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Nach langer Tradition: Diversifizierung ist angesagt www.swissinfo.org 17. Dezember 2003 11:12 ... Der Klang des Brands Victorinox hat selbst in Indien die Sikhs aufhorchen lassen. Victorinox erwägt nun nach ethischer Evaluation Krummsäbel für die Sikhs herzustellen, ein Ereignis, das selbst der BBC eine Nachricht wert war. ...
Verbot statt Dialog in Frankreich Deutsche Welle - 18. Dez. 2003 ... Sie müssen künftig ebenso wie Christen oder auch die rund 3000 in Frankreich lebenden Sikhs auf auffällige Zeichen ihres Glaubens verzichten. ...
Frankreich streitet um weltanschauliche Neutralität Grenz-Echo - 16. Dez. 2003 ... Doch selbst die kleine Minderheit der Sikhs fürchtet, den Turban abnehmen zu müssen und warnte deshalb vor Gesetzesregelungen. ...
Mit Dolch und Turban Funkhaus Europa Cosmo (04.12.03), 3'49 http://www.wdr.de/themen/kultur/netzkultur/heimatinseln/insel_18.jhtml Rita Bender ist Sängerin in der Sikh-Gemeinde in Moers. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Inder. "Viele denken, wir seien Taliban wegen der langen Bärte und der Turbane", sagt Rita. ... Radiomitschnitt
Urteile zur Berufskleidung http://archiv.waz.de 18.11.2003 Ein Arbeitgeber, der ein Restaurant betreibt und seinen am Grill beschäftigten Mitarbeitern Papiermützen als Arbeitskleidung zur Verfügung stellt, muss hinnehmen, dass ein gläubiger Sikh stattdessen einen Turban trägt. ArbG Hamburg 19 Ca 141/95
Sikhs - ein Tempel in Essen http://archiv.waz.de Leben für Offenheit und Toleranz WAZ 15.11.2003 / WOCHENENDBEILAGE / MANTEL Sikhs - ein Tempel in Essen: Leben für Offenheit und Toleranz Die Nahrung mit anderen teilen Mit dem Film "Kick it like Beckham" zog die Kultur der Sikh-Religion in unsere Kinosäle ein. Doch eigentlich leben einige Mitglieder der indischen Religion schon lange im Ruhrgebiet - und die rund 1000 Sikhs freuen sich über die kulturelle Annäherung, die ihnen Musik und Filme bringen. Dort, wo sich eine Industriehalle an die andere reiht und viele Schornsteine als Zeichen für das Ruhrgebiet stehen, macht bloß eine kleine, orangefarbene Flagge auf den heiligen Tempel der Sikh aufmerksam. Prunkvolle Säulen und vergoldete Statuen gibt es hier nicht. Doch die Anhänger der Guru-Bewegung Indiens aus ganz NRW finden in dem einfachen "Gurdwara Nanak Sar"-Tempel in Essen-Altendorf ihre Religion wieder. Direkt hinter dem Eingang führt eine enge Steintreppe hinauf in den Tempel. Aus Respekt vor dem Glauben lagern alle, die das Gebäude betreten, ihre Schuhe in einem riesigen Regal. Beim Betreten erinnert der Tempelraum selbst an eine alte Turnhalle. Aber bunte Teppiche, der Duft von indischen Gewürzen und unbekannte Klänge lassen das unscheinbare Äußere vergessen. Freundlich wird man von Frauen in indischen Gewändern und Männern mit Turbanen mit einem Lächeln begrüßt. Sandra Malhotra bietet jedem Neuankömmling exotische Speisen und schwarzen Tee mit Milch an. "Für uns sind alle Menschen gleich", erklärt die Frau des Priesters. "Und zu unseren Hauptgrundsätzen zählt, dass wir unsere Nahrung mit anderen teilen." ... "Bete zu Gott. Arbeite hart für deinen Lebensunterhalt. Teile mit dem Andern." - das sind die drei Grundsätze der religiösen Gemeinschaft. ... Die religiösen Rituale werden auch nach außen hin sichtbar. Wie bei Nonnen oder Mönchen haben die Sikhs Kleidervorschriften. An den so genannten "5 K's" ist ein gläubiger Sikh zu erkennen: ... : "Der Dolch ist natürlich nur noch ein Zeichen und kann nicht benutzt werden", klärt Sandra Malhotra auf. Sie selbst trägt ein blaues, verschleierndes Gewand. "Wir möchten von den Deutschen nicht falsch verstanden werden", betont der Priester Mohinder Singh Nagpal. Er erzählt von missbilligenden Blicken, die ihm auf der Straße zugeworfen wurden. Gerade nach den terroristischen Anschlägen am 11. September 2001 hatte sich die Ablehnung verstärkt, obwohl die Sikh-Religion nicht im Entferntesten betroffen war. Deshalb betont der Priester, dass Offenheit und Toleranz für den Sikhismus sehr wichtig sei: "Wir wollen, dass die Menschen wissen, dass bei uns jeder willkommen ist." Vera Kämper Sikh-Tempel in Essen, Richterstraße 9
Auch über einen Turban urteilte schon ein Gericht www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt/thema&id=0 30924095401.tfuc3em1 24. Sep 2003 Sikh klagte mit Erfolg gegen Kündigung. Die moslemische Lehrerin Fereshta Ludin hat vor dem Bundesverfassungsgericht (BVG) einen Teilerfolg errungen. Ohne gesetzliche Grundlage darf ihr nach dem Urteil das Tragen eines Kopftuchs im Schulunterricht nicht verboten werden. Aber nicht nur Ludin wehrt sich gegen berufliche Einschränkungen - auch ein Sikh zog bereits vor Gericht, weil ihm das Tragen seines Turbans während der Arbeit als Griller in einer Schnellrestaurantkette verboten werden sollte. Der vom indischen Subkontinent stammende Sikh hatte geltend gemacht, aus religiöser Überzeugung einen Turban statt der am Arbeitsplatz vorgeschriebenen Papierfaltmützen tragen zu müssen und angeboten, das Logo des Schnellrestaurants auf seinem Turban anzubringen. Das Arbeitsgericht, das von dem "gepflegten Aussehen" des Sikhs beeindruckt war, entschied dann im Januar 1996 mit Blick auf die Religionsfreiheit zugunsten des Klägers. Zuvor hatte ein Sachverständiger erklärt, dass das Tragen eines Turbans in der 500 Jahre alten Religion der Sikhs für die Männer unter den rund 20 Millionen Gläubigen ein zwingende Vorschrift sei. Die zweite Instanz endete dann mit einem Abfindungsvergleich: Der Sikh ließ sich eine unbekannte Summe für die Aufgabe seines Arbeitsplatzes zahlen. © Copyright AFP Agence France-Presse GmbH - Es handelt sich bei diesen Veröffentlichungen um automatisiert eingespeistes Material des Diensteanbieters AFP im Sinne des Teledienstegesetzes. afp, Mittwoch, 24. Sep 2003, 12:16 Uhr
Kopftuchstreit: Teilerfolg für deutsche Lehrerin www.swissinfo.org/sde/Swissinfo.html?siteSect=111&sid=4275731 24. September 2003 17:13 ... ZUM THEMA Lehrerin darf während des Unterrichts ein Kopftuch tragen Teilerfolg für die muslimische Lehrerin Fereshta Ludin: Das Karlsruher Verfassungsgericht befand, das Bundesland Baden-Württemberg habe ihre Religionsfreiheit verletzt. Das Bundesland hatte der Frau vor fünf Jahren die Lehrtätigkeit verweigert, weil sie aus religiösen Gründen darauf bestanden hatte, ihr Kopftuch auch im Unterricht zu tragen.
Verbot möglich – Gesetz nötig In Zukunft dürfen Kopftücher an deutschen Schulen nun verboten werden, entschied das Bundesverfassungsgericht. Allerdings müsse dem Verbot ein entsprechendes Gesetz zu Grunde liegen. Ob Ludin nach dem Urteil in dem langjährigen Rechtsstreit nun ihr Kopftuch im Unterricht tragen darf, hängt nun davon ab, ob Baden-Württemberg ein entsprechendes Gesetz einführt. Die Richter entschieden, es sei Sache der Parlamente der Bundesländer, die Problematik einzuschätzen. ...
