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PANJAB - GRUNDWISSEN

Der Bundesstaat Panjab (auch Punjab) liegt im Nord-Westen Indiens. Panj-ab bedeutet dem persischen Ursprung nach “fünf Wasser”. Der Name lehnt sich an die Flüsse an, die durch den Panjab fließen (Jhelum, Chenab, Ravi, Beas und Sutlej). Allerdings hat sich die Zahl der Flüsse, die durch “den” Panjab fließen bzw. flossen durch Grenzverschiebungen im Laufe der Geschichte immer wieder verändert.

Die Ursprünge
In der Wissenschaft gibt es nach divergierende Ansichten über die Frühgeschichte Nord-Indiens. Vieles deutet wohl darauf hin, dass sich im Großraum Panjab mehrere tausend Jahre alte Zivilisationen wie Harappan entwickelt haben. Zumeist wird folgende historische Einteilung vorgenommen:
1) Induskultur (3000-1500 v. Chr.)
2) Zeitalter der Veden (1500-600 v. Chr.)
3) Postvedisches Zeitalter (bis 400 n. Chr.)
4) frühes Mittelalter (bis 1000)
5) Mittelalter (bis 1700)

Etwa 1500 vor Christus sollen demnach verschiedene Stämme aus dem Nord-Westen (darunter aus Mazar-e-Sharif) eingewandert sein. Darunter wanderten Nomaden, die Viehzucht betrieben, in das Gebiet. Architektonische Funde lassen den Schluss zu, dass das Leben der Menschen von starker Hierarchie und Handel geprägt  war. Während dieser Zeit entstanden die ersten geplanten Städte. Die eingewanderten Stämme, die kaum Landwirtschaft betrieben, lernten Anbautechniken von den Einheimischen. Nationalistische Interpretationen betonen hingegen, dass Nord-Indien nicht von anderen Stämmen besiedelt wurde, sondern vielmehr die einheimischen “Arier” (Noblen) sich von hier aus verbreiteten. Allerdings sprechen historische Funde deutlich diese Annahme.

Im Zeitalter der Veden dominierten übten die Schriften der Rig Veda und der Mahabarta einen großen Einfluss auf die Bevölkerung aus. Alexander der Große besiegte die Perser und drang 326 vor Christus weiter bis zum Panjab vor. Seine Armee überquerte den Indus und eroberte den Panjab bis zum Hyphasis (heute Beas). Nach seinem Sieg über den indischen Herrscher Poros am Hydaspes zwang ihn jedoch eine Meuterei seiner Soldaten zum Rückzug.

Um die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus wirkte Buddha im heutigen Bihar. Bis 400 nach Christus verstärkten buddhistische Traditionen und Lehren der Jains ihren Einfluss auf die Menschen. Das Prakirti, das dem Sanskrit nahe steht, vermischte sich mit lokalen Dialekten und wurde sehr populär. Vor allem Buddhisten verwendeten diese Sprache, weil diese sich aus Synkretismen populärer Dialekte zusammensetzte und sie sich somit vom alten Sanskrit absetzte. Es waren zunächst Buddhisten und Jains, die Götzenanbetung betrieben. Tieropfer waren ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Brahmanen übernahmen später diese Formen der Religionsausübung und konnten ihre gesellschaftliche Stellung als Elite ausbauen. Sanskrit etablierte sich zur Sprache der Oberschicht, alltäglich blieben Dialekte des Upbraj.

Im Mittelalter besetzten persische Herrscher das Land und hinterließen ihrerseits deutliche Spuren ihres Daseins. Im Zuge des unterwerfungsdranges muslimischer Herrscher wurde der Norden Indiens, so auch der Panjab, ab dem sechsten Jahrhundert regelmäßig erobert. 732 wurde Sind von Arabern unterworfen, um 1200 kam es zu ersten islamischen Staatenbildung. Qasim und die Herrscher von Ghazani waren maßgeblich an der Islamisierung der Region zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert beteiligt. Sultanate und lokale Herrscher wurden zum Machterhalt eingesetzt, Machtzentrum war Afghanistan. 1526 konnte Babar durch erfolgreiche Eroberungsfeldzüge seine Macht im Norden sichern. Guru Nanak wird Augenzeuge seiner Gewaltherrschaft:

“Die Hochzeitsgesellschaft der Sünde bringend, ist Babar aus Kabul eingefallen. Und fordert unser Land als sein Hochzeitsgeschenk, O Lalo. Bescheidenheit und Rechtschaffenheit sind verschwunden und Falschheit stolziert herum wie ein Führer, O Lalo” (GGS, S. 722, M. 1).

Der Tod des Moghulkaisers Akbar beendete 1605 die kurzweilig harmonischere Zeit in Nordindien. Sein Nachfolger Nuruddin Jahangir (1569-1627) markierte den Beginn einer Ära der Gewalt. Die erstarkte Gemeinschaft der Sikhs und Anhänger anderer Religionen waren seither ständiger Verfolgung ausgesetzt. Dennoch schafften es Sikhs unter Ranjit Singh, 1799 ein eigenes Reich im Panjab zu gründen. Am 29. März 1849 wurde der Panjab von den Briten annektiert. Die Sikhs, die für kurze Zeit über den Panjab herrschten, verloren ihr Reich.

