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Seit Gründung des Sikh-Forum haben wir inzwischen mehrere hundert Fragen zu ganz verschiedenen Themen beantwortet. Wir erhalten Anfragen von Universitäten, Journalisten, Schülern, Interessierten und Sikhs. Zum Teil werden auch persönliche Anliegen und Probleme vorgetragen. Antworten auf Fragen, die für viele Leserinnen und Leser  von Interesse sein könnten, haben wir unten zusammen gestellt (Frequently Asked Questions - FAQ). Wenn eine wichtige Frage oder eine Problemstellung unbeantwortet geblieben ist, schreibt uns eine E-Mail. Wir versuchen gerne, im Rahmen unser Möglichkeiten Antworten und Hilfestellungen zu geben. Gemäß dem Datenschutzgesetz behandeln wir alle Anfragen vertraulich und geben niemals ungefragt Daten an Dritte weiter.

 

  • Wo bekomme ich einen kompakten Überblick über die Sikh-Religion? Antwort
  • Warum passieren bei der Auslegung des Guru Granth Sahib oft Fehler? Antwort
  • Meine Lehrer machen mir Probleme wegen der Kopfbedeckung. Was soll ich tun? Antwort
  • Warum schneiden Sikhs ihre Haare nicht und bedecken diese? Antwort
  • Was für Kleider tragen Sikhs? Antwort
  • Was für ein Verhältnis haben Sikhs zu ihrem Körper? Antwort
  • Wo finde ich einen schönen Text zum Thema Aufklärung in Panjabi? Antwort
  • Ist ein goldener Armreif besser als ein schlichter aus Eisen oder Stahl? Antwort
  • Was muss bei Sikh-Patienten im Krankenhaus beachtet werden? Antwort
  • Was ist bei einem neuen Sikh-Kind im Kindergarten zu beachten? Antwort
  • Sind Sikhs nun Vegetarier oder nicht? Antwort
  • Wie sollten Bücher über die Sikh-Religion in Bibliotheken eingruppiert werden? Antwort
  • Warum heißen manche Hindus auch Singh? Antwort
  • Woher stammen die Verse, die vor und nach der Ardas gesungen werden? Antwort
  • Behörden akzeptieren den Nachnamen Singh bzw. Kaur nicht. Was kann man tun? Antwort
  • Gibt es Gebetsstätten (Gurdwara) von Sikhs in Deutschland oder Europa? Antwort
  • Welche Bedeutung hat das Symbol mit dem Kreis und den Schwertern? Antwort
  • Gibt es eine deutsche Übersetzung des Guru Granth Sahib? Antwort
  • Gibt es Literatur über die Sikh-Religion in deutscher Sprache? Antwort
  • Wie kann ich ein Sikh werden? Antwort
  • Wenn ich eine Sikh werde, wie verhält es sich mit feiern, Gebet und den Haaren? Antwort
  • Haben Sikhs ein geistliches Oberhaupt wie den Papst? Antwort
  • Sikhs werden wegen ihres Aussehens gehänselt. Was kann man tun? Antwort
  • Gibt es Bilder der Sikh-Gurus? Antwort
  • Wie verhalte ich mich als Besucher im Gurdwara? Antwort
  • Was für Gebete rezitieren Sikhs? Antwort
  • Wo kann man Sachen aus dem Panjab einkaufen? Antwort
  • Wo kann man Panjabi lernen? Antwort
  • Welche Bedeutung hat die Turbanfarbe? Antwort
  • Wie bindet man einen Turban? Antwort
  • Was oder wer ist die Damdami Taksal? Antwort
  • Was oder wer ist der Akhand Kirtani Jatha (AKJ)? Antwort
  • Welche Rolle spielt das Kastensystem (Jaat paat) in der Sikhi und bei den Sikhs? Antwort
  • Welche Rolle spielt der Tod in der Sikhi und wie läuft die Todeszeremonie ab? Antwort
  • Welche Rolle spielt Meditation? Welche Meditationstechnik lehrt die Sikh-Religion? Antwort
  • Was zeichnet ehrenamtlichen Dienst - Seewa - in der Sikh-Tradition aus? Antwort
  • Wie bereitet man Parshad zu? Antwort
  • Wie finden Sikhs einen Namen für ein neugeborenes Baby? Antwort
  • Wer ist der Autor des Dasam Granth? Antwort
  • Welche Bedeutung haben die fünf Kakar (5 K’s)? Antwort
  • Wir richten einen multireligiösen Gebetsraum ein. Worauf ist bei Sikhs zu achten? Antwort

 

Wo bekomme ich einen kompakten Überblick über die Sikh-Religion?
Einen zusammenfassenden Überblick über den Ursprung und die Inhalte der Sikh-Religion findet man im Informationsflyer. Der Flyer kann auch gerne für Referate, Vorträge oder Präsentationen über die Sikh-Religion bzw. Sikhi verwendet werden. Es sollte hierbei darauf geachtet werden, dass die Quelle des Flyers transparent gemacht wird.

Warum passieren bei der Auslegung des Guru Granth Sahib oft Fehler?
Eine ausführliche Antwort hierzu gibt es unter anderem im Artikel über den Guru Granth Sahib und in der beispielhaften Versinterpretation.

Meine Lehrer machen mir Probleme wegen der Kopfbedeckung. Was soll ich tun?
In Deutschland leben wir in einem Rechtsstaat, dies bedeutet, dass jeder Bürger (also auch Kinder) über Rechte und Pflichten verfügt. Die wichtigsten Regeln für ein gemeinschaftliches Miteinander sind im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgehalten. Das Grundgesetz beginnt folgendermaßen (die für uns wichtigsten Stellen sind kursiv dargestellt):

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
vom 23. Mai 1949 (BGBl. S. 1), zuletzt geändert durch Gesetz
vom 26. Juli 2002 (BGBl. I S. 2863) ...

Präambel

Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

I. Die Grundrechte

Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten
als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Artikel 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Artikel 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Artikel 4
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Aus dem Grundgesetz wird ganz klar, dass jedem Menschen grundlegende Menschenrechte zugestanden werden. Hierzu gehört, dass jeder Mensch seine Religion ungestört ausüben darf, solange andere nicht in ihren verletzt werden. Der Staat ist verpflichtet, dies zu gewährleisten. Darüber hinaus ist die Würde des Menschen sowie seine körperliche Unversehrtheit unantastbar. Für Sikhs gehört es zu einem würdevollen Leben und zum Sikh-Sein, die Haare, die als Teil des Körpers angesehen werden, zu bewahren und zu bedecken. Daher ist der Staat verpflichtet, dies als Form der Religionsausübung zu gewährleisten.

Kein Lehrer darf daher nach geltendem Recht vorschreiben, WAS Du trägst, WAS Du auf dem Kopf hast und WIE du es bindest. Ein Lehrer darf daher nichts zu deiner Kopfbedeckung sagen und auch nicht, dass diese oder jene Wickeltechnik angemessen ist. Er oder sie hat sich diesbezüglich neutral zu verhalten. Wenn ein Lehrer auch nur in Ansätzen etwas negatives sagt bzw. dich wegen der Bedeckung diskriminiert, begeht er eine unrechtmäßige Handlung und kann hierfür disziplinarisch belangt werden. Falls es vorkommen sollte, dass Lehrer dir Probleme machen, dann drucke diese Antwort (und am besten auch den nachfolgenden Punkt zu den Haaren) aus und lege sie den Verantwortlichen inklusive dem Direktor der Schule als Informationshinweis vor. Wenn es danach weiterhin Probleme geben sollte, dann melde dich bei uns.

Warum schneiden Sikhs ihre Haare nicht und bedecken diese?
In der Sikh-Religion ist es vor allem für männliche praktizierende Sikhs eine ehrenvolle Selbstverständlichkeit, dass ungeschnittene Haupthaar zu bedecken. Sikhs drücken durch die ungeschnittenen Haare ihren Respekt vor des Schöpfers Willen aus. Sie stehen zudem für ein weltzugewandtes Leben (Asketen scherren ihre Haare, um ihre Abkehr von der Welt auszudrücken). Die Kopfbedeckung drückt ein würdevolle und emanzipierte Lebenshaltung aus sowie einen hohen Charakter. Praktizierende Sikhs sehen ihre Haare als Teil ihre Körpers (ang) an und nicht als Symbol. Es ist daher etwas ganz natürliches für einen Sikh, seine Haare nicht zu schneiden; die Kopfbedeckung ist für getaufte Sikhs eine Selbstverständlichkeit. Sikh-Männer bedecken ihr ungeschnittenes Haar in der Regel mit einem Turban, Frauen die Wert auf die Kopfbedeckung legen, tragen ein dünnes Tuch (Tschuni oder Dupatta genannt). In einigen wenigen Fällen tragen Sikh-Frauen wunschgemäß einen Turban.

Wenn man die Haare schneidet, kommen sie wieder. Es ist ein Naturgesetz. Also geschieht dies entsprechend dem Wille der Schöpfung. Ein Sikh sagt sich: “Warum immer wieder gegen ein Naturgesetz angehen? Ok Gott, ich versuche deinen Willen, deine Naturgesetze zu akzeptieren und setze in Sachen Haupthaar mein Ego hinten an. Ich belasse mein Haar so, wie Du es erschaffst.” Entsprechend dieser Grundhaltung ist die Kopfbedeckung ein integraler Bestandteil des Sikh-Seins, im Besonderen für Männer. So wie man mit Kleidern den Körper verhüllt, werden auch die Haare bedeckt.

Der Verhaltenskodex der Sikh-Gemeinschaft (Sikh Rahit Maryada) schreibt ausdrücklich die Bewahrung ungeschnittener Haare sowie deren Bedeckung für getaufte Sikhs vor. Der Sinn dieses einheitlichen Erscheinungsbildes ist in den Lehren der Religionsgründer zu finden. Diese betonen die Notwendigkeit einer Balance zwischen innerer religiöser Haltung und äußerem Erscheinungsbild. Eine aufrichtige religiöse Haltung kann für sie niemals nur eine (innere) Angelegenheit der eigenen vier Wände sein. Sie zeigt sich vielmehr in der alltäglichen Ausübung. Ein Sikh versucht daher, immer und überall ein und derselbe Mensch zu sein und strebt danach, mit derselben Haltung und demselben Erscheinungsbild in den Gurdwara zu gehen wie zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen. Es geht als Sikh eben nicht darum, ein “Wochenend-Sikh” zu sein, der im Alltag keinen Turban trägt, sich aber am Sonntag für den Grudwara mit einem Turban schmückt.

Die ungeschnittenen bedeckten Haare haben nichts mit Werbung für den eigenen Lebensweg zu tun und auch keine politische Konnotation. So wird der Turban immer getragen - auch zu Hause - und nicht nur in der Öffentlichkeit oder bei festlichen Anläßen wie in anderen Traditionen. Letzlich drückt die Kopfbedeckung die Vereinbarkeit einer modernen und gleichzeitig in einer Tradition wurzelnden religiös inspirierten Lebensweise aus. Es sei in diesem Zusammenhang angemerkt, dass die Sikh-Religion keinen Missionierungsgedanken verfolgt.

Exkurs 1: In Indien wird Kopfbedeckung von Menschen verschiedenster Herkunft getragen. Die Kopfbedeckung spielt dort seit jeher eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. Früher trugen Fürsten einen Turban als Zeichen von Autorität, Würde und Nobelhaftigkeit. Heute tragen Menschen Kopfbedeckung aus religiösen, kulturellen aber auch aus pragmatischen Gründen, zum Beispiel als Sonnenschutz in der Wüste. Je nach Religionszugehörigkeit oder regionaler Herkunft variiert die Art der Kopfbedeckung. In Rajasthan werden andere Turbane getragen als im Panjab. Bei traditionellen Hochzeiten sieht man gar Männer aller Religionen einen Turban tragen.

Exkurs 2: Interessant ist, dass lange Haare im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder eine wichtige gesellschaftliche Stellung innehatten. Die Männer einiger germanischer und keltischer Stämme Nordeuropas trugen zum Beispiel Bärte und langes Haar, das über der Schläfe zu einem Knoten zusammengebunden wurde (Suebenknoten genannt). Die Frauen trugen ihr Haar, das von einem Netz zusammen gehalten wurde, am Hinterkopf. Kurz geschnittene Haare galten zur damaligen Zeit als Zeichen von Sklaverei oder Unterwürfigkeit. Diese Ansicht wirkte bis in die mittelalterliche Rechtssymbolik hinein. Bei den Franken hatte nur der König langes Haar. Im antiken Griechenland galten lange Haare als Geschenk der Götter für die Freien, daher durften Sklaven nur kurzes Haar tragen. Langes Haar galt bei Männern der Babylonier, Perser, Assyrer und Ägypter als Zeichen von körperlicher Vitalität. Laut Bibel verlor Samson mitsamt seinem Haar auch seine Stärke.

Exkurs 3: Die menschlichen Haare wachsen für gewöhnlich täglich um rund 1/4 mm. Sie haben eine Lebensdauer von mindestens einem halben Jahr und maximal bis zu sechs Jahren. Haare entwickeln sich bereits im Mutterleib. Gegen Ende der Schwangerschaft bedecken sie den Körper des heranwachsenden Babies mit zarten Flaumhaaren. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich in den kommenden 100.000 Jahren das Haupthaar des Menschen evolutionsbedingt stetig zurück entwickeln wird.

Was für Kleider tragen Sikhs?
In der Sikhi geht es nicht um müssen, sondern um wollen. Dies betrifft auch die Kleidung. Sikhs ziehen das an, was ihnen persönlich gefällt; sei es hinsichtlich des Stils oder der Farbe. Gott hat alle Farben gleich schön gemacht. Manche Sikhs tragen Hosen, einige Anzüge und andere wiederum Kleider, die eher im südasiatischen Raum populär sind. Hierzu zählt zum Beispiel die Tracht Salwar Kamiez für Frauen oder der Kurrta für Männer. Diese Trachten sind keineswegs durch die Sikhs entstanden, sie wurden schon lange vor den Sikhs von Menschen unterschiedlichster Herkunft getragen. Sie haben daher nicht direkt mit Sikh-Kultur zu tun.