Trennung von Kirche und Staat In der Schweiz scheint das Thema Kopftuch in der Schule derzeit nicht aktuell zu sein. Zwar musste 1997 in einem Fall sogar das Bundesgericht entscheiden, doch seither wurde die Frage kaum mehr öffentlich diskutiert. Damals hatten die höchsten Schweizer Richter einer Genfer Lehrerin das Tragen eines Kopftuches im Unterricht verboten. Das Urteil wurde mit kantonalem Gesetz und Verfassung begründet, die einen "konfessionell neutralen Unterricht" und eine "klare Trennung von Kirche und Staat" vorsehen. ...
Im Ausland aktueller Demonstrierende Schülerinnen und Mütter haben in Belgien zum Schulbeginn auf das Thema aufmerksam gemacht. Die meisten französischsprachigen Brüsseler Schulen haben ein Kopftuchverbot für Schülerinnen ausgesprochen und Mädchen, die auf ihr Kopftuch bestanden, fürs aktuelle Schuljahr nicht mehr eingeschrieben. In Frankreich gilt seit 1905 die Regel, dass "Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Ausübung ihrer Funktion" keine Zeichen religiöser Zugehörigkeit tragen dürfen. Ob Schülerinnen dies dürfen, bleibt aber höchst umstritten. Zum Thema hat sich letzthin auch der Innenminister Nicolas Sarkozy klar und unmissverständlich geäussert: "Wenn ich in eine Moschee eintrete, dann ziehe ich zuvor die Schuhe aus. Wenn eine junge Muslimin in die Schule geht, dann hat sie ihr Kopftuch abzulegen."
Ausnahme Grossbritannien Ganz anders in Grossbritannien. Dort lösen die Kopftuchdebatten der Nachbarländer nur Kopfschütteln aus. Nach dem Prinzip "Leben und leben lassen" wird in der Schule und am Arbeitsplatz die Meinung und Religion des Andersdenkenden akzeptiert. 1,4% der britischen Bevölkerung sind Muslime. Das Beispiel eines Sikhs illustriert diese Haltung wohl am Besten: Wegen seines Turbans war es ihm aus Glaubensgründen unmöglich, auf dem Motorrad einen Helm zu tragen. Das Gericht entschied zu Gunsten des Gläubigen und stellte die Religionsfreiheit vor die Sturzhelmpflicht. swissinfo, Christian Raaflaub
Erstmals Oberster Richter mit Turban statt Perücke 25.03.2003 / AUS ALLER WELT / MANTEL http://archiv.waz.de Erstmals hat in Großbritannien ein mit Turban bekleideter Richter am Obersten Gerichtshof des Landes ein Strafverfahren geleitet. Der indischstämmige Sikh Rabinder Singh (39) ist zudem der jüngste Oberste Richter im Königreich. Die reguläre Kopfbedeckung für Richter ist eine weiße Perücke. (kna)
Pilgerreise des Friedens www.netecho.info Grenz-Echo 2002 Zum ersten Mal findet während drei Tagen in Aachen das internationale Weltfriedensgebet statt. ...
