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▪ Wo bekomme ich einen kompakten Überblick über die Sikh-Religion? Antwort -> ▪ Wie bindet man einen Turban? Antwort -> ▪ Warum passieren bei der Auslegung des GGS so viele Fehler? Antwort -> ▪ Meine Lehrer machen mir Probleme wegen der Kopfbedeckung. Was soll ich tun? Antwort -> ▪ Warum schneiden Sikhs ihre Haare nicht und bedecken diese? Antwort -> ▪ Was für Kleider tragen Sikhs? Antwort -> ▪ Was für ein Verhältnis haben Sikhs zu ihrem Körper? Antwort -> ▪ Wo finde ich einen schönen Text zum Thema Aufklärung in Panjabi? Antwort -> ▪ Ist ein goldener Armreif besser als ein schlichter aus Eisen oder Stahl? Antwort -> ▪ Was muss bei Sikh-Patienten im Krankenhaus beachtet werden? Antwort -> ▪ Was ist bei einem neuen Sikh-Kind im Kindergarten zu beachten? Antwort -> ▪ Sind Sikhs nun Vegetarier oder nicht? Antwort -> ▪ Wie sollten Bücher über die Sikh-Religion in Bibliotheken eingruppiert werden? Antwort -> ▪ Warum heißen manche Hindus auch Singh? Antwort -> ▪ Woher stammen die Verse, die vor und nach der Ardas gesungen werden? Antwort -> ▪ Behörden akzeptieren den Nachnamen Singh bzw. Kaur nicht. Was kann man tun? Antwort -> ▪ Gibt es Gebetsstätten (Gurdwara) von Sikhs in Deutschland? Antwort -> ▪ Welche Bedeutung hat das Symbol mit dem Kreis und den Schwertern? Antwort -> ▪ Gibt es eine deutsche Übersetzung des Guru Granth Sahib? Antwort -> ▪ Gibt es Literatur über die Sikh-Religion in deutscher Sprache? Antwort -> ▪ Wie kann ich ein Sikh werden? Antwort -> ▪ Wenn ich eine Sikh werde, wie verhält es sich mit feiern, Gebet und den Haaren? Antwort -> ▪ Haben Sikhs ein geistliches Oberhaupt wie den Papst? Antwort -> ▪ Sikhs werden wegen ihres Aussehens gehänselt. Was kann man tun? Antwort -> ▪ Sind Bilder der Gurus erlaubt? Antwort -> ▪ Wie verhalte ich mich als Besucher im Gurdwara? Antwort -> ▪ Was für Gebete rezitieren Sikhs? Antwort -> ▪ Wo kann man Sachen aus dem Panjab einkaufen? Antwort -> ▪ Wo kann man Panjabi lernen? Antwort -> ▪ Spielt die Turbanfarbe eine Rolle? Antwort -> ▪ Was oder wer ist die Damdami Taksal? Antwort ->  ▪ Was oder wer ist der Akhand Kirtani Jatha (AKJ)? Antwort ->  ▪ Welche Rolle spielt das Kastensystem (Jaat paat) in der Sikhi und bei den Sikhs? Antwort ->  ▪ Welche Rolle spielt der Tod in der Sikhi und wie läuft die Todeszeremonie ab? Antwort ->
Wo bekomme ich einen kompakten Überblick über die Sikh-Religion? Einen zusammenfassenden Überblick über den Ursprung und die Inhalte der Sikh-Religion findet man im Informationsflyer. Der Flyer kann auch gerne für Referate, Vorträge oder Präsentationen über die Sikh-Religion bzw. Sikhi verwendet werden. Es sollte hierbei darauf geachtet werden, dass die Quelle des Flyers transparent gemacht wird.
Wie bindet man einen Turban? Einen schönen Turban zu binden, ist eine echte Kunst. Es gibt bei den Sikhs sehr unterschiedlich ausgefeilte Techniken, um einen Turban zu binden. Je nach Art des Turbans kann es zwischen fünf und etwa 15 Minuten dauern. Wie es genau geht, ist in diesen Videos zu sehen.
Warum passieren bei der Auslegung des GGS so viele Fehler? Eine ausführliche Antwort hierzu gibt es unter anderem im Artikel über den Guru Granth Sahib und in der beispielhaften Versinterpretation.