Aus Sicht des Guru Granth Sahib spielt es für ein gottbewusstes Leben keine Rolle, welche Kleidung man trägt. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, sind allerdings einige Dinge bei der Kleiderwahl zu beachten. Ein Sikh versucht immer ganzheitlich zu denken. Dies bedeutet hinsichtlich der Kleider eine Wahl, die einen hohen Charakter repräsentiert. Sikhs des Guru Granth Sahib werden daher immer versuchen, saubere Kleidung zu tragen, die den Körper bedeckt. Das bedeutet nicht, dass Sikhs sich nicht hübsch machen können. Ganz im Gegenteil: Es ist immer eine Freude Menschen zu sehen, die sich sowohl um ihren Charakter als auch um ihr Äußeres kümmern. Sikhs gehen mit ihrem Äußeren allerdings reflektiert um und verfallen nicht dem verbreiteten ‘Schönheits’wahn. Männer können sehr wohl attraktiv sein ohne ihr Haar zu gelen und Frauen schön ohne ihr Gesicht vollzuschminken. Ein Superauschnitt, der mehr vom Busen zeigt als verdeckt (es grüßen die Wonderbras bzw. “Mayabras”) ist eben so leicht hinzubekommen wie ein String-Tanga, der halb aus der Hüfthose rausschaut. Aber schön und gleichzeitig edel zu sein, dies ist die Kunst in der sich ein Sikh übt. Inneres und Äußeres bilden eine ausgewogene Einheit. Da ungeschnittenes Haar für einen Sikh eine Selbstverständlichkeit ist, bedecken Sikhs in der Regel dieses genauso, wie sie auch ihren restlichen Körper bedecken. Kopfbedeckung (Turban oder Kopftuch) war im südasiatischen Raum immer ein Ausdruck von Nobelhaftigkeit und Würde; Sikhs tragen ihre Kopfbedeckung mit Stolz. Sie ist Teil der Sikh-Tradition (siehe auch Fünf K’s).

Was für ein Verhältnis haben Sikhs zu ihrem Körper?
Jeder Mensch, ob Frau, Mann, Junge oder Mädchen, wird gemäß dem Willen der Schöpfung geschaffen. Unserer aller Körper unterliegt gleichsam den Naturgesetzen, die fortwährend Veränderungen hervorbringen. Vor allem bei Neugeborenen und in in der Pubertät kommt es zu rasanten Entwicklungen. Jungen bekommen einen Bart und eine tiefe Stimme, Mädchen bekommen einen Busen. Beide Geschlechter haben gemein, dass in diesem Zeitraum die Geschlechtsreife einsetzt. Die Schamhaare beginnen zu wachsen. Jungen können nun eine Erektion und einen Samenerguss bekommen und bei Mädchen beginnt die Menstruation (“Tage”). All diese biologischen Prozesse sind etwas natürlich, da sie von der Schöpfung kreiert wurden. Im GGS schreibt Guru Nanak:

“Jio joroo siranaavanee aavai vaaro vaar || joothae joothaa mukh vasai nith nith hoe khuaar || soochae eaehi na aakheeah behan jo pinddaa dhoe || soochae saeee naanakaa jin man vasiaa soe ||2|| So wie die Frau regelmäßig ihre Tage hat, genauso ist die Falschheit im Munde der Tore und schafft wiederkehrendes Leid. Rein sind nicht die, die bloß ihren Körper waschen, sondern nur die, die die Schöpferin fortwährend verinnerlichen” (GGS, M. 1, S. 472). Der Vers bezieht sich auf die verbreitete Vorstellung, dass eine Frau, die ihre Tage hat, unrein sei und daher während dieser Zeit isoliert Leben sollte. Der Guru betont aber, dass nicht die menstruierende Frau unrein ist, sondern diejenigen, also auch Männer, die schmutzige Gedanken in sich tragen und niederes Handeln an den Tag legen.

Aus Sicht der Sikhi bedarf es keiner negativen Gefühle bezüglich biologischer Phänomene. Viel wichtiger ist, dass sich das schlechte Gewissen regt, wenn man Dinge sagt oder macht, die einen selbst oder andere schädigen. Oft haben Jugendliche, vor allem aus vermeintlich religiösen Familien (für die Religion primär die Befolgung von Menschen gemachten Regeln bedeutet), ein problematisches Verhältnis zu ihrem Körper. Dies liegt an der Erziehung bzw. an der kompletten Tabuisierung des Themas Sexualität und Nacktheit. Jugendliche versuchen in solchen Fällen über Freunde und Medien Antworten auf die Fragen zu bekommen, die sie zu Hause nicht stellen können. Bei manchen Jugendlichen entwickeln sich aufgrund der Heimlichtuerei über die Jahre hinweg ein schlechtes Gewissen, wenn es um Sexualität geht. Teilweise entsteht ein negatives Selbstbild. Der nackte Körper sowie Sexualität wird als etwas problematisches oder gar sündhaftes wahrgenommen. Es ist für Sikhs wichtig, an dieser ungesunden Haltung so früh wie möglich etwas zu ändern und sich davon zu befreien. Die Weisheiten der Meister bieteten hilfreiche Unterstützung an. Viele Verse betonen die Wichtigkeit, sich selbst, also den beseelten Körper, als Geschöpf Gottes anzunehmen und zu verstehen. Sie helfen zu der Einsicht zu gelangen, dass eine ganzheitliche Lebenshaltung, die Veränderungen und Sexualität als natürlich annimmt, förderlich ist.

Nehmen wir das Leben der Gurus als Vorbild. Sie waren Heilige, die als Ehemänner Kinder zeugten. In anderen Worten, sie haben den Sinn von Sexualität angenommen und nicht verdammt. Die Gurus haben das Thema Sexualität entsprechend nicht tabuisiert, sondern sind in ihren Schriften direkt darauf eingegangen (unter anderem GGS, S. 706, 945, 1013, 1022). Sie betonen, dass die menschliche Sexualität etwas natürlich ist, die sich gemäß dem Willen der Schöpfung entwickelt. Sie verweisen zudem indirekt darauf, dass Sexualität ein sehr sensibles Feld ist. Sex kann leicht zu Unglück (verletzte Gefühle, ungewollte Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten, AIDS etc.) und Ausschweifung führen. Die Gurus haben vorgelebt, dass ein Mensch sich nicht blind dem Sexualtrieb ausliefern muss, sondern diesen sinnvoll lenkt.

Nicht nur unter Sikhs kommt auch heute noch die Frage auf, ob eine Frau, die ihre Tage hat, beten darf. Solche Fragen zeigen, dass Menschen immer noch an von Männern geschaffenen Regeln, die zur Kontrolle der Frau und ihres Körpers dienen, glauben. Ein Sikh, der nach dem Guru Granth Sahib lebt, ist bestrebt, sich von sozialen und vermeintlich religiösen Zwängen (oft als Tradition bezeichnet) sowie Aberglauben loszusagen und als aufgeklärter Mensch ein natürliches Leben in Harmonie mit der Schöpfung zu führen. Natürlich kann eine Frau, die ihre Tage hat, Verse rezitieren und auch alle anderen Dinge tun, die sie sonst auch tut. Kein Mensch ist aufgrund von biologischen Prozessen zu irgendeiner bestimmten Zeit unrein. Unreinheit in der Sikhi bezieht sich immer auf den Geist und ist dann Vorhanden, wenn der Mensch sich von Tugenden entfernt.

Wo finde ich einen schönen Text zum Thema Aufklärung in Panjabi?
Zwei wundervolle Texte zu diesem wichtigen Thema gibt es hier.

Ist ein goldener Armreif besser als ein schlichter aus Eisen oder Stahl?
In der Sikhi geht es um ein schlichtes Leben bei dem Inneres und Äußeres eine stimmige Einheit bilden (GGS, S. 919, M. 3). Durch äußere Veränderungen allein wird man im Inneren kein besserer Mensch. Durch ein vermeintlich reiches Äußeres wird man im Herzen nicht reich. Das Einzige, was man damit erreichen kann, ist soziale Wertschätzung von solchen Menschen, für die Äußerlichkeiten wie goldene Utensilien ein Zeichen von Reichtum sind. Wann immer wir etwas tragen, sollten wir uns fragen, warum wir das tun und für wen. Mache ich mich schön für meinen Lebenspartner oder um die Blicke anderer Menschen auf mich zu ziehen? Entsprechend der Sikh-Tradition ist ein schlichter Eisenarmreif oder Stahlarmreif Teil des Erscheinungsbildes eines (getauften) Sikhs und gehört zu den fünf Kakar (K’s). Der schlichte Armreif ist kein Schmuck. Dieser soll dem Sikh eine gemeinschaftliche und nicht persönliche Note verleihen. Daher tragen fast alle Sikhs weltweit einen schlichten Armreif.

Was muss bei Sikh-Patienten im Krankenhaus beachtet werden?
Für Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger gilt zunächst allgemein, immer höflich nach den individuellen Bedürfnissen und Lebenslagen nachzufragen. Ein stereotypisches Vorgehen ist unangebracht. Handelt es sich bei den Patienten um Sikhs, die im Panjab aufgewachsen sind, bevorzugen Frauen sehr wahrscheinlich weibliches und Männer männliches Personal. Bei Sprachbarrieren oder religiösen Fragen, sollte immer eine kompetente Person hinzugezogen werden, die helfen kann. In einigen Städten hilft der Rat der Religionen hierbei weiter.

HYGIENE
Viele Sikhs waschen sich bevorzugt unter fließendem Wasser und ziehen daher eine Dusche einem Bad vor. Nach der Toilette reinigen sie sich mit Wasser, anstatt nur Toilettenpapier zu benutzen. Vor dem Essen legen Sikhs Wert auf gewaschene Hände. In ihrer Gegenwart sollte nicht geraucht oder Alkohol sowie Drogen konsumiert werden.

ERNÄHRUNG
Sikhs sind zum Teil Vegetarier. Dies bedeutet, sie meiden in diesem Fall alle Fleisch- und Fischsorten. Geschächtetes Fleisch wird von Sikhs grundsätzlich gemieden. Manche Sikhs
essen auch keine Eier. Daher ist im Einzelfall nachzufragen, welche Ernährung bevorzugt wird. Sikhs bevorzugen generell Speisen, die in ihrem eigenen Hause frisch zubereitet wurden.

Im Gurdwara, der religiösen Schulstätte, wird nach dem Abschlussgebet immer eine besonders zubereitete Süßigkeit verteilt, Parshad. Es kann vorkommen, dass ein wenig davon und andere Speisen einer Patientin oder einem Patienten von Angehörigen mitgebracht wird. Es kann aus ganzheitlicher Sicht nicht schaden, wenn Patientinnen oder Patienten mit einer besonderen Diät, etwas von den mitgebrachten Speisen kosten dürfen, sofern keine zwingenden medizinischen Gründe dagegen sprechen.

RELIGIÖSE PRAXIS
Grundsätzlich ist es für Sikhs wichtig, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihre Religion auch im Krankenhaus bestmöglich ausüben zu können. Sikhs
beten in der Regel am Morgen und am Abend. Hierzu verwenden Sikhs ein Gebetsbuch - Gutka genannt -, wenn sie die Verse nicht auswendig können. Heutzutage hören sich Sikhs Rezitationen der Verse mit einem Mp3-Player oder Smartphone an. Vor den Gebeten waschen sie sich die Hände und oft auch die Füße und Spülen sich den Mund mit Wasser. Bettlägerige Patientinnen oder Patienten sollten mit einer kleinen Waschschüssel versorgt werden.

Sikh-Patienten, die gut gehen und sitzen können, freuen sich sicher über einen separaten, ruhig gelegen (multireligiösen) Gebetsraum. Dieser sollte sauber, schlicht und absolut rauchfrei sein. Von Vorteil wäre, wenn man bequem auf dem Boden sitzen könnte. Gut gepolsterte Teppiche und Kissen wären eine gute Möglichkeit.

Die fünf K’s sind für einen getauften Sikh bedeutsam. Ein getaufter Sikh wird nur bei gegebener Notwendigkeit Kirpan, Kangha oder Kaschaira ablegen. Die Haare aus medizinischen Gründen abzuschneiden, fällt einem Sikh sehr schwer. Dies sollte daher nur bei lebenswichtigen Maßnahmen erfolgen. Eine ausführliche Beratung über die medizinischen Hintergründe ist ratsam. Karra und Kirpan können für Röntgenuntersuchungen problemlos abgelegt werden. Bei kleineren Untersuchungen können sie mit Pflaster zur Seite geheftet werden.

GEBURT UND NAMENSGEBUNG
Die Geburt eines Babys ist ein freudiges Ereignis für Sikhs, da sie zumeist sehr familienorientiert sind. Angehörige werden die Mutter regelmäßig besuchen und ihr Essen mitbringen. Dabei kann es auch vorkommen, dass Süßigkeiten verteilt werden. Das neugeborene Kind bekommt seinen Namen in der Regel nicht gleich nach der Geburt, sondern nach der Rückkehr der Mutter aus dem Kranken- oder Geburtshaus. Gemein haben alle Sikhs, das Frauen den einheitlichen Nachnamen “Kaur” und Männer den Namen “Singh” tragen. Dies ist bei den Formalitäten zu berücksichtigen. Der
Vorname wir traditionell gemeinsam mit der Familie mithilfe des Guru Granth Sahib ausgewählt.