Gläubiger Sikh von New Yorker Polizei gefeuert 12.06.2002 / AUS ALLER WELT / MANTEL http://archiv.waz.de New York. Er wollte sich nicht rasieren, seine langen Haare nicht schneiden und seinen Turban nicht gegen die Dienstmütze tauschen: In New York ist ein gläubiger Sikh als Polizeianwärter gefeuert worden. Nun hat der 25-jährige Amric Singh Rathour die Stadt verklagt. Dass ihm auf der Polizeischule die Zeichen seiner mehr als 500 Jahre alten indischen Religion genommen werden sollten, verstoße gegen die Gesetze über Chancengleichheit, erklärte der Sikh am Dienstag. In einer weltoffenen Stadt wie New York müsse es möglich sein, dass auch ein Polizist seine Haare endlos wachsen lasse, erst recht, wenn seine Religion dies vorschreibe. Statt einer Entschädigung verlangt Amric Singh Rathour die Wiedereinstellung. (dpa)
Gebetet wird getrennt, gehofft wird gemeinsam 25.01.2002 http://archiv.waz.de Papst trifft Religionsführer in Assisi Von Christa Langen-Peduto WAZ Assisi. Sie reisten zusammen hin, beteten dann getrennt und verpflichteten sich alle zu einem positiven Beitrag zum Frieden unter den Völkern: Ranghohe Vertreter von zwölf Religionen engagierten sich gestern in Assisi gemeinsam mit dem Papst gegen Krieg und Terrorismus. Antonio Carlino, Vorsteher des winzigen Vatikanbahnhofs, pfeift kräftig. Der Papst winkt. Und schon geht es los. Im "Pilgerzug der Hoffnung", so Johannes Paul II., sitzen alle gemeinsam in sieben Grossraum-Wagen eines italienischen Intercitymodells: Orthodoxe Patriarchen mit Bärten und schwarzen Roben, jüdische Rabbiner, Kardinäle mit scharlachroter Schärpe, farbenprächtig gekleidete afrikanische Animisten, Sikhs und weitere Vertreter von indischen Religionen, Buddhisten in leuchtender Seide, Konfuzius-Anhänger. ...
Indien - Die innenpolitischen Krisen www.n-tv.de/2891892.html Donnerstag, 27. Dezember 2001 Indien ... Die Ziele Gandhis, gewaltlosen Widerstand zu leisten und auf diesem Wege auch politische Probleme zu lösen, wurden von seinen Nachfolgern oft mit Füßen getreten. Auch die Tochter Nehrus, Indira Gandhi (nicht verwandt mit "Mahatma" Gandhi) unterstrich ihre Leitlinie immer wieder mit militärischen Mitteln. ...
So auch im Juni 1984. Ministerpräsidentin Indira Gandhi entsendet Truppen zum Goldenen Tempel von Amritsar, dem wichtigsten Heiligtum der Sikhs. Mehr als 1.000 Menschen sterben, als das Militär gegen aufständische Sikhs vorgeht, die den Tempel als Hauptquartier benutzen. Indira Gandhi wird am 31. Oktober 1984 von ihren Sikh-Leibwächtern erschossen. Auch ihr Sohn Rajiv Gandhi fand einen gewaltsamen Tod - nachdem er massiv in den Sri Lanka-Konflikt eingegriffen hatte. Gandhi wurde am 21. Mai 1991 durch ein Selbstmordattentat getötet.
Der Konflikt zwischen Moslems und Hindus und militanten Sikhs wird immer wieder von Neu-Delhi und Lahore geschürt, Extremistengruppen von ihnen unterstützt. ...
Sikhs angepöbelt www.taz.de/pt/2001/10/20/a0201.nf/text taz 20.10.01 Ein Turban macht noch keinen Terroristen: Die Gemeinde der Sikhs berichtet von Beschimpfungen ihrer Mitglieder. Nach den Terroranschlägen in New York und Washington ist es auch in Berlin vereinzelt zu Beschimpfungen von Ausländern gekommen. Insbesondere Menschen, die durch ihre traditionelle Kleidung auffallen, seien Opfer von Vorurteilen, betonten gestern Mitglieder der Sikh-Gemeinde. Da zu den religiösen Symbolen der Sikhs Turban und Bart gehören, würden sie manchmal irrtümlich für Araber, Muslime oder Anhänger von Terroristenführer Ussama Bin Laden gehalten, sagte Amarjeet Singh von der 200 Mitglieder zählenden Berliner Sikh-Gemeinde. Von Gewalt seien sie jedoch bisher verschont geblieben, fügte Singh hinzu, der seit 1963 in Deutschland lebt. Die Sikh-Gemeinde verurteilte die Terrorattacken vom 11. September auf das Schärfste. "In unserer Religion ist Gewalt gegen Unschuldige streng untersagt und verpönt, wie sicher auch in den anderen Religionen", betonte Singh. ... taz Berlin lokal Nr. 6579 vom 20.10.2001, Seite 24, 43 Zeilen (Agentur)