Neuere Geschichte nach der Teilung Indiens
In der jüngeren Geschichte hat sich die Landfläche des Panjab deutlich verkleinert, weil dieser bei der Unabhängigkeit Indiens 1947 geteilt wurde. Weit mehr als die Hälfte des damaligen Panjab fiel an Pakistan, der Rest wurde Indien zugesprochen. Die damit verbundenen Zwangsumsiedlungen, der Verlust von Besitz und der Heimat vieler Menschen waren begleitet von gewalttätigen Ausschreitungen. Durch die Teilung wurden 66% der Gesamtfläche, 80% der bewässerten Gebiete und 52% der Bevölkerung dem neu entstandenen Pakistan zugeteilt. 1966 wurde unter Indira Gandhi den Sikhs die so genannte Panjabi-Suba zugestanden. Die von Hindus dominierten Gebiete wurden abgetrennt und in dem neu entstandenen Bundesstaat Haryana zusammengeschlossen. Die Mehrheitsverhältnisse änderten sich durch die Abspaltung zugunsten der Sikhs, diese stellen seither eine knappe Mehrheit im Panjab.

Laut dem offiziellen CENSUS OF INDIA 1991 (Indian Administrative Service Census Commissioner - www.censusindia.net & www.censusindia.gov.in) lebten 16.259.744, also über 16 Millionen Sikhs in Indien. Es wurden  8.610.508 männliche und 7.649.236 weibliche Sikhs gezählt. Sikhs stellen demnach 1.94% der indischen Bevölkerung (Hindus 82%, Muslime 12.12%, Christen 2.34%, Buddhisten 0.76% und Jains 0.4%). Allerdings sind in dieser Statistik die Bewohner von Jammu & Kashmir nicht erfasst; dort leben zahlreiche Sikhs. 1981 betrug die Alphabetisierungsrate im Panjab nach behördlichen Angaben etwa 40%. In den letzten Jahren ist diese Rate stetig gestiegen.

Der Panjab ist administrativ ähnlich den deutschen Landkreisen aufgeteilt. Die Hauptstadt Chandigarh (zugleich auch vom Bundesstaat Haryana) ist Unionsterritorium und gehört somit offiziell nicht zum Panjab sondern ist der indischen Regierung in Delhi unterstellt.

Der CENSUS OF INDIA 2001 zeigt folgendes Bild in Indien:

  • Hindu 827,578,868
  • Muslime 138,188,240
  • Christen 24,080,016
  • Sikh 19,215,730 (Männer 10,152,298 & 9,063,432 Frauen)
  • Buddhisten 7,955,207
  • Jain 4,225,053

Sikhs stellen somit 1.9% der Gesamtbevölkerung, die 1,028,610,328 Menschen zählt. Indien ist mit über eine Milliarde Menschen das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Der Subkontinent, der wohl zu den  pluralistischsten der Welt zählt, beherbergt die drittgrößte muslimische Population weltweit. Sikhs leben vor allem in folgenden Bundesstaaten:

  • Panjab 14,592,387
  • Rajasthan 818,420
  • Uttar Pradesh 678,059
  • Delhi 555,602
  • Maharashtra 215,337
  • Uttaranchal 212,025
  • Jammu & Kashmir 207,154
  • Madhya Pradesh 150,772
  • Chandigarh 145,175

Die weit verbreitetsten Sprachen sind Hindi, Bengali, Kannada, Marathi, Tamil, Urdu und Gujarati. Die Sprache Panjabi, die von den meisten Sikhs verwendet wird, rangiert an elfter Stelle. Sie wird von 29,102,477 Menschen, also 2.83% der Gesamtbevölkerung gesprochen.

Die statistischen Daten der Behörden sind (wie jede Statistik) kritisch zu betrachten. Zahlreiche Menschen - nicht nur im Panjab - leben ohne festen Wohnsitz. Sie sind zum Teil nicht registriert und tauchen somit in den Zahlen nicht auf. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die Bevölkerungszahl wohl höher liegt.

Wirtschaftlich dominierend ist nach wie vor die Landwirtschaft im Panjab, trotz industrieller Ansiedlung in den letzten Jahren sowie dem Aufbau des Dienstleistungs- und IT-Sektors. Die Stadt Ludhiana ist mittlerweile eine industrielle Millionenstadt. 84% des Landes werden landwirtschaftlich genutzt, 93% der Fläche ist bewässert. Vornehmlich werden Getreide, Mais und Reis angebaut. Obwohl der Panjab nur knapp über 2% der indischen Gesamtbevölkerung stellt, liefern die dort lebenden Menschen 50% der gesamten Reisproduktion und 60% der Getreideerzeugnisse. Zudem stammen etwa 33% der indischen Milchproduktion aus dem Panjab.

Die Dynamik der Region und die ereignisreiche Geschichte spiegeln sich in der religiösen, kulturellen und sprachlichen Vielfalt wieder. Verschiedene Philosophien, religiöse Praktiken, Tänze, Instrumente, Gesänge, Sportarten, Schriften, Anbautechniken und Baustile haben sich im Norden Indiens entwickelt.

 

Sehenswürdigleiten im Panjab

Der Darbar Sahib in Amritsar.

Der Gurdwara Takhat Kesgarh Sahib in Anandpur Sahib.

www.pgsciencecity.org/visit.htm
“Pushpa Gujral Science City offers a blend of education, curiosity and fun to ensure longer and repeated visits. The project is aimed at cultivating an interest in science through open-ended exploration away from text books and black boards, with a scientific approach to problem solving.”

www.amritsarcorp.com/panorama.htm
“Maharaja Ranjit Singh Panorama is a permanent visual documentation of Maharaja Ranjit Singh and it has been conceptualized and set up by National Council of Science Museums, an autonomous organization of the Ministry of Culture, Government of India.”

 

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