STERBEBEGLEITUNG UND ORGANSPENDEN
Schwer kranke Sikhs, die selbst nicht mehr in der Lage ist, Verse zu rezitieren, werden sicher gerne Verse des Guru Granth Sahib anhören wollen. Sollte es keine Verwandten und Freunde geben, die dies tun können, ist es hilfreich, Kirtan oder Gebetserläuterungen von CD abzuspielen. Man findet kostenfreie
Rezitationen im Internet. Ansonsten kann man auch versuchen, aus dem nächsten Gurdwara Aufnahmen zu besorgen. Sind Sikhs todkrank oder liegen im Koma mit aussichtslosen Aussichten auf Genesung, sind aus religiöser Sicht alle Geräte zu entfernen, die den körperlichen Tod hinauszögern. Wichtig ist, möglichst frühzeitig mit Sikhs, die eine ernsthafte Erkrankung haben, über den Umgang mit lebensverlängernden Maßnahmen zu sprechen.

Sikhs versuchen bestmöglich, den körperlichen Tod genauso wie die Geburt als einen natürlichen Schritt anzunehmen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Seele einer gemeinsamen unendlichen und unbegreiflichen Quelle entstammt. Ein lebloser Körper hat für Sikhs daher keinen hohen Wert mehr, daher wird er verbrannt. Sikhs haben nichts dagegen, wenn Nicht-Sikhs den leblosen Körper respektvoll berühren. Die Versorgung des Leichnams kann vom Pflegepersonal wie üblich durchgeführt werden. Die fünf K’s von getauften Sikhs sollten möglichst nicht entfernt und weder das Haar geschnitten noch der Turban abgenommen werden. Der Körper wird gewaschen und mit weißer Kleidung bedeckt. Gegenüber einer Obduktion mag es persönliche Vorbehalte geben, aus religiöser Sicht gibt es keine Einwände. Auch ist nichts gegen Organ- und Blutspenden oder Bluttransfusionen einzuwenden. Im Gegenteil. Aus religiöser Sicht ist der Dienst an Mitmenschen ein hohes Gut.

BESTATTUNG
Bei der Bestattung sind immer die jeweiligen Gesetze des Landes zu berücksichtigen. Sikhs werden eingeäschert, wenn dies möglich ist. Dabei sind keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Die Asche wird der Natur zurückgeführt, sei es durch das Verstreuen in einem Wald oder einem Fluss. Angehörige, Freundinnen, Freunde und Kollegen kommen in der Regel zusammen, um Verse aus dem Guru Granth Sahib zu rezitieren. Oft werden die Verse des Sohila rezitiert. Dies ist wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit. Anschließend gehen Sikh-Familien zumeist in den nächsten Gurdwara.

HINWEIS
Der vorliegende Text kann in Einrichtungen, wo er dem Personal, Patienten und Besuchern eine Hilfe sein kann, ausgelegt werden (Quelle:
www.sikh-religion.de).

Nützlich ist auch der Informationsflyer zur Sikhi (Sikh-Religion). Eine Publikation der Evangelischen Kirche Rheinland, die sich an den oben genannten Inhalten orientiert, ist zu dem Thema erhältlich: “Die wichtigsten Religionen und Weltanschauungen. Ein Leitfaden für Mitarbeitende in Krankenhaus, Einrichtungen der Altenhilfe und Hospiz.” Ausführliche Informationen zum Umgang mit dem Tod aus Sicht von Sikhi sind im dem Artikel “Der Tod - Ein Mysterium” zusammen gestellt.

Was ist bei einem neuen Sikh-Kind im Kindergarten zu beachten?
Eigentlich ist es am besten, wenn man das Kind nicht in eine Sonderposition bringt, sondern versucht es genauso wie all die anderen Kinder zu behandeln. Wichtig wäre, zunächst ein Gespräch mit den Eltern zu führen hinsichtlich Essgewohnheiten (manche Sikhs sind Vegetarier), Sprachkenntnisse und andere familiäre Lebensgewohnheiten. Bei Gelegenheit sollte den anderen Gruppenkindern erklärt werden, was sich bei Sikh-Jungen unter dem Patka verbirgt, um so die Kinder darüber zu informieren, dass es nur lange Haare sind. Meistens geben sich Kinder mit einfachen und ehrlichen Erklärungen zufrieden. Was sich bewährt hat ist als Sikh zu sagen: “Ich schneide meine Haare nicht und bedecke sie so wie meine Beine mit einer Hose und meinen Oberkörper mit einem T-Shirt. Ich finde es schön, einen Patka/Turban/Dutt zu tragen; das ist was ganz normales für mich”. Manchmal passiert es, dass Sikh-Kinder von gruppenfremden Kindern gehänselt werden. In erster Linie dient der Umgang der Erzieherin mit dem Sikh-Kind für die anderen Kinder als Leitbild (Respekt für das Kind und seine Lebensgewohnheiten, aber keine Sonderbehandlung). Es ist wichtig, die Kindergartenkinder und wenn möglich auch deren Eltern Grundkenntnisse über Sikhi zu vermitteln. Dies kann für einen harmonischen Umgang in der Gruppe nützlich sein. Natürlich hängt es auch von dem Verhalten des Kindes selbst ab, wie es von den anderen Kindern aufgenommen wird. Erfahrungsgemäß integrieren sich Sikh-Kinder von sich aus recht schnell in Gruppen. Eine andere Möglichkeit ist, potentielle Konflikte zu besprechen oder in kleinen Rollenspielen bewusst zu machen. Dies gilt für beide Seiten. Dabei stellt sich die Frage: “Was finde ich bei dem anderen komisch?” bzw. “Wieso finden die anderen mich anders!” Das Buch von Erik Carle “Irgendwie anders” ist in diesem Zusammenhang empfehlenswert. Folgende Seiten bieten einiges für und über Kinder:

Sunny - Ein Animations-Film über einen Sikh-Jungen, www.theproudsikh.com

Kurze Videos über Sikh-Schüler in den USA,
www.sikhnextdoor.org/video.html

Auf folgenden Seiten sieht man, wie man einen Turban bindet (man sieht auch die offenen Haare):
www.sikhwomen.com/turban/index.htm, www.sikhwomen.com/turban/how.htm
Video:
www.sikhwomen.com/turban/videos/HowToTieATurban_Medium.wmv (4 MB)

Sind Sikhs nun Vegetarier oder nicht?
Diese Frage ist nicht klar zu beantworten, weil es im Ermessen des einzelnen Sikh liegt, darüber gemäß der Lebenssituation zu entscheiden. In der Alltagspraxis ist es so, dass Sikhs, die Fleisch essen, alle Sorten Fleisch essen (auch Rind- und Schweinefleisch), außer geschächtetes Fleisch. Diejenigen, die sich vegetarisch ernähren, essen konsequenterweise auch kein Fisch und keine Eier. Es macht natürlich einen Unterschied, wo ein Sikh lebt. Sikhs, die in Europa leben, haben beispielsweise ein anderes Verhältnis zu Rindern oder Eiern als Sikhs, die Indien leben. Auch spielt der Familienhintergrund, der Bildungsgrad und Stadt/Landunterschiede eine Rolle.

Guru Nanak schreibt im Guru Granth Sahib auf Seite 1289, dass diejenigen, die darüber streiten, was man essen soll oder nicht, Tore sind. Die Weisheit des Guru Granth Sahib lehrt, sich selbst, also auch den Körper, ganzheitlich zu respektieren. Dem Haus Gottes - dem Körper - sollen nur solche Dinge zugeführt werden, die natürlicherweise erforderlich sind. Die Gurus meinen, dass in Bezug auf Nahrung zu sehr isoliert debattiert wird. Eine stimmige Gesamteinstellung dem Leben gegenüber ist ihnen viel wichtiger.

Guru Nanak kritisiert, dass Vegetarier (er bezieht sich exemplarisch auf Brahmanen, die strenge und ausgefeilte Regeln darüber aufstellen, was essbar ist und was nicht) oft denken, sie seien dadurch bessere Menschen (GGS, S. 472, M. 1). Letztlich führt ein solches Verhalten zu Egoismus und Abgrenzung. Doch was einen religiösen Menschen ausmacht, sind göttliche Gedanken und Taten, die Einheit fördern. Der Guru plädiert daher auch beim Essen für ein reflektiertes und in sich stimmiges Vorgehen. Ein Beispiel: Wenn man als Raucher kein Fleisch ist und dies damit begründet, dass Fleisch der Gesundheit abträglich ist, dann ist dies aus Sicht der Gurus keine wahrhaftige Haltung. Guru Nanak sagt, dass jegliche Art von Nahrung bzw. Genussmittel, die den Körper oder den Geist beeinträchtigen, zu meiden sind (GGS, S. 16, M. 1). Die Weisheit des Körpers sollte respektiert werden. Das bedeutet, dass nur das zugeführt wird, was der Körper wirklich braucht. In anderen Worten: Menschen sollen essen, wenn sie hungrig sind, schlafen wenn sie müde sind und eben nicht essen bzw. schlafen wenn der Geist Lust dazu hat. Entsprechend dieser Haltung ist der übermäßige Konsum von Schokolade, Chips, Burgern, Trauben, Pakaurre und Rotian (Fladenbrote) ebenso schädlich wie zuviel Alkohol. Den Gurus geht es um eine reflektierte, natürliche und ganzheitliche Einstellung dem Essen gegenüber. Ein Sikh versucht daher, sich nicht von verführender Werbung auf das Glatteis führen zu lassen.

Aus biologischer Sicht stellt sich folgende Frage: Wenn man nicht eindeutig unterscheiden kann, was aus Fleisch und was pflanzlich ist, wie sollen man da dies oder jenes als vermeintlich sündhaft deklarieren? Und wo doch die Schöpferin in allen Lebewesen (Tiere und Pflanzen) gleichsam weilt, welche Ernährungsweise ist da zu rechtfertigen und welche nicht? Aus wissenschaftlicher Sicht ist es heute ein leichtes zu zeigen, dass es Lebensarten wie zum Beispiel die Augentierchen Euglena gibt, bei denen es unmöglich ist, eine klare Unterscheidung zwischen Tier und Pflanze zu treffen. Als was soll man zum Beispiel eine “Pflanze” bezeichnen, die Photosynthese betreibt, sich aber von Insekten ernährt, die sich in ihren Blüten verfangen? Und wie steht es mit Menschen, die in solchen Gebieten der Erde leben, in denen man ausschließlich auf Fischfang angewiesen ist? Sind denn diese nun ‘schlechte’ Menschen, weil diese Fisch verzehren (müssen)?

Explizit steht in der Sikh Rahit Maryada (Verhaltenskodex) nur, dass es einem Sikh verboten ist, geschächtetes Fleisch (hier wird dem Tier die Halsschlagader durchtrennt und anschließend gewartet, bis das gesamte Blut aus dem Tier herausgeströmt ist) zu verzehren. Der Hintergrund ist der, dass das Tier bei dieser Prozedur unnötig lange leidet. Darüber hinaus gibt es keine Einschränkungen. In Gurdwara war es dagegen schon immer üblich, nur vegetarisches Essen anzubieten. Der Grund ist einleuchtend: Niemand muss sich erst erkundigen, ob ein vegetarisches Mahl zubereitet wurde oder nicht. Jeder kann sorglos teilhaben.

Es ist anzunehmen, dass Sikhs zu Zeiten der Verfolgungskriege auf Fleischverzehr angewiesen waren. Es gibt Überlieferungen, die berichten, dass Sikhs aus Not ihre Pferde schlachten mussten, weil sie ansonsten verhungert wären. Auch kann angenommen werden, dass zum Beispiel Guru Gobind Singh Fleisch zu sich genommen hat. Er war der überlieferten Tradition zufolge, wie bereits andere Gurus vor ihm, ein passionierter Jäger und auch in kriegerischen Auseinandersetzungen wohl auf Fleisch als Nahrungsmittel angewiesen. Das historische Dokument Amarnamah (datiert 7.10.1708) beschreibt nicht nur, wie der zehnte Guru anordnet, ausschließlich den Guru Granth Sahib als Guru anzusehen, sondern schildert auch, wie der Guru treue Sikhs bittet, Ziegen zu schlachten und das Fleisch unter den anwesenden Armen zu verteilen. Wenn das Dokument annähernd das beschreibt, was damals tatsächlich passiert ist, dann stellt sich die Frage: Würde ein dogmatischer Vegetarier solch eine Anweisung geben?

Aus Sicht des Guru Granth Sahib lässt sich folgende Orientierung ableiten: Solange es genügend andere Dinge zu essen gibt, ist es unnötig, Lebewesen wie Ziegen, Schweine, Krabben, Fische, Hunde oder Rinder zu töten, um sich zu ernähren. Da wir in den materiell hoch entwickelten Ländern mehr als genug zu essen haben, müssen wir nicht noch zusätzlich Tiere töten. Dies ist auch im Hinblick auf Massentierhaltung und genmanipuliertes Futter von Nöten. Offizielle Statistiken zeigen, dass der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren stark gestiegen ist. Wurden 1950 noch etwa 26 kg Fleisch pro Kopf verzehrt, sind es 2004 in Deutschland über 60 kg (Quelle: DFV 2005). Würden die Menschen in den reichen Ländern nur etwas weniger Fleisch essen, könnten “untierische” Verhältnisse wie Massentierhaltung verringert, wenn nicht sogar beseitigt werden. Überdies hätte dies einen positiven Effekt auf die Umwelt, indem etwa Wasser eingespart werden könnte. Auch könnten durch einen maßvolleren Fleischverzehr  gesundheitliche Fehlentwicklungen vermieden und so Gesundheitskosten eingespart werden.