Muslime oder Sikhs? www.taz.de/pt/2001/09/25/a0077.nf/text betr.: "In Verteidigung des Westens"/ Bildunterzeile, taz vom 21.9.01 Unter einem Bild, das eine trauernde Sikhfamilie in den USA zeigte, heißt es: "trauernde arabische Amerikaner". Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass: 1. arabisch eine geografische Bezeichnung ist, 2. Moslems aus vielen verschiedenen Kontinenten kommen, die meisten Moslems tragen keinen Turban (auch die mutmaßlichen Terroristen nicht!). Aber Sikhs tragen in den meisten Fällen Turban, was sie nur mit einigen wenigen islamischen Geistlichen (Bin Laden wird seine Gründe haben, sich als islamischer Geistlicher zu präsentieren) gemein haben. Ansonsten tragen sie ein Käppi (was sie wiederum mit den Juden gemeinsam haben.) 3. Auch der lange, ungeschnittene Bart ist hauptsächlich ein Zeichen der Sikhs. Die allermeisten Moslems zudem in den westlichen Ländern tragen auch keinen Bart. 4. Geschichtlich gibt es eine eigenständige Sikh-Religion, die mit den Moslems keine Gemeinsamkeiten haben. 5. Spirituell glauben die Sikhs an einen überall und zu jeder Zeit anwesenden Gott in allem, auch in allen Religionen, allen Weisheitswegen, allen Teilen der Welt, allen Geschlechtern, Lebewesen, Kontinenten. Deswegen kennen wir keine allein selig machende Lehre, sondern lieben Toleranz und einen Geist der Zusammengehörigkeit aller Menschen, der nicht gefährdet werden darf durch die zurzeit vorhandene Krise durch Fanatismus und Terrorismus. SAT HARI SINGH, Hamburg
Die Redaktion behält sich den Abdruck und das Kürzen von Briefen vor. Die veröffentlichten LeserInnenbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der taz wieder. taz Nr. 6558 vom 25.9.2001, Seite 6, 44 Zeilen (LeserInnenbrief), 2
Die Bombenleger kommen! http://www.ref.ch/rna/meldungen/6410.html 13. November 2001 / 15:17:29 W E L T (HINTERGRUND) Männer mit Turban haben es schwer «Noch so ein Bin Laden!» - «Die Bombenleger kommen!» - Seit einiger Zeit muss sich Amarjeet Singh Sprüche wie diese öfters anhören, denn: Er trägt Turban und Vollbart.
Barbara Manterfeld-Wormit Allerdings ist er weder Araber noch Moslem. Amarjeet Singh ist Sprecher der Berliner Sikh-Gemeinde. Der ursprünglich aus Indien stammenden monotheistischen Religion gehören weltweit 22 Millionen Gläubige an. Rund 200 von ihnen leben in Berlin und Brandenburg - und wehren sich gegen falsche Verdächtigungen. Zusammen mit der Berliner Ausländerbeauftragten Barbara John gingen sie an die Presse: Aufklärung statt Vorurteile.
«Wer glaubt, er tue eine heilige Tat, indem er andere, unschuldige Menschen umbringt, hat seinen Glauben falsch verstanden. Keine Religion kann das zulassen, und die unsrige lässt das auch nicht zu!» Wie die Mehrzahl der Menschen in Deutschland ist auch Amarjeet Singh erschüttert von den Ereignissen des 11.September.
Die zehn Angehörigen der Berliner Sikh-Gemeinde, die sich an diesem Tag im Büro der Berliner Ausländerbeauftragten den Fragen der Presse stellen, wollen vor allem eins deutlich machen: Keiner von ihnen möchte sich aufgrund seines Äusseren in einen Topf werfen lassen mit religiösen Fanatikern und Gewallttätern.
«Sikhs leben seit Jahrzehnten in der Stadt. Sie gehören zu Berlin. Sie sind Berliner!», betont die Ausländerbeauftragte Barbara John und mahnt zu mehr Toleranz.
