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Drei Nihang in Amritsar. Nihang sehen sich als Verteidiger der Religion. Sie besitzen oft eine ausgeprägte Affinität zur Waffenkunst. Die Waffen stehen symbolisch für den inneren Kampf gegen Egoismus und Materialismus. Nihang tragen bequeme Gewänder, gemäß dem überlieferten Erscheinungsbild Guru Gobind Singhs. Historisch interessant ist, dass einige Nihang Bhang (Haschisch) und Alkohol konsumierten, um sich auf einen Verteidigungskampf vorzubereiten bzw. um ihre Schmerzen nach dem Kampf zu lindern. Heute leben Nihang in sogenannten dere, gemeinschaftlichen Unterkünften. Einige von ihnen ziehen mit ihrem Familien von Ort zu Ort. Beim Baisakhi (Vasiakhi), einem populären Erntefest im Panjab, versammeln sich jedes Jahr tausende Nihang in Anandpur Sahib und führen ihre Waffenkunst vor. Auch ihre Kinder lernen bereits in jungen Jahren den Umgang mit Schwertern und anderen Waffen. Während einige Nihang sich vor allem um die Waffenkunst kümmern oder sogar Haschisch zu sich nehmen, sind andere Nihang sehr gelehrt und unterrichten Gurbani. Ihnen kommt zu Gute, dass sie bereits in jungen Jahren umfassendes religiöses und historisches Wissen verinnerlichen.
Stereotypisierung von Sikhs Oft werden Sikhs wie auf dem Bild repräsentiert, da es auf viele Menschen besonders exotisch wirkt. In der Tat sind nur sehr wenige Sikhs Nihang. Sikhs mit einem solchen Bild zu repräsentieren ist ungefähr so, als würde man einen weißen groß gewachsenen Mann in kurzen Lederhosen als typisch deutsch bezeichnen.
Dasam Granth Nihang messen den Schriften des Werkes Dasam Granth, die dem zehnten Meister Guru Gobind Singh zugeschrieben werden, hohen Bedeutung bei. In einigen historisch bedeutenden Gurdwara, die vor allem mit dem zehnten Meister in Verbindung stehen, wie Hazur Sahib in Nanded, wird das Werk zur Empörung vieler Sikhs neben dem GGS gleichberechtigt aufgebahrt. Das Werk Dasam Granth hat in den letzten Jahrzehnten eine Debatte ausgelöst. Hintergrund ist, dass einige Sikhs und Gelehrte davon ausgehen, dass der Dasam Granth komplett von Guru Gobind Singh geschrieben wurde und daher mehr als ein wichtiges historisches Zeitdokument darstellt. Andere gehen allerdings davon aus, dass die Schriften von verschiedenen Autoren erstellt wurden und diese im Verlaufe der Zeit in einem Werk vereint wurden. Sie schreiben nur einige Verse dem zehnten Meister zu. Darunter Jaap, Zafarnaamaa und Sawaiye. Das erste Gesamtwerk wird zumeist auf das Jahr 1698 datiert. Die Schriftensammlung erhielt den Namen Dasam Granth. Der Titel “Werk des Zehnten” suggeriert, dass der Autor Guru Gobind Singh sei. Die Schriften des Dasam Granth enthalten mythologische Textpassagen aus älteren Werken. Viele Inhalte scheinen beim ersten Blick bzw. bei einem wörtlichen Verständnis nicht im Einklang mit dem GGS zu stehen. Vor allem auch Passagen mit sexuellen Anspielungen. Fakt ist, dass die Inhalte des Dasam Granth nie Teil des GGS waren. Gleichwohl haben Verse aus der Schriftensammlung Eingang in die täglichen Rezitationen und das Abschlussgebet gefunden.
Die Forschungslage zum Dasam Granth ist insgesamt unübersichtlich, da kaum unabhängige und nicht interessengeleitete fundierte Forschungsergebnisse vorliegen. Vorurteilsfreie und inhaltlich orientierte Diskussionen scheinen nur schwer möglich zu sein. Beobachter gehen von einer Verflechtung von politischen und religiösen Partikularinteressen aus, auch innerhalb der einflussreichsten Sikh-Institution SGPC, des Sant Samaj (selbst ernannte Heilige) und der historischen Gurdwara. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Generationen das sensible Thema Dasam Granth behutsam und weitsichtig angehen und Entscheidungen treffen, die die Sikhs weltweit einen und nicht entzweien sowie zu Disorientierung führen. Auch wird es wichtig sein, solche Debatten zunächst in gelehrten Fachkreisen zu führen und uninformierte öffentliche Debatten zu vermeiden. Grundsätzlich ist es entscheidend, dass Sikhs sich im Rahmen dieser und ähnlicher Debatten vergegenwärtigen, dass der zehnte Meister ausdrücklich die alleinige Guruwürde in der Gurbani sieht, also den Schriften des Guru Granth Sahib (GGS).
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