Wie sollten Bücher über die Sikh-Religion in Bibliotheken eingruppiert werden?
Ein Buch welches das Thema Sikh-Religion oder Sikh-Geschichte behandelt, sollte in Bibliotheken und im Fachhandel korrekterweise unter "Weltreligionen" abgelegt werden. Die Sachgruppe sollte “Sikh-Religion (Sikhi)” lauten. Die Sikh-Religion (Sikhi lautet das Wort im Original) ist eine anerkannte Weltreligion mit mehr als 20 Millionen Anhängern weltweit. Nach dem Christentum, Islam, Hinduismus und dem Buddhismus, zählt sie zur fünft größten organisierten Religion der Welt. Leider werden Werke der Sikh-Religion oftmals falsch eingeordnet, da deren Inhalte und Ursprung nicht ausreichend bekannt sind. So findet man wahlweise Bücher über Sikhs unter Religion, Volksreligion, Spiritualität, Hinduismus, Islam usw.

Warum heißen manche Hindus auch “Singh”?
Einige Rajputen, die sich als Nachfahren des Kriegeradels der Kashatriya sehen, heißen mit Nachnamen “Sinh” (mit Nasal). So zum Beispiel der ehemalige indische Außenminister Natwar “Singh”. Dabei fällt auf, dass bei der englischen Schreibweise überraschenderweise “Singh” verwendet wird und nicht “Sinh”, obwohl sich die jeweilige Schreibweise und Aussprache in der Originalsprache unterscheidet. Singh ist der Nachname männlicher Sikhs und drückt Gleicheit und Brüderlichkeit aus.

Woher stammen die Verse, die vor und nach der Ardas gesungen werden?
Vor der Ardas werden traditionsgemäß folgende Verse aus dem Sukhmani von Guru Arjan gesungen: “Tu thakur tum pae Ardas. Jio pind sabh teri ras. Tum mat pita ham bark tere ... Nanak das sada kurbani” (GGS, S. 268, M. 5). Guru Arjan sagt hier: “Dir mein Schöpfer, gehört mein Gebet. Meine Seele und mein Körper gehören allesamt Dir. Bist unsere Mutter und unser Vater, wir Deine Kinder. ...”

Nach dem Abschlussgebet wird folgender Vers gemeinsam gesungen: “Agea bhei akal ki tbai chlaeo panth. ... ja ka hirda sudh hai khoj shabad main leh” (warum aber “jo bhrab ko melbo chai khoj shabad main leh” gesungen wird, konnten wir nicht herausfinden). Diese Zeilen befinden sich im sogenannten Dasam Granth, S. 248, Sri Mukh Wak Patschahi 10. Dann kommt folgender Vers von Bhai Nand Lal: “Raj karega Khalsa ... bachai scharan jo hoe” (Rahitnama Bhai Nand Lal und Giani Gian Singh, Sri Guru Path Parkash, S. 353). In den ersten Versen geht es um die Stellung des GGS. Dieser ist demnach der alleinige Guru der Sikhs. Der zweite Vers besingt die glorreiche Stellung des Khalsa. Manche singen dann noch “Waheguru naam jahaz hai ...”. Woher dieser Vers stammt, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Unklar bleibt, seit wann die tradition entstanden ist, Verse zu singen, die nicht aus dem GGS stammen.

Behörden akzeptieren Nachnamen Singh bzw. Kaur nicht. Was kann man tun?
Wir haben folgendes Problem: Die Behörden akzeptieren es nicht, dass in unserer Familie mein Mann und Sohn den Familiennamen“ Singh“ und meine „Tochter“ und ich den Nachnamen Kaur annehmen. Freunde von uns haben ein ähnliches Problem. Sie möchten ihre alten Namenszusätze (Got), die ihre Eltern aus Unwissenheit an die gemeinsamen Familiennamen angefügt haben, streichen. Gibt es vielleicht Leute, die in jüngerer Zeit erfolgreich die Sikh-Namen anerkannt bekommen haben? Bei uns hat das zuständige Standesamt folgendes geschrieben: "Die gewünschte Namensführung "Singh" ist derzeit nicht möglich, da Singh als Namenszusatz und nicht als Name anzusehen ist." Können wir Sikhs nicht zusammen gegen diese Bestimmung angehen?

Das deutsche Namensrecht sieht im Bürgerlichen Gesetzbuch vor, dass alle Kinder von einem verheirateten Paar den gleichen Nachnamen annehmen. In der Sikh-Religion, bei der es sich um die fünftgrößte Weltreligion handelt, ist es eine jahrhundertealte Tradition, dass praktizierende Sikhs ihren Kindern einen gemeinsamen geschlechtsgebundenen Nachnamen weitergeben. Mädchen und Frauen heißen mit Nachnamen “Kaur” (Prinzessin), Jungen und Männer “Singh” (Löwe). Die gemeinsamen Nachnamen sind ausgehend vom Begründer dieser Namenstradition, dem zehnten und letzten Guru Gobind Singh, kein Namenszusatz, sondern der Familienname. Hintergrund ist, dass die Sikh-Religion den gemeinsamen Ursprung und die Einheit aller Menschen betont und das Kastensystem oder andere Formen von sozialen Einstufungen (entlang des Namens) ablehnt. Gleichzeitig zeigen die jeweils unterschiedlichen Nachnamen für Mann und Frau, dass beide ihre geschlechtsspezifischen Eigenschaften respektieren sich gegenseitig ergänzen. Guru Gobind Rai selbst hat sich nach seiner Taufe im Jahre 1699 ausschließlich Guru Gobind Singh genannt. Seine Söhne und die Fünf Geliebten der historischen Taufe hießen ebenfalls nur Singh mit Nachnamen, seine Frau Kaur. Somit ist ersichtlich, dass diese Namenstradition ein wichtiger Bestandteil des Sikhs seit dem 17. Jahrhundert ist. Es ist für einen praktizierenden Sikh demgemäß unangemessen, den gemeinsamen Nachnamen nicht anzunehmen.

In Deutschland trifft nun die bestehende Gesetzgebung auf die Namenstradition der Sikhs. Dabei können vielerlei Probleme auftreten. Bei manchen Sikhs aus Indien wird im Pass nur ein Name geführt. Es wird kein Familienname unterschieden. Bei anderen ist ein Zusatz zu Singh und Kaur angefügt wie bspw. Bedi oder Dhillon, der die Klanzugehörigkeit erkennen lässt (Got). Diese Zusatznamen entstammen oft der indischen Bürokratie, die von den britischen Kolonisatoren eingeführt wurden. Im Zuge der Gründung Indiens 1947 wurden Formulare entwickelt, die z.T. gezielt die Kaste bzw. die Klanzugehörigkeit  abfragen. Entsprechend haben auch Sikhs angefangen, ihre vermeintliche Klanzugehörigkeit auszuweisen, obwohl es im Widerspruch zur Religion steht. Gerade weniger gebildete Sikhs waren sich über die Langzeitfolgen der Namenszusätze in offiziellen Dokumenten nicht wirklich im Klaren. Hingegen haben bewusst praktizierende Sikhs schon immer Wert darauf gelegt, dass nur Singh bzw. Kaur als Nachnamen registriert werden.

Problematisch ist in der Regel nicht die Anerkennung von Vornamen. Hier kann es vorkommen, dass die Behörde wissen möchte, ob es sich wirklich um einen Namen handelt. Nachweise über das Internet, wodurch hervorgeht, dass andere Personen den gewünschten Vornamen bereits tragen oder Auszüge aus der Heiligen Schrift, dem Guru Granth Sahib, die den Namen enthalten, reichen in der Regel aus. Auch die Anerkennung von Singh und Kaur als Nachname ist in der Regel nach entsprechender Erläuterung ohne größere Probleme verbunden. Nur wenige Behörden bestehen darauf, dass Singh und Kaur lediglich Namenszusätze sind. Ein Grund ist, dass die Eltern sich nicht angemessen erklären können und nicht alle Behörden die Tradition der Sikhs genauer kennen. Auch die Namensgebung beim ersten Kind ist unproblematisch. Das Hauptproblem beginnt beim zweiten Kind. Ist das erste Kind ein Mädchen, bekommt es traditionell den Nachnamen Kaur. Wird nun aber ein Junge in dieselbe Familie geboren, muss dieser den Familiennamen annehmen, der erstmalig festgeschrieben wurde, also Kaur. Das Gleiche gilt für den umgekehrten Fall. Beides ist aus Sicht der Sikhs genauso inakzeptabel, wie die Benennung eines Jungen mit dem Namen Sarah oder eines Mädchens mit dem Namen Thorsten. Diese unpassende Benennung kann zu Identitätsproblemen und Hänseleien führen. Leider tragen inzwischen einige Sikhs in westlichen Ländern den falschen Nachnamen, weil die Behörden es so vorgeschrieben haben. Um das Problem der unterschiedlichen Nachnamen in der Sikh-Religion grundsätzlich zu lösen, müsste man genauer prüfen, inwieweit es Spielräume im bestehenden Gesetzeswerk gibt bzw. ob eine Änderung des bestehenden Namensrechtes erwirkt werden könnte.

Alternativ könnte als Kompromiss ein neuer gemeinsamer Familienname wie bspw. “Khalsa” ausgehend von der Sikh-Tradition gefunden werden. Eine schöne Variante wäre, einen Nachnamen bestehend aus mit einem Wort aus der Heiligen Schrift zu bestimmen. So könnte eine Sikh Pritam Kaur “Sat” oder „Nirmal“ heißen. Es könnte auch der Name des Geburtsortes der Frau oder des Mannes verwendet werden, bspw. Jagbir Singh Moranwale (die aus dem Dorf Moran stammenden). Was gemäß der Sikh-Religion immer zu vermeiden ist, sind Klan- oder Kastennamen wie Gill, Dhillon, Bedi oder Saini. Bei Vergabe eines neuen gemeinsamen Nachnamens würden Singh und Kaur zu Zusätzen zum Vornamen. Hierzu ist eine Namensänderung notwendig. Die gesetzlichen Grundlagen sind hier andere als bei der Namensgebung bei der Geburt. Für eine Änderung müssen wichtige Gründe angegeben werden. Religiöse Gründe können anerkannt werden. Aufgrund der oben beschriebenen Probleme sollte es für jede Behörde einsichtig sein, warum Sikhs diesen Lösungsweg, der bereits einen Kompromiss darstellt, einschlagen. Mit einem Schreiben, welches die religiösen Gründe erläutert, sollte man rechtzeitig in dem jeweils zuständigen Amt vorstellig werden. Eine Namensänderung ist mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Die Höhe wird von der Behörde festgesetzt. Da Sikhs in manchen Fällen kaum eine andere Wahl haben, als diesen Weg zu beschreiten, wäre eine wohlwollende und kostengünstige Entscheidung sehr begrüßenswert.

Hinweis: Die hier aufgeführte Antwort darf Behörden gerne als Erklärung vorgelegt werden.
Quelle: www.sikh-religion.de/html/faq.html#BehoerdeName
Das Sikh-Forum ist ein unabhängiges Informationsportal über die Sikh-Religion.

Gibt es Gebetsstätten (Gurdwara) von Sikhs in Deutschland oder Europa?
In vielen großen Städten in Deutschland und in Europa gibt es religiöse Schulstätten von Sikhs. Meistens sind sie nicht direkt als solche zu erkennen, weil bestehende Räumlichkeiten angemietet oder gekauft wurden. Es gibt kaum selbst gebaute Gurdwara mit spezifischer Architektur im deutschsprachrigen Raum. Einen Gurdwara erkennt man an dem sogenannten Nishan Sahib. Dies ist eine sonnenblumenfarbige Flagge, versehen mit dem Symbol des Khalsa - dem Khanda Kirpan (ein doppelschneidiges Schwert, ein Kreis und zwei Schwerter).

Welche Bedeutung hat das Symbol mit dem Kreis und den Schwertern?
Das Symbol Khanda Kirpan ist im Verlaufe der Verteidigungskriege der Sikhs, insbesondere seit Bestehen der Khalsa-Bruderschaft, populär geworden. Die Ursprünge gehen wohl auf den sechsten Guru Hargobind zurück, der die Flagge nach Errichtung des Akal Takhat 1606 hisste. Sie wurde Akal dhuja (unsterbliche Flagge) oder Satguru ka nishan (Flagge der göttlichen Weisheit) genannt.

Jedes Element stellt eine Waffe dar, die im Kampf zum Einsatz kam. Das doppelschneidige Schwert Khanda galt als Markenzeichen des Khalsa. Es steht unter anderem für die Einzigartigkeit und Einheit  der Schöpfung. Der Kreis, genannt Chakar, symbolisiert die Unendlichkeit allen Seins. Er diente als Schutz gegen Schwerthiebe und wurde über den Turban getragen. Der aus Eisen bestehende Kreis konnte aber auch als Wurfgeschoss eingesetzt werden. Die zwei Krummschwerter Kirpan (von Kirpa, Gnade) kamen zum Teil parallel zum Kampfeinsatz. Und zwar jeweils eines pro Hand. Nur besonders geschulte Kämpfer, vor allem Nihang, waren und sind mit dieser Technik, die auch in der Kampfkunst Gatka Verwendung findet, vertraut. Die zwei Schwerter symbolisieren die Balance von Religiosität und Weltlichkeit. Zudem findet hier der Gedanke Ausdruck, dass Waffen nur als letzes Mittel unter besonderer Verantwortung zum Einsatz kommen. Und zwar zum Wohle des Menschen. So wie beispielsweise ein Skalpell eines Chirurgen.