Meine Lehrer machen mir Probleme wegen der Kopfbedeckung. Was soll ich tun? In Deutschland leben wir in einem Rechtsstaat, dies bedeutet, dass jeder Bürger (also auch Kinder) über Rechte und Pflichten verfügt. Die wichtigsten Regeln für ein gemeinschaftliches Miteinander sind im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgehalten. Das Grundgesetz beginnt folgendermaßen (die für uns wichtigsten Stellen sind kursiv dargestellt):
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 (BGBl. S. 1), zuletzt geändert durch Gesetz vom 26. Juli 2002 (BGBl. I S. 2863) ...
Präambel
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben. Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.
I. Die Grundrechte
Artikel 1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Artikel 2 (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Artikel 3 (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Artikel 4 (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
Aus dem Grundgesetz wird ganz klar, dass jedem Menschen grundlegende Menschenrechte zugestanden werden. Hierzu gehört, dass jeder Mensch seine Religion ungestört ausüben darf, solange andere nicht in ihren verletzt werden. Der Staat ist verpflichtet, dies zu gewährleisten. Darüber hinaus ist die Würde des Menschen sowie seine körperliche Unversehrtheit unantastbar. Für Sikhs gehört es zu einem würdevollen Leben und zum Sikh-Sein, die Haare, die als Teil des Körpers angesehen werden, zu bewahren und zu bedecken. Daher ist der Staat verpflichtet, dies als Form der Religionsausübung zu gewährleisten.
Kein Lehrer darf daher nach geltendem Recht vorschreiben, WAS Du trägst, WAS Du auf dem Kopf hast und WIE du es bindest. Ein Lehrer darf daher nichts zu deiner Kopfbedeckung sagen und auch nicht, dass diese oder jene Wickeltechnik angemessen ist. Er oder sie hat sich diesbezüglich neutral zu verhalten. Wenn ein Lehrer auch nur in Ansätzen etwas negatives sagt bzw. dich wegen der Bedeckung diskriminiert, begeht er eine unrechtmäßige Handlung und kann hierfür disziplinarisch belangt werden. Falls es vorkommen sollte, dass Lehrer dir Probleme machen, dann drucke diese Antwort (und am besten auch den nachfolgenden Punkt zu den Haaren) aus und lege sie den Verantwortlichen inklusive dem Direktor der Schule als Informationshinweis vor. Wenn es danach weiterhin Probleme geben sollte, dann melde dich bei uns.
Warum schneiden Sikhs ihre Haare nicht und bedecken diese? In der Sikh-Religion ist es vor allem für männliche praktizierende Sikhs eine ehrenvolle Selbstverständlichkeit, dass ungeschnittene Haupthaar zu bedecken. Sikhs drücken durch die ungeschnittenen Haare ihren Respekt vor des Schöpfers Willen aus. Sie stehen zudem für ein weltzugewandtes Leben (Asketen scherren ihre Haare, um ihre Abkehr von der Welt auszudrücken). Die Kopfbedeckung drückt ein würdevolle und emanzipierte Lebenshaltung aus sowie einen hohen Charakter. Praktizierende Sikhs sehen ihre Haare als Teil ihre Körpers (ang) an und nicht als Symbol. Es ist daher etwas ganz natürliches für einen Sikh, seine Haare nicht zu schneiden; die Kopfbedeckung ist für getaufte Sikhs eine Selbstverständlichkeit. Sikh-Männer bedecken ihr ungeschnittenes Haar in der Regel mit einem Turban, Frauen die Wert auf die Kopfbedeckung legen, tragen ein dünnes Tuch (Tschuni oder Dupatta genannt). In einigen wenigen Fällen tragen Sikh-Frauen wunschgemäß einen Turban.
Wenn man die Haare schneidet, kommen sie wieder. Es ist ein Naturgesetz. Also geschieht dies entsprechend dem Wille der Schöpfung. Ein Sikh sagt sich: “Warum immer wieder gegen ein Naturgesetz angehen? Ok Gott, ich versuche deinen Willen, deine Naturgesetze zu akzeptieren und setze in Sachen Haupthaar mein Ego hinten an. Ich belasse mein Haar so, wie Du es erschaffst.” Entsprechend dieser Grundhaltung ist die Kopfbedeckung ein integraler Bestandteil des Sikh-Seins, im Besonderen für Männer. So wie man mit Kleidern den Körper verhüllt, werden auch die Haare bedeckt.