Die war an anderer Stelle bereits mühsam erstritten worden: Ein Mitglied der Sikh-Gemeinde im brandenburgischen Chemnitz musste sich vor Gericht verantworten, warum er als Motorradfahrer der Helmpflicht nicht nachkam. Das Gericht akzeptierte seine religiöse Überzeugung, nach der ein Sikh seinen Kopf zu bedecken habe und folgte der Argumentation des Angeklagten: «Mein Turban ist mein Schutz!»
Nach dem 11. September bietet der Turban weniger Schutz als Angriffsfläche. Muslime und Araber haben es da schwer und wer so aussieht ebenfalls. ...
«Du sollst niemandem Angst einjagen, aber du sollst auch keine Angst akzeptieren», rechtfertigt Amarjeet Singh den Kampf seiner Glaubensbrüder im heimischen Indien.
Wie beurteilt die Sikh-Gemeinde die militärischen Einsätze in Afghanistan? Amarjeet Singh wird nachdenklich. Er hofft, dass der Kampf gegen den islmistischen Terror nicht auf Afghanistan beschränkt bleibt. Aber: «Pakistan liegt zu nahe an meiner Heimat. Wir als Grenzland werden immer darunter leiden!» RNA Barbara Manterfeld-Wormit ist evangelische Theologin und freie Journalistin in Berlin.
Der Rückspiegel - Oben ohne 24.02.2001 / THEMA / MANTEL http://archiv.waz.de Oben ohne liebt Ranjit Singh (49) seinen heißen Ofen am meisten. Der in Hamburg lebende Inder hat sich von der Helmpflicht für Motorradfahrer befreien lassen - und zwar aus religiösen Gründen. Den Turban in der Öffentlichkeit abzunehmen, bedeutet aus der Religion auszutreten, erklärt der gläubige Sikh. Auf sein Motorrad als Beförderungsmittel kann und will er dennoch nicht verzichten - und ist den Gang durch die Mühlen von Recht und Gerechtigkeit gegangen. Vier Monate lang hatte der Inhaber eines vegetarischen Restaurants mit der Hamburger Innenbehörde um seinen Freifahrtschein gerungen, bis er endlich eine 15 Jahre alte Entscheidung des Verkehrsausschusses von Bund und Ländern aufstöberte. Diese gibt nicht nur Sikhs, sondern auch Ordensschwestern grünes Licht für die Fahrt ohne Helm. Eine Genehmigung muss jedoch in jedem Fall vom zuständigen Straßenverkehrsamt der jeweiligen Stadt oder des Kreises eingeholt werden. ...
WAZ-Serie Mitmenschen http://archiv.waz.de 15.04.1999 / LOKALAUSGABE / ESSEN WAZ-Serie Mitmenschen Den 300. Jahrestag der Gründung der Sikh-Religion ... feierten gestern über 300 Anhänger der Religionsgemeinschaft im Sikh-Tempel an der Richterstraße in Altendorf. Die weiblichen Mitglieder der Religionsgemeinschaft führen alle den Beinamen Kaur (Prinzessin), die Männer tragen den Namens-Zusatz Singh (Löwe). ... Alkohol, Tabak und Drogen lehnen sie ab, sexuelle Beziehungen sind nur mit dem Ehepartner gestattet. Bei der Feier in Altendorf wechselten Gebete mit religiösen Liedern ab, die Kinder vortrugen. Essen und Trinken wurde wie immer kostenlos ausgegeben. Eine Gruppe aus Indien begleitet die Festlichkeiten, die nach der gestrigen Hauptfeier noch bis Sonntag andauern.