Das Wort Khanda entstammt dem Gurbani Wort für Schwert Khaddag. Dort wird das Schwert immer symbolisch verwendet, nämlich als Schwert der göttlichen Weisheit “Gian Khaddag”, welches den Egoismus und die Blindheit des Menschen wegfegt (GGS, S. 235, M. 4; GGS, S. 1414, M. 3). Daher bezieht sich der Khanda oder auch der kleine Dolch, den getaufte Sikhs tragen, primär nicht auf weltliche Dinge wie Verteidigungskämpfe, sondern auf den inneren Kampf mit den eigenen Niederungen. Und dies ist eine Angelegenheit auf Messers Schneide: “Kaneo tikhee vaalahu nikee eet maarag jaanaa...” (GGS, S. 918. M. 3; GGS, S. 794, Shekh Farid). Das doppelschneidige Schwert symbolisiert die Herausforderung eindrücklich. Sikh-Sein bedeutet gerade, die Balance zu halten; religiös zu sein und gleichzeitig spsiale Verantwortung zu übernehmen, heldenhaft zu sein, gleichzeitig demütig zu sein; hart zu sein, gleichzeitig nachgiebig zu sein - wie etwa ein Bambus. Das Symbol Khanda Kirpan erinnert an diese tägliche Herausforderung.

Gibt es eine deutsche Übersetzung des Guru Granth Sahib?
Es liegt inzwischen eine erste komplette Übersetzung des Guru Granth Sahib (GGS) in deutscher Sprache vor, die in Kanada von Dr. Jarnail Singh erarbeitet wurde. Hierfür gebührt ihm grundsätzlich Respekt. Die Übersetzung folgt einer wörtlichen Übersetzungstradition. Die Übersetzung weist grobe inhaltliche, sprachliche und grammatikalische Mängel auf. Ein Beispiel:

Die ersten Worte des GGS, die für die Einheit und Unendlichkeit der Schöpfung stehen, werden mit “Der Einzige Purusha (Mensch) übersetzt.” Teilweise ist die Rede von “Engeln”, “apostolischer Sitz” und “Nanak predigte das Evangelium”. Dies hat in keinster Weise etwas mit dem Inhalt des Originals gemein und ist letzlich eine Christianisierung des GGS.

Der Autor, der laut Aussagen von Sikh-Vertretern aus Kanada weder fließend Deutsch noch andere Fremdsprachen spricht, hat für seine Arbeit angeblich Übersetzungsprogramme zur Hilfe genommen. Es verwundert sehr, dass für die Übersetzung einer derart komplexen und poetisch ausgefeilten religiösen Schrift Computerprogramme als Grundlage verwendet worden sein sollen. Der Autor, der den GGS parallel auch ins Französische übersetzt hat, plant nun den GGS auf Spanisch zu übersetzen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass nur sehr wenige fundierte Erläuterungen und Übersetzungen des GGS vorhanden sind. Umfangreiche Passagen auf Deutsch sind in einigen wenigen Publikationen erhältlich, so zum Beispiel im Buch “Leben aus der Wahrheit - Texte aus der heiligen Schrift der Sikhs” von Monika Thiel-Horstmann, erschienen im Benziger Verlag in Zürich im Jahre 1988. Das Buch ist allerdings vergriffen und kann daher nur an Universitätsbibliotheken ausgeliehen werden.

Diverse englische Übersetzungen wie “Sikhi To The Max” sind vorhanden und können kostenlos heruntergeladen werden. Es ist wichtig zu wissen, dass die existierenden (englischen) Übersetzungen eine hilfreiche Grundlage bilden, aber letztlich nur eine Annäherung an das Original darstellen. Sie enthalten Fehlauslegungen und geben daher nicht immer den Inhalt auf eine angemessene Art und Weise wieder. Erstaunlich ist, dass bei allen Übersetzungen das Schöpferwesen - entgegen dem Original - immer männlich ist.

Wenn der GGS seiner Weisheit und poetischen Schönheit entsprechend übersetzt werden soll, dann muss es sich in jedem Fall um eine direkte Übersetzungen aus den Originalschriften handeln. Eine Übersetzung ausgehend von einer bestehenden Übersetzung kann nur ein inakzeptables Ergebnis bringen. Eine angemessene Übersetzung setzt Teamgeist voraus. So müssten vorbildliche Sikhs, die sich seit ihrer Kindheit eingehend mit dem Guru Granth Sahib und Sikhi in all ihren Facetten beschäftigen, gemeinsam mit dichterisch begabten Sikhs, die auch die jeweilige Zielsprache beherrschen, an eine Übersetzung heran wagen. In jedem Fall ist keine Übersetzung einer Schlechten vorzuziehen.

Gibt es Literatur über die Sikh-Religion in deutscher Sprache?
Es ist nur sehr wenig empfehlenswerte Literatur in deutscher Sprache vorhanden. Englische Werke kann man im Internet bestellen oder auch in Universitätsbibliotheken bekommen. Eine etwas größere Auswahl bietet das Südasien-Institut in Heidelberg sowie die Universitäten Tübingen und Berlin. Allerdings basieren nur die wenigsten verfügbaren Publikationen auf den Einsichten des Guru Granth Sahib. Es gibt vom Ernst Klett Verlag eine Indien-Mappe mit Begleit CD-ROM (Videos zu Musik, Tanz, TV und Kirtan) für den Schulunterricht. Es handelt sich um eine “Materialsammlung, die das Interesse an Indien weckt, bestehende Klischees revidiert, Achtung und Respekt vor künstlerischen und technischen Errungenschaften Indiens fördert und Indien bezogene Themen mit der Lebenswelt der Schüler in Verbindung bringt.” Darin findet sich auf den Seiten 125-126 ein Kapitel über die Sikh-Religion. Die Mappe heißt “Indien - Wege zum besseren Verstehen” und kann über den Ernst Klett Verlag online bestellt werden (Bestellnummer 978-3-623-20400-0 bzw. 3-623-20400-5). Vom Stark Verlag gibt es Material für den Englischunterricht: “Unterrichts-Konzepte Englisch - Literatur; Ergänzung 17 der Loseblattsammlung KE71-17.” Hier werden anhand des Films “Bend it like Beckham” Einblicke in die Lebenswelt der Inder in Großbritannien gewährt. Es gibt darunter spezielle Module zum Thema Sikhs.

Wie kann ich ein Sikh werden?
Jeder Mensch kann ein Sikh werden. Da Sikh-Sein eine grundlegende Lebenshaltung ist und keine formelle Zugehörigkeit, wird in der Sikhi  kein Wert auf eine rituelle Zeremonie gelegt. Entsprechend gibt es in der Sikh-Tradition auch kein bestimmtes Alter, in dem man konvertieren sollte. Ein Mensch wird dann ein Sikh, wenn er die Tugenden eines Sikhs im Alltag mit Hingabe und Demut lebt und vorherige Glaubensvorstellungen und Praktiken hinter sich lässt. Nur weil ein Kind in eine Sikh-Familie hinein geboren wurde, ist es aus Sicht der Begründer kein Sikh. Man mag vielleicht einen Sikh-Namen oder ungeschnittene Haare tragen, weil es die Eltern wollen oder weil es Gewohnheit geworden ist. Aber Sikh-Sein ist immer ein bewusster Akt. Die Gurus betonen immer wieder, dass man ein Sikh nur durch die bewusste Hingabe an zeitlosen Weisheiten wird: Sikhi sikhea gur wichar (GGS, S. 465, M. 1).

Wenn Menschen intensiv daran denken, Sikhs zu werden, sollte sie sich sehr bewusst Gedanken über die praktischen und sozialen Konsequenzen machen. Die Unterstützung der Familie ist sicherlich eine wichtige Stütze. Wichtig ist, dass so ein Schritt in Ruhe begangen wird. Es sollte nichts überstürzt werden und man sollte es schon gar nicht für jemand anders tun (zum Beispiel, um jemanden heiraten zu können oder ähnliches). Eine gefestigte innere Einstellung ist das Wichtigste.

Im Rahmen der Vorbereitung ist es sehr empfehlenswert, wenn man aufmerksam alle Beiträge auf dieser Website durchliest und persönlich mit einem vorbildlichen Sikh spricht. Hierbei ist wichtig, dass man alle offenen Fragen anspricht und dann in sich geht und darüber nachsinnt, ob man bereit ist für den Schritt der Konvertierung. Wir können auf Wunsch bei der Vermittlung von persönlichen Kontakten helfen.

Am wichtigsten ist, bestmöglich zu versuchen, die Lebensweise eines Sikhs, wie sie im Guru Granth Sahib beschrieben ist, im Alltag zu leben. Hierzu zählt vor allem das Leben göttlicher Tugenden. Besonders wichtig hierfür sind die Rezitation und vor allem das Verstehen der Verse des GGS. Dafür ist langfristig das Erlernen von Panjabi und der Gurmukhi-Schrift notwendig. Die Zuhilfenahme von Übersetzungen ist hilfreich, birgt aber auch Gefahren. Aus sozialer Sicht ist der ehrliche Verdienst des Lebensunterhalts wichtig und gemeinnützige Aktivitäten. Als Sikh sollte man zu einer Haltung kommen, bei der man keinen Drang (mehr) hat, Dinge zu konsumieren, die den Geist und Körper schädigen. Hierzu zählen alle Inhalte, die den Menschen an die vergängliche materielle Welt binden sowie Drogen (also auch Alkohol), Tabak und Zigaretten. Traditionell wird geschächtetes Fleisch gemieden, um zu vermeiden, dass Tiere unnötig leiden.

Wichtig ist, dass all dies nicht als Zwang erlebt wird. Eine Sikh kommt durch Einsicht und geistige Entwicklung zu dem Punkt, wo sie sagt: “Ich MÖCHTE ein ganzheitliches und natürliches Leben führen, um mich seelisch entwickeln zu können. Die bloße Einhaltung von Geboten und äußeren Dingen ohne innere Überzeugung ist das Gegenteil von Sikh-Sein.

Wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum die oben beschriebene Lebensweise mit allen sozialen Konsequenzen gelebt hat, kann er oder sie sich freiwillig taufen lassen, sofern dieser Wunsch besteht. Die Taufe ist für die Sikhs gedacht, die Teil der Khalsa-Bruderschaft werden wollen. Taufen werden in Europa, auch im deutschsprachigem Raum unregelmäßig in verschiedenen Gurdwara durchgeführt. Es ist von Vorteil, wenn man die Sikhs persönlich kennt, die einen taufen. Sie sollten über einen edlen Charakter und eine aufrichtige Lebensweise verfügen.

Folgendes Buch bietet hilfreiche Gedanken für Menschen, die die Lebensweise der Sikhi annehmen möchten: I. J. Singh 2003. Being and Becoming a Sikh. Toronto: The Centennial Foundation. Das Buch kann man direkt bei der Stiftung bestellen: www.centennialfoundation.org

Wenn ich eine Sikh werde, wie verhält es sich mit feiern, Gebet und den Haaren?
Liebes Sikh-Forum Team! Mein Name ist Franziska und ich bin fast 18 Jahre alt. Eigentlich bin ich katholisch erzogen worden, aber in letzter Zeit habe ich einige Zweifel, dass diese Religion wirklich die ist, an die ich auch glaube. Aus diesem Grund bin ich auf der Suche nach einer Religion, die mich mehr...."zufrieden stellt/befriedigt", das ausdrückt, was ich auch glaube. So bin ich auf eure Seite gekommen. Nun habe ich einige Fragen zu dem Sikhismus und ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr sie mir beantworten könntet:

  • Beim Sikhismus betet man ja zu Gott. Gibt es eine bestimmt Zeit, wann man das machen muss?
  • Ich habe gelesen, dass man Gott im Gebet eigentlich nur danken sollte und nichts materielles "wünschen" darf. Darf man trotzdem beim Gebet um Hilfe, geistigen Beistand, Rückhalt beten, wenn es einen erleichtert und allein schon das Gebet einen gewissen Rückhalt gibt (der Rückhalt, da man weiß, dass man nicht alleine ist)?
  • Muss man als Frau eine Kopfbedeckung tragen?
  • Darf man, wenn man dem Sikhismus beigetreten ist, weiterhin alle Art von Musik hören und feiern gehen (dabei muss ja nicht getrunken werden)?
  • Muss eine Frau, die dem Sikhismus angehört auch ihre Haare wachsen lassen? Ist es erlaubt, die Haare zu Färben (oder ähnliches), wenn man sich so besser fühlt?
  • Ich habe gelesen, dass der Guru Granth Sahib in Gurmukhi bzw. Panjabi verfasst ist. Heißt das, ich muss Panjabi lernen, um ihn verstehen zu können?
  • In welcher Sprache finden die Treffen im Gurdwara statt?
    Vielen Dank schon mal im Voraus! MFG Franziska

Antworten:

  • In der Sikhi geht es nicht um “müssen”, sondern um wollen. Als Sikh betet man, wann immer man will und kann. Für die Sikh-Gemeinschaft gilt das Gebot, möglichst morgens, wenn es noch ruhig und weniger hektisch ist, sowie abends, wenn der Tag am ausklingen ist, zu beten. Dabei geht es vor allem darum, den Alltag hinter sich zu lassen und die Rezitation zu verinnerlichen, damit die Inhalte auf den Alltag übertragen werden können. Wichtig ist auch Kirtan, weil das ein sehr gefühlsbetonter Zugang zu Gebet ist.
  • Natürlich kann man um Beistand beten. Gebet bedeutet Kommunikation, Austausch, Verbindung und vor allem Ausdruck des Vertrauens in die Schöpfung. Alles, was einem beim Gebet wirklich gut tut ist, sinnvoll. Neben dem Gebet ist die stille Innenschau eine wichtige Form der Besinnung. Denn dies ist die einzige Möglichkeit, einmal ganz ruhig in sich zu gehen und zu versuchen, nicht ständig körperlich oder gedanklich weltlichen Dingen nachzugehen.
  • Es ist Deine freiwillige Entscheidung, ob Du deinen Kopf bedecken möchtest. Wichtig ist zunächst, die Tugenden zu entwickeln, die zu einer Sikh-Frau passen. Das entsprechende Erscheinungsbild wird dann später mehr wie von selbst folgen.
  • Auf jeden Fall darf frau jede Art von Musik hören. Sikh-Sein bedeutet offen zu sein für alles wahrhaft Schöne dieser Welt. Wichtig ist, dass man Dinge meidet, die den Körper, die Seele und den Geist schädigen (Drogen, Alkohol, Zigaretten, aggressiv machende Musik etc.). Dabei geht es als Sikh immer darum, die innere und äußere Balance zu wahren.
  • Ob Du deine Haare zukünftig bewahren möchtest, musst Du für Dich entscheiden. Sikhi basiert auf Freiwilligkeit und Einsicht in universelle Weisheiten, wie sie beispielsweise im Guru Granth Sahib (GGS) beschrieben sind. Sikhs versuchen möglichst natürlich zu bleiben. Aber wenn die Natur einmal zu sehr ausschlägt, muss jeder für sich entscheiden, was nun zu tun ist. Sikh-Frauen, die Sikhi mit Liebe leben, schneiden oder färben für gewöhnlich ihr Haar nicht. Es kommt aber durchaus vor, dass sich hingebungsvolle Sikh-Frauen, die einen sehr starken Haarwuchs (im Gesicht) haben, die Haare bleichen. Man kann dies damit vergleichen, wenn man ganz schiefe und hervorstehende Zähne hat. Hier würde ein Sikh auch nicht sagen, dass er oder sie keine Klammer tragen möchte. Wichtig ist also, dass man dem Grundprinzip von Natürlichkeit treu bleibt aber handelt, wenn dies wirklich (medizinisch) notwendig ist. Die heutzutage verbreitete Einstellung, sofort an seinem Körper etwas zu ändern, wie etwa eine Busenvergrößerung, ist aus Sikh-Sicht kritisch zu sehen. Denn dies geschieht vor allem deswegen, weil man vermeintlich so sein will wie die Anderen. Gleichzeitig will jeder individuell sein; dies ist das Paradox der heutigen Zeit. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass die sich die Ideale von Schönheit bzw. Hässlichkeit ständig verändern: von dünn zu mollig, zu behaart, zu enthaart, zu gepierct und immer so weiter. Der verbreitete Gruppenzwang und Vergleichswahn ist schädlich für die Entwicklung des Menschen. Jeder Mensch ist einzigartig und Dank kann der Schöpferin dadurch ausgedrückt werden, diese Einzigartigkeit zu respektieren und mit Freude zu leben. Als Sikh geht es darum, in seiner Natürlichkeit zu ruhen und sich nicht von schnell lebigen Vorstellungen beeinflussen zu lassen.
  • Es wäre sehr wünschenswert, wenn man Panjabi und die Gurmukhi Schrift beherrscht. Denn es ist nie gut, wenn  man sich auf Übersetzungen verlassen muss. Es ist dennoch  sehr hilfreich, englische Übersetzungen zu Hilfe zu nehmen - auch wenn diese nicht immer sehr akkurat sind. Leider gibt es nur wenige brauchbare deutsche Übersetzungen.
  • Die Treffen finden in den Gurdwara fast nur auf Panjabi statt. Es gibt inzwischen aber einen Unterricht auf Deutsch in Frankfurt. Vor allem für die nachkommenden Generationen wird es zunehmend wichtig, sich mit Sikhi im Deutschen zu befassen.

Haben Sikhs ein geistliches Oberhaupt wie den Papst?
Die Sikh-Religion betont ein demokratisches Konzept, dass auf einem spirituellem Fundament basiert. Der Lehre nach gibt es keinen Oberhaupt. Der höchste Ratgeber für Sikhs ist die Schrift, also der Inhalt des GGS. Für weltliche Belange sollten vorbildliche Sikhs, die über einen edlen Charakter verfügen, zusammen kommen und im Konsens wichtige Entscheidungen zum Wohle der Menschheit treffen (Sarbatt Khalsa). Institutionen sollten daher auch immer von einer Panchait, also fünf Sikhs geleitet werden. Die Gurus haben immer betont, dass die Basis des Lebens und somit auch für weltliche Entscheidungen göttliche Weisheit und Vertrauen auf Gott sind. Politische (weltliche) Entscheidungen müssen daher dem Ideal nach immer religiöser Inspiration entstammen, um Egoismus und Machtgier Einhalt zu gebieten.

In den letzten Jahrhunderten, vor allem seit dem die Briten als Kolonisatoren den Panjab kontrollierten, ist den Vorstehern (die Briten setzten sogenannte Sarbrah ein, heute dominiert der Begriff Granthi) wichtiger Gurdwara im Panjab immer mehr Macht zuteil geworden. Der Vorsteher des Akal Takhat (bzw. seine Kollegen aus der S.G.P.C. und der Akali Dal), der sogenannte Jathedar, versucht mittlerweile die Rolle eines Papstes einzunehmen. Dabei dominieren immer mehr machtpolitische Inhalte die Tagesordnung, religiöse und gemeinschaftliche Belange werden immer seltener besprochen und wenn, dann basieren sie in der Regel nicht mehr auf den Lehren des GGS. Dies liegt auch daran, dass der Jathedar ausschließlich von Vertretern der S.G.P.C. bestimmt wird. Die letzten Vorsteher waren allesamt in jeglicher Hinsicht komplett ungebildet. Seit einigen Jahren ist es sogar so, dass immer wieder Sikhs vermeintlich ‘exkommuniziert’ werden, die sich kritisch über die Rolle des Akal Takhat oder zweifelhafte religiöse Praktiken, Gebetsauslegungen sowie historische Deutungen äußern. Jüngstes Beispiel dieser Unpraxis, die es zu Zeiten der Gurus nie gegeben hat, ist die ‘Exkommunikation’ von Gurbakhsh Singh Kala Afghana und dem Herausgeber des Spokesman. Es sei daran erinnert, dass es unter den Gurus nie eine ‘unhinterfragbare’ Position des Jathedar (mit heutigen, autoritär erscheinenden Kompetenzen) gegeben hat. Es gab vielmehr Sewadar, also hingebungsvolle Sikhs, die ihren Lebensunterhalt gemäß den Lehren durch tägliche Arbeit verdienten und sich in ihrer freien Zeit um religiöse oder gemeinschaftliche Angelegenheiten kümmerten. Auch hat es zu Zeiten der Gurus keine bezahlten Granthi (Priester) gegeben. Die Gurus kritisieren in zahlreichen Versen religiöse Ämter (die durch Almosen und Spenden finanziert werden), wie sie zum Beispiel Brahmanen ausübten (GGS, S. 471, M. 1).

Sikhs werden wegen ihres Aussehens gehänselt. Was kann man tun?
Guten Abend,
Darf ein Sikh-Vater seinem Sohn verbieten, sich die Haare schneiden zu lassen? Oder anders gefragt, wie wichtig ist oder kann der Zopf für einen Sikh sein? In dem Fall geht es um zwei Jungen im Alter von 6 und 9 Jahren. Beide wollen ihre Zöpfe loswerden, weil sie für Mädchen gehalten und deswegen ständig gehänselt werden. Den Älteren, ein begeisterter und wohl auch guter Fußballer, stört der Zopf nicht nur im Training oder im Spiel, wenn er einen Kopfball landen will. Beide habe ich auch im Schwimmbad herumtoben sehen und wie sie permanent von anderen Kindern neugierig angesprochen wurden, was eigentlich nicht weiter schlimm ist. Doch wenn alle Blicke auf den einen oder anderen Bruder gerichtet sind, während einer von den beiden sich gerade mal wieder den herunterhängenden Zopf versucht auf den Kopf zu fummeln, dann scheint das ganz gewaltig zu nerven. Der kleinere von den beiden reagiert teilweise aggressiv und greift unvermittelt irgendein Kind an.
Für einen guten Rat vielen Dank im Voraus.
Mfg. Politycki

Sikh-Eltern, die ihre Religion ernst nehmen, bewahren die Haare ihrer Kinder. Sie werden den Kindern bereits im Kindesalter die ganzheitliche Lebensweise eines Sikhs mit Offenheit und Liebe näher bringen und religiöse Einsichten behutsam erklären. Wenn die Kinder erwachsen werden, beginnen sie oft, Gelerntes zu hinterfragen. Bestand können dann nur Einsichten haben, die überzeugend und schlüssig sind. Zentral ist daher, den Kindern eine Orientierung mitzugeben, die vor allem von inneren Werten lebt und nicht primär von Äußerlichkeiten.

Im vorliegenden Fall erscheint es so, als verfügten weder Eltern noch Kinder über eine religiöse Grundbildung. Denn eigentlich sind Zöpfe eher etwas für ganz kleine Kinder. So ist es im Panjab durchaus üblich, auch kleinen Jungs Zöpfe zu flechten. Im Panjab würde sich keiner wundern, warum ein Junge Zöpfe trägt. Leider scheint der Vater sich aber nicht darüber bewusst zu sein, dass in Deutschland Zöpfe bei Jungs komisch wirken können. Zöpfe bei Jungs flechtet man zudem wenn überhaupt nur solange, bis die Haare für einen Knoten auf dem Kopf zu kurz sind. Die zwei Jungs sind längst in dem Alter, wo sie einen Dutt binden könnten. Das ältere Kind ist schon so groß, dass es einen Patka binden könnten. Damit kann man alles machen, was andere Kinder auch gerne machen: Schwimmen, Fußball spielen, etc. Vielleicht sollte man einmal diesen Vorschlag mit dem Vater der Kinder erörtern.

Natürlich kann es vorkommen, dass ein Patka auf manche Menschen fremd wirkt. Wichtig ist daher sich selbst eingehend mit der Religion zu beschäftigen. Dann ist man auch in der Lage, Nachbarn, Mitschülern und Lehrern zu erklären, was es mit den Haaren und vor allem mit den dahinter liegenden Werten auf sich hat (Flyer). Meistens helfen Erklärungen, Verständnis für eine spezifische Lebensweise zu wecken - vor allem wenn diese auf Tugendhaftigkeit beruht. Hilfreich ist auch, sich mit anderen Sikhs auszutauschen und zu fragen, welcher Lösungsweg bei ihnen erfolgreich war. Alleine lassen sich meistens solche Herausforderungen oft schwerer meistern.

Für religiöse Menschen ist es wichtig, dass sie sich nicht ohne weiteres von vergänglichen Oberflächlichkeiten beeinflussen lassen. Menschen denken oft, wenn sie sich äußerlich anpassen, würden sie automatisch akzeptiert. Ein Blick in die heutigen Gesellschaften zeigt, dass dies nicht zutrifft. Wie sollen sich bspw. Menschen mit einer dunklen Hautfarbe äußerlich anpassen, wenn sie an einem Ort leben, wo die Menschen zumeist eine helle Hautfarbe haben (oder umgekehrt)? Für einen Sikh gilt daher, sich gesellschaftlich aktiv einzubringen und dabei gleichzeitig seine Hauptaufgabe - spirituelle Erkenntnis - nicht aus den Augen zu verlieren.

Gibt es Bilder der Sikh-Gurus?
Es gibt weder erhaltenen Bilder der Gurus noch der Bhagat, die zu ihren Lebzeiten angefertigt wurden. Alle Bilder, die erhältlich sind, wurden erst später nach den jeweiligen Vorstellungen verschiedener Künstler, wie zum Beispiel Sobha Singh, angefertigt und haben wohl nur wenig mit dem realen Aussehen der Gurus und Bhagat zu tun. Die populärsten Bilder, die man in Büchern und auf fast allen Webseiten zur Sikh-Religion findet, verwenden Bilder, die die Gurus in einem islamischen Gewand zeigen (linkes Bild) oder sie als weltabgewandte Fromme fernab der Zivilisation darstellen (rechtes Bild: Blick nach oben; als wollte man ausdrücken, dass der Schöpfer im Himmel weile und nicht in der Schöpfung selbst). Alle existierenden Bilder sagen somit mehr über die Künstler und ihre jeweilige religiöse Orientierung aus, als über das Aussehen der Heiligen selbst. Auffällig ist, dass auch bei den ältesten vorliegenden Bildern, die vor einigen Jahrhunderten angefertigt wurden, die Gurus immer mit Turban und ungeschnittenem Bart zu sehen sind. Die Bhagat werden ebenso mit langem Haar gezeigt.

In Bezug auf Bilder lässt sich aus Sicht der Gurus folgendes sagen: Die Gurus selbst betonten, dass es in der Sikhi nicht um sie selbst, sondern um die Verinnerlichung von spirituellen Weisheiten geht. Die innere Erkenntnis steht im Vordergrund. Daher nennen sie sich auch nicht “Guru”. Es waren vielmehr ihre Anhänger, die sie aus Respekt als “Guru” bezeichneten. Die Würde des “Guru” steht für die Gründer von Sikhi allerdings immer für den Schöpfer und seine Weisheit. Da diese schriftlich im dem Werk Guru Granth Sahib (GGS) festgehalten wurden, spielen die Inhalte der Verse die zentrale Rolle in der Sikhi. Es geht also primär um die Tiefgründigkeit der Schrift (Shabad, Gurbani, bzw. Bani) und nicht um das vergängliche Äußere oder die körperlichen Gurus selbst: “Das Wort, Bani, ist Guru [Weisheit] und Guru ist Bani. In der Bani liegt der unsterbliche Nektar Amrit bereit” (GGS, S. 982, M. 4). Die Gurus oder Bhagat haben in ihren Originalschriften keine Bilder von sich angefügt. Bilder, die man in vielen Manuskripten findet, waren vielmehr ein künstlerischer Ausdruck von Bewunderern. Diese wurden von Schreibern, die Kopien anfertigten, im Nachhinein eingefügt.