Der Verhaltenskodex der Sikh-Gemeinschaft (Sikh Rahit Maryada) schreibt ausdrücklich die Bewahrung ungeschnittener Haare sowie deren Bedeckung für getaufte Sikhs vor. Der Sinn dieses einheitlichen Erscheinungsbildes ist in den Lehren der Religionsgründer zu finden. Diese betonen die Notwendigkeit einer Balance zwischen innerer religiöser Haltung und äußerem Erscheinungsbild. Eine aufrichtige religiöse Haltung kann für sie niemals nur eine (innere) Angelegenheit der eigenen vier Wände sein. Sie zeigt sich vielmehr in der alltäglichen Ausübung. Ein Sikh versucht daher, immer und überall ein und derselbe Mensch zu sein und strebt danach, mit derselben Haltung und demselben Erscheinungsbild in den Gurdwara zu gehen wie zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen. Es geht als Sikh eben nicht darum, ein “Wochenend-Sikh” zu sein, der im Alltag keinen Turban trägt, sich aber am Sonntag für den Grudwara mit einem Turban schmückt.
Die ungeschnittenen bedeckten Haare haben nichts mit Werbung für den eigenen Lebensweg zu tun und auch keine politische Konnotation. So wird der Turban immer getragen - auch zu Hause - und nicht nur in der Öffentlichkeit oder bei festlichen Anläßen wie in anderen Traditionen. Letzlich drückt die Kopfbedeckung die Vereinbarkeit einer modernen und gleichzeitig in einer Tradition wurzelnden religiös inspirierten Lebensweise aus. Es sei in diesem Zusammenhang angemerkt, dass die Sikh-Religion keinen Missionierungsgedanken verfolgt.
Exkurs 1: In Indien wird Kopfbedeckung von Menschen verschiedenster Herkunft getragen. Die Kopfbedeckung spielt dort seit jeher eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. Früher trugen Fürsten einen Turban als Zeichen von Autorität, Würde und Nobelhaftigkeit. Heute tragen Menschen Kopfbedeckung aus religiösen, kulturellen aber auch aus pragmatischen Gründen, zum Beispiel als Sonnenschutz in der Wüste. Je nach Religionszugehörigkeit oder regionaler Herkunft variiert die Art der Kopfbedeckung. In Rajasthan werden andere Turbane getragen als im Panjab. Bei traditionellen Hochzeiten sieht man gar Männer aller Religionen einen Turban tragen.
Exkurs 2: Interessant ist, dass lange Haare im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder eine wichtige gesellschaftliche Stellung innehatten. Die Männer einiger germanischer und keltischer Stämme Nordeuropas trugen zum Beispiel Bärte und langes Haar, das über der Schläfe zu einem Knoten zusammengebunden wurde (Suebenknoten genannt). Die Frauen trugen ihr Haar, das von einem Netz zusammen gehalten wurde, am Hinterkopf. Kurz geschnittene Haare galten zur damaligen Zeit als Zeichen von Sklaverei oder Unterwürfigkeit. Diese Ansicht wirkte bis in die mittelalterliche Rechtssymbolik hinein. Bei den Franken hatte nur der König langes Haar. Im antiken Griechenland galten lange Haare als Geschenk der Götter für die Freien, daher durften Sklaven nur kurzes Haar tragen. Langes Haar galt bei Männern der Babylonier, Perser, Assyrer und Ägypter als Zeichen von körperlicher Vitalität. Laut Bibel verlor Samson mitsamt seinem Haar auch seine Stärke.
Exkurs 3: Die menschlichen Haare wachsen für gewöhnlich täglich um rund 1/4 mm. Sie haben eine Lebensdauer von mindestens einem halben Jahr und maximal bis zu sechs Jahren. Haare entwickeln sich bereits im Mutterleib. Gegen Ende der Schwangerschaft bedecken sie den Körper des heranwachsenden Babies mit zarten Flaumhaaren. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich in den kommenden 100.000 Jahren das Haupthaar des Menschen evolutionsbedingt stetig zurück entwickeln wird.
