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Von Kirtan (Gurmat Sangeet) sprechen Sikhs, wenn Verse aus dem Guru Granth Sahib (GGS) in Begleitung von Instrumenten rezitiert werden. Kirtan ist ein sehr wichtiger Bestandteil im alltäglichen Leben von Sikhs. Er dient dem sinnlichen Zugang zu Spiritualität. Im Gurdwara nimmt die gesungene Rezitation aus dem GGS einen zentralen Stellenwert ein.

Raag und Instrumente
Dass Kirtan für die Gurus von besonderer Bedeutung war, erkennt man auch daran, dass der
gesamte GGS auf Raag (musikalischen Einheiten) basiert. Die meisten Verse haben eine spezifische melodische Grundform. Die Art des Raag ist daher den Versen voran gestellt. Raag Asaa bedeutet zum Beispiel, dass die nachfolgenden Verse nach dem melodischen Prinzip des Asaa geschrieben wurden. Es gibt Raag, die bestimmte Tages- und Jahreszeiten zum Grundthema haben. Die Verse Asaa Ki Vaar werden zum Beispiel bevorzugt vor dem Sonnenaufgang rezitiert. Allerdings darf hier kein dogmatisches Verständnis zugrunde gelegt werden.

 

Heutzutage verwenden Sikh-Sänger, Raagi, zumeist zwei Harmonium und einen Tabla. Zu Zeiten der Gurus wurden vor allem Saitenistrumente verwendet, darunter die Rabaab, Saranda, Taus und Dilruba. Damals wurde bei der gesungenen Rezitation viel Wert darauf gelegt, den Gesang möglichst gemäß den verwendeten Raag (melodischen Toneinheiten) in den einzelnen Versen des GGS vorzutragen. Das Harmonium wurde von den britischen Kolonisatoren in Indien eingeführt. Die Verwendung von Melodien aus populären Popliedern und der Volksmusik für Kirtan ist sehr wahrscheinlich eine Entwicklung, die im 19. Jahrhundert aufkam.

Bedeutung
Im GGS wird an vielen Stellen die Wichtigkeit der Lobpreisung der Schöpfung und seiner Tugenden betont. Der Grund ist, dem Menschen die Tugenden Gottes aufzuzeigen und sie im Herzen erklingen zu lassen. Nur durch die Verinnerlichung der
göttlichen Tugenden kann der Mensch ein kleiner Gott auf Erden werden. Guru Arjan schreibt:

“Singet Kirtan mit Lobpreisungen Gottes Tag und Nacht. Dies ist die fruchtbarste Tätigkeit” (GGS, S. 108, M. 5). “Lauscht dem Kirtan mit Lobpreisungen Gottes. Lobpreist den Herren durch die Rezitation von Kirtan. Kein Leid wird euch dann mehr etwas anhaben” (GGS, S. 190, M. 5). “Mein Yoga ist das Verinnerlichen von Kirtan” (GGS, S. 385, M. 5). “Der Mensch, der Gottes Kirtan (im Herzen) Tag und Nacht rezitiert, bleibt vom (Seelen)Tod verschont” (GGS, S. 386, M. 5). Gur Amar Das fügt hinzu: “Im Ausschnitt aus einer Kirtan-Rezitation | MereMan-GGS617.wma, 560 KBdunklen Zeitalter (Geisteszustand der Unwissenheit) hat der Kirtan des Schöpfers die Welt (Seele) mit Licht erhellt” (GGS, S. 145, M. 3).

Im GGS wird betont darauf verwiesen, dass bloße Rezitation fruchtlos bleibt, wenn wichar, die Erörterung und Reflektion der Inhalte sowie deren alltägliche Umsetzung ausbleiben: Bin kartuti mukat na paiai (GGS, S. 201, M. 5).

Kirtan, vorgetragen von Hazuri Raagi des Darbar Sahib.

Ausschnitt aus einer Kirtan-Rezitation | MereMan-GGS617.wma, 560 KB

 

Übersetzung des vorgetragenen Verses aus dem GGS, S. 617 von Guru Arjan:

* Pause weist darauf hin, dass dieser Abschnitt die Kernbotschaft des gesamten Verses beinhaltet und daher mit Ruhe und Konzentration wiederholt vorgetragen werden sollte.

Hinweis: Medietieren bedeutet im GGS immer die Verinnerlichung göttlicher Tugenden.

Kirtan zum download: www.gurmatsangeetproject.com

 

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