Da gerade in Indien die Anbetung von Götterstatuen und bestimmten Menschen sehr verbreitet ist, gehen bewusste Sikhs sensibel mit dem Thema Bilder der Gurus um. Jedoch ist auch unter Sikhs die Anbetung von vermeintlichen Bildern der Gurus existent. Aus Sicht der Gurus scheint es eher unangemessen, Heiligenbilder anzufertigen und in Gurdwara anzubringen. Auch aus pädagogischen Gründen ist es sinnvoll, wenn keine Bilder zur Schau gestellt werden. Denn wenn kleine Kinder sehen, wie sich Erwachsene vor Bildern verbeugen oder diese gar ehrerbietig berühren, kann sich das auf das Verständnis von Sikhi nachteilig auswirken. In Ordnung ist, wenn Kinder sich Bildergeschichten der Gurus anschauen, da sie dadurch Inhalte einfacher erfassen. Hierbei ist wichtig, den Kindern altersgerecht zu erklären, wie die Bilder und Inhalte einzuordnen sind.

Wie verhalte ich mich als Besucher im Gurdwara?
Jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft darf einen Gurdwara besuchen. Wichtig ist, dass man eine Kopfbedeckung mitbringt (es gibt auch welche im Gurdwara); es sollte aber kein Hut oder eine Kappe sein. Ein Tuch oder Schal reicht völlig aus. Es sollten in keinem Fall Tabak (Zigaretten/Pfeife), Alkohol oder Drogen mit sich geführt werden. Auch ist es nicht angemessen, kurz vorher noch schnell eine zu rauchen oder Alkohol zu trinken, weil man dann (wie jeder weiß) danach riecht. Ansonsten gibt es nicht viel zu beachten. Jeder kann tragen was einem gefällt. Nur zu freizügig oder aufreizend sollte es nicht sein (offenes Hemd, ganz enge oder halbdurchsichtige Hose, Minirock oder großer Ausschnitt), denn schließlich möchte man vom Guru Granth Sahib lernen und nicht die Blicke der Mitmenschen auf sich ziehen. Frauen sitzen heutzutage in vielen Gurdwara auf der einen, Männer auf der anderen Seite. Es gibt allerdings keinen einleuchtenden Grund, warum diese trennende Praxis, die wohl erst in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden ist, aufrecht erhalten werden sollte. Wenn man rein kommt, zieht man sich die Schuhe und die Socken aus. Anschließend wäscht man sich die Hände und wenn möglich auch die Füße. Nach dem Betreten der eigentlichen Halle verbeugt man sich aus Respekt vor dem Guru Granth Sahib und setzt sich dann hin. Ob vorne oder hinten, ist den Besuchern selbst überlassen. Sikhs sitzen zumeist im Schneidersitz, aber dies ist kein Muss. Man sollte so sitzen, dass ein entspanntes Zuhören möglich ist.

Was für Gebete rezitieren Sikhs?
Prinzipiell kann jeder Sikh jeden beliebigen Vers aus dem GGS rezitieren. Eine gemeinschaftliche Festlegung gibt es lediglich für das Abend und Morgengebet. Laut der Sikh Rahit Maryada sollte ein getaufter Sikh, wenn möglich, morgens das Jap Ji, das Jaap und Twäparsad Sweye von “Saraawag sudh samuh” bis “Bhedh na paeo” rezitieren und abends So Dar, Rag Asa Mahala 1 (“So dar tera keha” bis “sarn pare ki rakho sarma”, dann Kabeobach Benti Tschopäi von “Hamri karo hath de racha” bis “duscht dokh te leo batchai”, dann Sweiya “Paen gähe jab” bis “sabh tohe bkhaneo” und Dohra “Sagal duar ko” bis “Gobind das tuhar”, die ersten fünf Paurris des Ramkli Mahala 3 - Anand von “Anand bhea” bis “tit ghar anhad waje” einschließlich der letzten Paurri “Anand suno wadbhagio” bis “waje anhand ture”, dann die Mudawni Mahala 5 von “Thal which tin” bis “sabh nanak bhram pasaro”, abschließend den Slok Mahala 5 “Tera kita jato nahin” bis “tan man tiwä harea”) und vor dem Einschlafen Sohila.

Wichtiger als das oft verbreitete ‘runterleiern’ der Gebete um der bloßen Pflicht (und des vermeintlich “schlechten Gewissens”) wegen ist das Verstehen und Verinnerlichen, sprich Leben der Gebete. Hierzu ist es hilfreich, sich jeden Tag einen neuen Vers auszusuchen und zu versuchen, diesen (mit Zuhilfenahme von Übersetzungen und Erläuterungen) zu verstehen und als Anleitung für das eigene Leben zu sehen.

Wo kann man Sachen aus dem Panjab einkaufen?
Stoff für Kleider (Salwar Kameeze), Turban sowie fertig geschneiderte Kleider können in Metropolen wie Frankfurt (Kaiserstraße, nähe Bahnhof) und Köln (Neumarkt) in diversen Panjabi Shops eingekauft werden. Dort erhält man auch Gewürze, Videos, CDs und vieles mehr.

Wo kann man Panjabi lernen?
Es gibt unserem Wissen nach keinen Panjabi-Sprachkurs in Deutschland. In einigen Gurdwara wird Unterricht an Sonntagen für Kinder angeboten, so zum Beispiel in Frankfurt. Es gibt zwei gute Lehrbücher mit Kassette, aber dafür sind gute Englischkenntnisse erforderlich:
Kalra, Surjit Singh; Navtej Kaur Purewal & Sue Tyson-Ward. Teach Yourself Panjabi. Preis: 9 Pfund (etwa 13 €). Eine Begleitkassette mit Sprachübungen ist ebenfalls erhältlich.
Bhardwaj, Mangat Rai. 1995. Colloquial Panjabi. A Complete Language Course. London/New York. Preis: $ 39.90 (etwa genau soviel €).
Im Internet gibt es verschiedenen Seiten
Lerneinheiten.

Welche Bedeutung hat die Turbanfarbe?
Die Farbe des Turbans (Dastar) hat keine besondere Bedeutung. Jeder Sikh nimmt die Farbe, die ihm oder ihr gefällt. Aus Sicht des GGS sind natürlich alle Farben gleich schön, das sie alle gleichermaßen aus der Schöpfung hervorgegangen sind. Es dominieren allerdings die Farben Blau und Schwarz. Ältere Sikhs tragen oft einen weißen Turban, dies symbolisiert in Südasien Weisheit und Erfahrung. Ein Turban ist in der Regel zwischen vier und sieben Meter lang und einen Meter breit. Es gibt ganz verschiedene Wickeltechniken, die unterschiedlich kunstvoll sind. Hier sehr ihr, wie man einen Turban bindet.

Wie bindet man einen Turban?
Einen schönen Turban zu binden, ist eine echte Kunst. Es gibt bei den Sikhs unterschiedliche Techniken, um einen Turban zu binden. Je nach Art des Turbans kann es zwischen fünf und etwa 15 Minuten dauern. Wie es genau geht, zeigen die folgenden Seiten:

http://www.wdrmaus.de/sachgeschichten/sachgeschichten/sachgeschichte.php5?id=313

http://www.sikhnet.com/pages/tyingturbans

http://www.youtube.com/watch?v=nkXQZit1DPo&feature=fvw

http://www.sikhwomen.com/turban/index.htm

http://www.sikhwomen.com/turban/how.htm

Video: http://www.sikhwomen.com/turban/videos/HowToTieATurban_Medium.wmv (4 MB)

Was oder wer ist die Damadami Taksal?
Die Damadami Taksal ist eine religiöse Ausbildungsinstitution in der Nähe von Amritsar im Panjab. Sie bildet Rezitierer und Sänger aus und betont einen eigenständigen Kodex. Die Ursprünge der Institution liegen dem Selbstverständnis nach bei Guru Gobind Singh. Historisch lässt sich das wohl nicht einwandfrei belegen. Jarnail Singh Bhinadranwale ist der berühmteste und einflussreichste Vorsteher in der jüngsten Vergangenheit. Er stand der Damdami Taksal bis 1984 vor. Jarnail Singh wurde 1984 bei der Stürmung des Darbar Sahib getötet. 1988 schaffte es die Institution unter Jasbir Singh, ihren Kodex im Darbar Sahib durchzusetzen. Er gab auch die Anweisung, dass die "Raagmaala", die seit 1936 nur im Darbar Sahib, aber nicht im Akal Takhat rezitiert wurde, auch dort zu inkludieren. Seit Mai 1993 gilt im Darbar Sahib wieder die Sikh Rahit Maryada.

Die seit den 80er enorm populäre Damadami Taksal verliert inzwischen an Ansehen. Die Gründe sind vielfältig. Die Nachfolger Jarnail Singhs leugneten jahrelang seinen Tod und verstrickten sich dabei in unstimmige Spekulationen über seinen angeblichen Verbleib. Die inhaltliche Ausrichtung der Institution hat sich zum Teil von den originären Einsichten der Religionsgründer entfernt. Inzwischen gibt es aufgrund interner Führungsstreitereien mehr als nur eine Damdami Taksal - die Mat Satto Vali Gali Taksal und die Damdami Taksal Bhatinda. Das Verständnis der Mitglieder ist überwiegend mythologisch, dogmatisch und von ritualisierten Gebetspraktiken geprägt und geht von einem wörtlichen Verständnis des GGS aus. Die ausnahmslos männlichen Verantwortlichen der Institution respektieren den gemeinschaftlichen Kodex, die Sikh Rehat Maryada, nicht in allen wichtigen Punkten. So werden nicht die festgelegten Gebete gelehrt; auch bei der Taufe finden sich Abweichungen.

Mitglieder der Damadami Taksal sind überdies Vorreiter in der Abschaffung des einheitlichen Nanakshahi-Kalenders, der 2003 vom Akal Takhat als verbindlich eingesetzt wurde. Der Nanakshahi-Kalender schrieb alle wichtigen Feiertage der Sikhs einheitlich fest und bot damit erstmals die Möglichkeit, diese weltweit gemeinsam zu feiern und sich die Tage leicht zu merken. Vertreter der politisch immer noch gut vernetzten Damadami Taksal sowie einflussreiche selbsternannte ‘Heilige’ (Sant Samaj, Sant/Babe) haben jedoch nie den neuen Kalender akzeptiert. Sie hielten an dem alten Kalender fest, der jedes Jahr basierend auf den Planetenkonstellationen neu erstellt wurde. Inzwischen haben sie trotz heftigen Widerstandes von weiten Teilen der Sikhs in Indien und in der Diaspora erfolgreich den alten Kalender durch einen unabgestimmten Erlass durch den Vorsteher des Akal Takhat wiedereinführen lassen. Die Vorgänge zeigen zum wiederholten Male, dass das ursprüngliche Wesen und die gemeinschaftlichen Ideale der Sikhi im religiösen Zentrum Amritsar vollständig über Bord geworfen wurden.

Die Ausbildung in der Damadami Taksal, die offensichtlich nur Männern offen steht, ist rein religiös angelegt. Eine fundierte schulische Ausbildung wird von der Institution nicht gefördert. Dies ist daran zu erkennen, dass die Absolventen überwiegend über eine schlechte schulische Allgemeinbildung verfügen. In der Regel sprechen sie kein Englisch, sehen in der Wissenschaft eine Bedrohung und lehnen Kleider, die nicht dem Standard der Institution entsprechen, ab. Die Anhänger der Institution, sie werden Taksali genannt, tragen luftige Gewänder. Das Training ist vor allem darauf angelegt, die Schüler als Rezitierer und Interpretierer in Gurdwara zu qualifizieren. Viele Absolventen arbeiten später gegen Bezahlung als Granthi.

Der weltweite Einsatz der Absolventen als Granthi ist ein Grund für den inzwischen ritualisierten Charakter der Gurdwara und die mythologisch dominierten Interpretationen des GGS, die einen Bezug zum universellen Kern der Verse und zum heutigen Lebensalltag vermissen lassen. Hinweise auf Widersprüche zu den Einsichten des GGS und der Lebensweise der zehn Meister seitens Sikhs in Sikh-Foren oder unabhängiger Gelehrter werden allerdings als ‘blasphemisch’ verurteilt. Eine offene Diskussion basierend auf den Einsichten des GGS und auf glaubwürdigen historischen Quellen wird dadurch oft verhindert. Dabei wird auch zum Teil vor Gewalt nicht halt gemacht. So wurden kritische Gelehrte und Radiomoderatoren verprügelt oder öffentlich verbal angegangen. Hier ein Beispiel aus dem Forum www.sikhsangat.com, welches verdeutlicht, wie mit freien Meinungsäußerungen umgegangen wird:

_Akaal108_: baba vir singh the great bhramgyani [sarkastische Anspielung] wrote from that dastar thread:
“Vir Singh: First of all, Guru Gobind Singh Jee only started one Jatha, Sampradah or group and that is the Khalsa. Over time that one group split up into many groups, but none the less Dasam Pasha only created one group. Secondly Guru Gobind Singh did not start Damdami Taksal jee as people like to promote.” ...

Vir Singh: .. Jyot Vigasi Sant, Sri Baba N30 Singh Jee 108…  Baba Deep Singh Jee was not the spiritual head of the present day Damdami Taksal. He had set up his missionary center at Gurdwara Damdama Sahib in Bathinda. But Baba Deep Singh Jee and Baba Gurbaksh Singh Jee were the last Jathadars of their Damdami Taksal sect, which was killed off to the last man defending Sri Harimandir Sahib. They left no successors, but after their Shaheedi many sects arose all claiming to be the spiritual descendents of Baba Deep Singh Jee’s Taksal. Damdami Taksal of Mehta is one such Taksal claiming this descent.

NavjotSingh: who did u get this info from :T:

Vir Singh: Through research, and some books. You see, I myself also use to beleive that the present day Damdami Taksal was started by Guru Jee. But after researching, I have changed my view abou the origins of the Taksal of Mehta. ...

