnte. Auch Simerprit Kaur genoss die internationale Atmosphäre: „Ich kenne nun Sikhs aus Malaysia, Deutschland und England.“

Die Mütter waren auch positiv überrascht von diesem Camp, Sukhwinder Kaur: „Nach langer Zeit habe ich im Gurdwara ein Gemeinschaftsgefühl gespürt, die Tage, die wir miteinander verbracht haben, haben einerseits uns Mütter aber auch die Kinder zusammen geschweißt.“

Arshbir Singh meinte, dass er in diesem Camp vieles gelernt habe. Die Art und Weise wie die Trainer Sikhi erklärten, fand er super. „Genau solche Leute brauchen wir, die wissen, wie man Jugendlichen etwas beibringt – und das noch auf Deutsch.“

Die Kleinen wie auch die Großen waren begeistert von Ravinderpal Singhs Stimme. Gurween Kaur und ihr kleiner Bruder meinten, sie hätten noch nie so eine wunderschöne Stimme gehört: „Einfach nur Wow!“

Abschließend möchte ich sagen, dass wir Jugendliche durch dieses Camp einiges an Wissen aber auch an Selbstbewusstsein gewonnen haben. Ich möchte mich bei Daljit Singh und Khushwant Singh bedanken, der mit viel Elan dieses Camp möglich gemacht haben. Ich hoffe, dass wir bald wieder die Möglichkeit haben, an solch einem Camp teilzunehmen. Denn ein großer Vorteil des Camps war, dass es Campleiter aus Deutschland gab, die auch alles in einfachen und jugendgerechten Worten auf Deutsch erklären konnten.

 

08/2010 | Prabhjot Kaur ist Schülerin in der Schweiz und besucht die Oberstufe.

 

 

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