105jähriger konkurrenzlos http://archiv.waz.de 15.11.1997 / AUS ALLER WELT / MANTEL Auf den Gang zum Siegertreppchen kann sich Joginder Singh schon jetzt freuen: Der 105jährige Inder will im Januar als ältester und einziger Sportler seiner Altersklasse bei der Oceana-Veteranenmeisterschaft in Hastings (Neuseeland) antreten - im Laufen, Werfen und Springen. Seit 1990 hält der Sikh mit 4,15 Metern den Weltrekord für Männer ab 95 Jahren im Weitsprung. (rtr)
Haben Sie die vielen Geier kreisen sehen? 22.06.1987 http://www.spiegel.de Von Strieder, Swantje SPIEGEL-Redakteurin Swantje Strieder über den Bürgerkrieg von Sikhs und Hindus im Pandschab *. Narinder Pal Singh wickelte sich den zweieinhalb Meter langen hellgrünen Turban um den Kopf, trank ein großes Glas Lassie, indische Büffelmilch, packte seine alte Kamera ein und verließ das Haus. ... An jenem brütendheißen Mai-Morgen brachte die Lokalzeitung in Tarntaran ein Photo, das Narinder Pal gemacht hatte: die lange gesuchte Sikh-Terroristin Radschwant Kaur bei ihrer Verhaftung. Fünf Todesdrohungen hatte der Lokalreporter vorher schon erhalten. "Bald bist du dran, Spitzel", hieß es in der letzten. ... Drei Tage später, als Awtar Singh, 23, erschossen wurde, gab es keine Zeugen. Der angebliche Sikh-Guerrillero, seit knapp einem Jahr in Untersuchungshaft, hätte sich nicht einmal wehren können. Seine Hände hingen schlaff herab, gebrochen während eines rüden Polizeiverhörs, behauptet seine Mutter. Am Vortag noch hatte sie ihren Sohn in Amritsar vor Gericht gesehen, auf der Anklagebank für Terroristen. Während des Verfahrens hatte die Polizei Awtars älteren Bruder und seinen Schwager, beide brave Familienväter, in Beugehaft genommen. "So konnten wir ihn nicht verteidigen", sagt sein Schwager Kashmir Singh, 37, blaß und strapaziert nach dem Gefängnisaufenthalt, "er war unschuldig. Deshalb haben sie ihn noch vor dem Urteilsspruch umgebracht." ... Indiens Polizisten wüten im Pandschab noch schlimmer. Während Premierminister Rajiv Gandhi, ein Hindu, lautstark den "Völkermord" der Singhalesen an den Tamilen Sri Lankas anprangert, schlagen, unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, 60000 seiner Uniformierten ihre eigene Schlacht gegen die Sikhs. "Es ist Krieg, die Terroristen können jederzeit zuschlagen", sagt Polizeichef Julio Francis Ribeiro, 58, mächtigster Mann im Pandschab seit dem 11. Mai, als Rajiv Gandhi den unruhigen Bundesstaat kurzerhand unter "President''s Rule", unter Zentralverwaltung, stellte. ... Wer jung ist, Bart und Turban trägt und womöglich noch ein Motorrad fährt, ist verdächtig. 1300 jugendliche Sikhs hat Ribeiro, so sagt er, in den letzten Wochen einsperren lassen. ... Mit jeder Stunde, die ein junger Sikh vermißt wird, sinken die Chancen, ihn lebend wiederzusehen. Meist verlieren sich seine Spuren auf einem Polizeirevier. Nach zwei oder drei Wochen liegen die Leichen in den Korn- und Reisfeldern an der nahe gelegenen Grenze zu Indiens Erzfeind Pakistan. "Illegaler Grenzübertritt", heißt es, oder "auf der Flucht erschossen". "Haben Sie die vielen Geier kreisen sehen", sagt ein alter Bauer, "die gab es hier früher nicht." Der Polizist Ribeiro, ein Christ aus Goa, besorgt im Pandschab das Geschäft der Hindu-Politiker, die seit Jahrzehnten die religiösen und territorialen Forderungen der Sikh-Gemeinschaft ignorieren und damit zwangsläufig die junge Generation von Fanatikern heranzüchten. ... Die vielbelächelten, sturen Sikhs fühlen sich als die Preußen Indiens und sind