_Akaal108_: “Vir Singh: N30 Singh, still waiting..... I dont like to breath down anyones neck, but you are the one who keeps on bringing in this topic up.  Lets debate this. This time please reply using facts and logic without any sarcasm and insults.”

Vir singh, Since i m not a offical representative of damdami takshal. I would chose not to pursue any debate on you regarding that matter. However i did you an favor. I posted your request on http://www.gursikhij...um/list.ppa?f=1. Just waitin for their reply. I am sure they will clear up all the curiousity you have in civlized manner.

Vir Singh: N30 Singh, I have read the reply you have received from the gursikhijeevan.com site. I got one reply from a Mr. “Singh Khalsa Panth Da”. Basically, since he could not refute my argument, he has resorted to threatening me with “consequences”. Is this the best he could do? When he can’t argue using facts, he threatens me with “consequences”… This is the exact reason why I don’t like to associate with any particular group, Jatha or Sampradah, because as soon as you question something, you are threatened with “consequences”. I await someone intelligent to give me a reply using there brains rather then there muscles.
I am not against Taksal. All I want is to find out the truth and have a friendly debate without being looked down upon for having questions and doubts in my mind about something. ... BTW I know what Mr. “Singh Khalsa Panth Da” meant by “consequences”. He obviously means physical harm….

Was oder wer ist der Akhand Kirtani Jatha (AKJ)?
Informationen zu der Gruppierung Akhand Kirtani Jatha (AKJ) finden sich hier.

Welche Rolle spielt das Kastensystem (Jaat paat) in der Sikhi und bei den Sikhs?
Informationen zum Kastensystem und Sikhs finden sich hier.

Welche Rolle spielt der Tod in der Sikhi und wie läuft die Todeszeremonie ab?
Ausführliche Informationen zum Umgang mit dem Tod aus Sicht der Sikhi sind im dem Artikel “Der Tod - Ein Mysterium” zusammen gestellt.

Welche Rolle spielt Meditation? Welche Meditationstechnik lehrt die Sikh-Religion?
Es wird viel geschrieben über Meditation in der Sikh-Religion. Oft handelt es sich aber um eine sehr verkürzte oder körperlich interpretierte Darstellung. Die Sikh-Religion, ausgehend vom Guru Granth Sahib, basiert nicht auf einer bestimmten Meditationstechnik. Die Begründer haben weder zu Lebzeiten bestimmte Techniken vollzogen noch gelehrt. Entsprechend finden sich keine Hinweise auf Meditationstechniken in ihren Schriften (GGS) noch existiert eine Meditationsschule. In der Sikh-Religion steht vielmehr eine fortwährende spirituelle Haltung, jenseits bestimmter Körperhaltungen, Räume oder innerer Konzentration im Vordergrund. Das Wort Naam bzw. Naam Japna drückt dieses unerklärbare Mysterium der inneren und fortwährenden Bewusstwerdung metaphorisch aus. Das Wort Meditation im üblichen Sinne wird gar nicht verwendet im GGS. Gleichwohl beziehen sich die Gurus und Bhagat im GGS auf populäre (asketische) Praktiken. Beispielsweise nimmt Guru Nanak exemplarisch in den Versen Sidh Gosht kritisch Stellung zu Yoga-Praktiken. Er schreibt, dass die Yogi-Asketen trotz der Perfektionierung ihrer Konzentrations- und Atemtechniken und Körperbeherrschung letztlich eingestehen, dass sie kein Seelenheil finden konnten (GGS, S. 941, M. 1). Dabei kritisieren die Heiligen vor allem auch den Drang des Menschen, eine Lebensweise auf eine spezifische Praktik aufzubauen und diese als seeligmachend anzusehen und zu vermarkten.

Ähnlich skeptisch äußern sich die Meister  auch über die weit verbreitete Verwendung von Mantren (Mantra). Sie betonen, dass Wörter nur einen oberflächlichen Charakter haben. Das einzig wirksame Mantra, welches sie selbst erfahren haben und entsprechend bezeichnen, ist die jedem Menschen inne wohnende spirituelle Weisheit. Wird sie zum Leben erweckt, kann der Mensch ein bewusstes Leben in Frömmigkeit führen. Als wahrhaftige Form der ‘Meditation’ beschreiben die Gurus und die Bhagat ein tugendhaftes und frommes Leben. Dieses zeichnet sich durch innere Balance und einen wachen Geisteszustand aus, der die Oberflächlichkeit der materiellen Welt durchschaut. Hierfür ist es aber notwendig, das Ego, welches durch den Geist - also durch äußere Einflüsse - kreiert wird, zu überwinden. Wer die Weisheiten der Schöpfung verinnerlicht, dem kann die Gnade der unsterblich machenden Selbsterkenntnis - Amrit - zuteil werden:

“Ootath baitath sovat dhiaaeeai | maarag chalat hare har gaaeeai ...” Sei verbunden (mit der Schöpferin) während du dein Alltagswerk verrichtest (gehst, sitzt und schläfst). Während du deinem Lebensweg folgst, lobpreise fortwährend (innerlich) Har (die Schöpferin). ...” (GGS, S. 386, M. 5).

Aus praktischer Sicht bedeutet diese Orientierung, dass jeder Mensch, der den Weg eines Sikhs beschreiten will, sich um eine andauernde Verbundenheit mit dem Schöpfer bemüht. Für die körperliche Fitness muss jeder selbst entscheiden, welche Techniken und Haltungen hilfreich sein können. Dabei hat die jeweilige Lebenssituation und der Gesundheitszustand einen entscheidenden Einfluss darauf, welche Form oder Technik als angemessen und anwendbar angesehen wird. Für einige mag Zen oder Vipassna passend sein, für andere Thai Chi oder Yoga. Dabei ist zu beachten, dass heute noch viel stärker als zu Zeiten der Gurus, spezifische körperliche oder geistige Techniken im Namen der Religion gegen Geld angeboten werden. Man findet heutzutage unzählige Angebote, die angelehnt an ein vermeintlich religiöses Label, professionell vermarktet werden. Aus Sicht der Begründer ist es unangemessen, im Namen der Religion Geld zu verdienen.

Was zeichnet ehrenamtlichen Dienst - Seewa - in der Sikh-Tradition aus?
Mein Name ist Baljinder Singh. Ich hätte ein Frage, die mir persönlich sehr am Herzen liegt. Was ist „sachi sewa“ im Gurdwara? Kann man Geld in höheren Beträgen [für Langar bspw.] als Seewa bezeichnen? Muss man das wirklich öffentlich machen und sagen, ja ich spende so und so viel Geld? Dann wird man im Gurdwara vorgestellt und gepriesen und gelobt, Fotos werden geschossen und man bekommt einen „Saropa“ (religiöse Auszeichnung) um den Hals gehängt. Da denke ich mir, was ist mit den anderen? Die, die weniger verdienen und einen kleineren Geldbetrag spenden, aber der für sie eine relativ hohe Summe darstellt, für die sie sehr lange arbeiten mussten. Diese werden nicht gelobt, von Ihnen werden keine Fotos geschossen. Ich meine damit, dass „sachi sewa“ nicht mit Geld zusammen hängt, oder? Einen „Saropa“ bekommt man doch nicht für Geldbeträge. Ich hoffe, dass Sie mir da weiterhelfen können.

Antwort: Ehrenamtlicher Dienst, genannt Seewa, ist immer dann sachi – also wahrhaftig –, wenn sie ohne Erwartungen verbunden ist und dazu führt, dass der Egoismus gemindert wird. Seewa ist daher selbstlos. Sie wird in Demut und Bescheidenheit ausgeführt und möglichst so, dass andere es nicht einmal bemerken. Die höchste Form des Ehrenamtes ist dann gegeben, wenn man anderen Menschen selbst- und erwartungslos hilft und ihre Entwicklung und ihr Wohlbefinden fördert.

Spendengelder sind wichtig, um Aktivitäten und Projekte voranzutreiben und Ausgaben wie Mietkosten decken zu können. Seewa allerdings, die zum Ergebnis hat, dass man aufgrund von publikumswirksamer Spendenfreudigkeit besondere Ehrerbietung erfährt, ist aus Sicht der Begründer kontraproduktiv. Eine Auszeichnung wie “Saropa”, Gravuren in gespendeten Objekten und an Wänden in Gurdwara oder die Erwähnung von Spendernamen im Abschlussgebet sind nur einige Beispiele. Auch ist es keine besondere Leistung, wenn ein reicher Mensch viel spendet. Spenden sind aus Sicht der Sikhi die oberflächlichste Form des Ehrenamtes, denn dadurch wird kaum ein Beitrag zur Überwindung des Egos geleistet.

Die freien Speisen in den Gurdwara, Langar, die durch Spendengelder und freiwillige Köche möglich gemacht wird, sind nur eine Form des ehrenamtlichen Engagements. Allerdings sind auch hier Entwicklungen zu beobachten, die aus Sicht der Sikhi mit Sorge zu betrachten sind. Weltweit werden immer mehr Gerichte zuzüglich Vorspeisen zubereitet. Dies verschlingt einen großen Teil der Spendengelder. Ursprünglich waren die Gerichte bescheiden und dienten vor allem Bedürftigen und von weit her angereisten Besuchern. Doch warum müssen Besucher, die selbst in Wohlstand leben, drei verschiedene kostenfreie Gerichte zu sich nehmen?

Würden sich Sikhs wieder mehr auf das Wesen ihrer Religion besinnen und weniger auf Materielles, könnte eine deutliche Entwicklung auch in ehrenamtlichen Tätigkeiten vollzogen werden. Ein mit Liebe zubereitetes Gericht ohne die inzwischen verbreitete Hektik beim Langar würde dann allen ausreichen. Die Ersparnisse daraus könnten für die religiöse Bildung, soziale Projekte, Bibliotheken und Sportaktivitäten eingesetzt werden. Gleichzeitig würde mit den Spenden transparenter und verantwortlicher umgegangen werden. Spenden würden direkt überwiesen, Quittungen ausgestellt, ein übersichtlicher Bericht der Ein- und Ausgaben erstellt und für alle sichtbar angebracht werden. Im Gurdwara selbst wäre sichergestellt, dass im Gegensatz zu heute, Geld außen vor bliebe.

Wie bereitet man Parshad zu?
Die Süßspeise Parshad wird im Gurdwara an alle verteilt. Sie ist ein weiterer Ausdruck der Gleichheit aller Menschen. Alle Besucher essen aus der selben Schale die zubereitete Süßspeise. Es ist recht einfach und nicht besonders aufwendig, diese Süßspeise zu bereiten. Zu beachten ist, dass man sich vorher die Hände wäscht, seinen Kopf bedeckt, saubere Töpfe und Pfannen verwendet sowie während der Zubereitung das Jap Ji rezitiert. Wenn man es lediglich für sich zubereiten will, entfallen diese Notwendigkeiten. Man spricht dann aber nicht von Parshad sondern von Karrah.

1. Zutaten: Jeweils eine kleine Tasse Atta (Getreide), Zucker und Schmalz (Ghe) sowie vier kleine Tassen Wasser.
2. Den Schmalz in eine Pfanne geben und den Herd auf eine geringe Stufe einstellen.
3. Parallel werden die vier Tassen samt Zucker erhitzt, bis es kocht.
4. Sobald der Schmalz flüssig ist, Atta hinzufügen und ab jetzt immer leicht rühren bis alles ein brauner Brei wird.
5. Jetzt das fertige Wasser in den Brei geben. Am besten die Pfanne hierfür vom Herd nehmen und vorsichtig hinzugießen. Dabei nicht vergessen, den Inhalt umzurühren. Wenn alles in die Pfanne umgefüllt wurde, diese wieder auf den Herd stellen und weiter rühren. Wenn der Brei fest wird und nicht mehr an die Pfanne anklebt, ist der Parshad fertig.

Wie finden Sikhs einen Namen für ein neugeborenes Baby?
Eine ausfühliche Antwort ist im folgenden Artikel zusammen gestellt.

Wer ist der Autor des Dasam Granth?
Eine ausfühliche Antwort ist im folgenden Artikel zusammen gestellt.

Welche Bedeutung haben die fünf Kakar (5 K’s)?
Eine ausfühliche Antwort ist im folgenden Beitrag zusammen gestellt.

Wir richten einen multireligiösen Gebetsraum ein. Worauf ist bei Sikhs zu achten?
Die Sikh-Religion (Sikhi) legt vor allem Wert auf eine innere spirituelle Haltung. Für Sikhs, die sich tiefgründig mit Spiritualität beschäftigen, ist es daher nicht so wichtig, wie ein Raum gestaltet ist. Sikhs freuen sich über einen ruhig gelegen Raum. Dieser sollte sauber, schlicht und absolut rauchfrei sein. Viel Schmuck und andere Einrichtungen, die Aufwand betreiben und ablenkend wirken, werden entsprechend den ursprünglichen Einsichten gemieden. Es werden demnach keine materiellen Gegenstände benötigt. Von Vorteil wäre, wenn man bequem auf dem Boden sitzen könnte. Gut gepolsterte Teppiche und Kissen wären für ältere Menschen von Hilfe.

Zentral für Sikhs sind die Weisheiten des Guru Granth Sahib (GGS) - die Schrift, die die Einsichten verschiedener Heiliger enthält. Daher haben Sikhs oft Auszüge (Pothi, Gutka) aus dem GGS bei sich. Heute verwenden Sikhs auch digitale Versionen auf ihrem Smartphone. Zudem spielt die gesungene Rezitation der Verse - auch unter Begleitung von Instrumenten (Kirtan) - eine wichtige Rolle. Es kann also sein, dass Sikhs den Raum auch dazu nutzen möchten, die Verse gefühlvoll zu rezitieren.

 

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