stolz auf ihre Leistungen. Sie haben den kleinen Teil des Pandschab, der nach der Abspaltung Pakistans bei Indien blieb, in eine Wohlstandsprovinz verwandelt. Die Frauen sind selbstbewußter als anderswo in Indien, die Männer größer gewachsen und besser genährt, die Kühe und Büffel geben fettere Milch, der Boden ist offensichtlich Gold wert. ... Mit seinem harten Kurs im Pandschab wollte Rajiv die Zentrifugalkräfte in seinem 750-Millionen-Menschen-Reich eindämmen und zugleich die Hindu-Mehrheit bei den Wahlen am 17. Juni im Nachbarstaat Harjana gewinnen. Von Korruptionsskandalen in seiner Umgebung angeschlagen, verlor er dennoch. Wie schon seine Mutter Indira richtet sich der Gandhi-Sohn nach den Interessen der Hindu-Wähler. Rücksicht auf den Hindu-Chauvinismus erzwingt acu, daß sich der Pandschab die von Le Corbusier gebaute Retortenstadt Chandigarh noch immer mit dem ungeliebten Nachbarstaat Harjana teilen muß, obwohl sie bereits Rajivs Großvater Nehru den Sikhs als Hauptstadt versprochen hatte. Noch kurz vor der Wahl sprach eine Regierungskommission den Sikh-Farmern ein Drittel der begehrten Wasserrechte an Pandschab-Flüssen ab, um das Wasser künftig Harjana zuzuführen. ... Doch die schlimmste Schmach tat Indira Gandhi den Sikhs an: Der Sturm auf den Goldenen Tempel in Amritsar war der tödliche Fehler ihrer Karriere. Am 6. Juni 1984 gab Frau Gandhi den Befehl zum Angriff auf die heilige Zitadelle, wo sich der Chomeini der Sikhs, Dscharnail Sant Bhindranwale, mit zweitausend bewaffneten Khalistan-Anhängern verschanzt hatte. 1200 Menschen, darunter viele unbeteiligte Pilger, starben im Kugelhagel. "Das war für uns so schlimm, als wenn Barbaren den Vatikan geschändet hätten", sagt ein Sikh. ... Hatten bei der Abspaltung Pakistans 1947 die Sikh-Kämpfer flüchtende Hindus noch vor der Wut des moslemischen Mobs geschützt, so meuterten nun ganze Armee-Einheiten von Turbanträgern wegen des Massakers an ihren Glaubensgenossen. Noch immer sitzen 379 Deserteure vom Juni 84 in Dschodhpur in Festungshaft. Dabei waren die Sikhs - obwohl nur zwei Prozent der Bevölkerung - mit über zehn Prozent der Soldaten das Rückgrat der indischen Armee. In drei Kriegen gegen Pakistan verdiente sich das Sikh-Regiment die meisten Auszeichnungen. ... Die Khalistan-Fanatiker drangsalieren aber auch ihre eigenen Landsleute, besonders im sogenannten Terroristengürtel 50 Kilometer im Umkreis von Amritsar. Im April verfügten sie ein Alkohol- und Rauchverbot. Sämtliche Frauen, Sikhs wie Hindus, sollten sich nicht mehr schminken, hieß es in den Drohbriefen, kein Bindi, den roten Punkt auf der Stirn, mehr tragen und statt Sari nur noch das traditionelle Pandschab-Kleid mit Pluderhosen. ... Indiras Sohn Rajiv, der ganz oben auf der Todesliste der Extremisten steht, hat alle Chancen zu einer friedlichen Lösung mit den gemäßigten Sikhs vom Akali Dal verstreichen lassen. ... Professor Darschan Singh Ragi, Oberpriester des Akal Takht, des religiösen Sikh-Rates. ... Nur er könnte die Khalistan-Terroristen zurückrufen, nur er könnte, vielleicht, zwischen dem ungeliebten "Hindu-Radsch", der Hindu-Obrigkeit Gandhis, und den Sikhs vermitteln. "Doch wenn die Herrscher zu Schlächtern werden", zitiert der Guru, "dann bekommt die Religion Flügel und fliegt von dannen." ... Vierzigtausend Sikhs, so schätzen die Religiösen, sind nach Indiras Tod umgekommen. "Die Dörfer sind leer, die Jungen fliehen - aus Angst", sagt Darschan Singh. ...
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