Was für Kleider tragen Sikhs? In der Sikhi geht es nicht um müssen, sondern um wollen. Dies betrifft auch die Kleidung. Sikhs ziehen das an, was ihnen persönlich gefällt; sei es hinsichtlich des Stils oder der Farbe. Gott hat alle Farben gleich schön gemacht. Manche Sikhs tragen Hosen, einige Anzüge und andere wiederum Kleider, die eher im südasiatischen Raum populär sind. Hierzu zählt zum Beispiel die Tracht Salwar Kamiez für Frauen oder der Kurrta für Männer. Diese Trachten sind keineswegs durch die Sikhs entstanden, sie wurden schon lange vor den Sikhs von Menschen unterschiedlichster Herkunft getragen. Sie haben daher nicht direkt mit Sikh-Kultur zu tun.
Aus Sicht des Guru Granth Sahib spielt es für ein gottbewusstes Leben keine Rolle, welche Kleidung man trägt. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, sind allerdings einige Dinge bei der Kleiderwahl zu beachten. Ein Sikh versucht immer ganzheitlich zu denken. Dies bedeutet hinsichtlich der Kleider eine Wahl, die einen hohen Charakter repräsentiert. Sikhs des Guru Granth Sahib werden daher immer versuchen, saubere Kleidung zu tragen, die den Körper bedeckt. Das bedeutet nicht, dass Sikhs sich nicht hübsch machen können. Ganz im Gegenteil: Es ist immer eine Freude Menschen zu sehen, die sich sowohl um ihren Charakter als auch um ihr Äußeres kümmern. Sikhs gehen mit ihrem Äußeren allerdings reflektiert um und verfallen nicht dem verbreiteten ‘Schönheits’wahn. Männer können sehr wohl attraktiv sein ohne ihr Haar zu gelen und Frauen schön ohne ihr Gesicht vollzuschminken. Ein Superauschnitt, der mehr vom Busen zeigt als verdeckt (es grüßen die Wonderbras bzw. “Mayabras”) ist eben so leicht hinzubekommen wie ein String-Tanga, der halb aus der Hüfthose rausschaut. Aber schön und gleichzeitig edel zu sein, dies ist die Kunst in der sich ein Sikh übt. Inneres und Äußeres bilden eine ausgewogene Einheit. Da ungeschnittenes Haar für einen Sikh eine Selbstverständlichkeit ist, bedecken Sikhs in der Regel dieses genauso, wie sie auch ihren restlichen Körper bedecken. Kopfbedeckung (Turban oder Kopftuch) war im südasiatischen Raum immer ein Ausdruck von Nobelhaftigkeit und Würde; Sikhs tragen ihre Kopfbedeckung mit Stolz. Sie ist Teil der Sikh-Tradition (siehe auch Fünf K’s).
Was für ein Verhältnis haben Sikhs zu ihrem Körper? Jeder Mensch - Frau, Mann, Junge, Mädchen – wurde gemäß dem Willen der Schöpfung geschaffen. Wir, unserer aller Körper unterliegt gleichsam den Naturgesetzen. Beim Menschen ist es nun so, dass zu bestimmten Zeiten ganz bestimmte körperliche Veränderungen hervortreten. Vor allem in der Pubertät. Jungs bekommen einen Bart und eine tiefe Stimme, Mädchen bekommen einen Busen und das Becken wird größer. Beide Geschlechter haben gemein, dass in diesem Zeitraum die Geschlechtsreife einsetzt; die Schamhaare beginnen zu wachsen. Jungen können nun eine Erektion und einen Samenerguss bekommen und bei Mädchen beginnt die Menstruation (Tage). All diese biologischen Prozesse sind etwas ganz NATÜRLICHES, da sie von der Schöpfung kreiert wurden. Im GGS schreibt Guru Nanak:
“Jio joroo siranaavanee aavai vaaro vaar || joothae joothaa mukh vasai nith nith hoe khuaar || soochae eaehi na aakheeah behan jo pinddaa dhoe || soochae saeee naanakaa jin man vasiaa soe ||2|| So wie die Frau regelmäßig ihre Tage hat, genauso ist die Falschheit im Munde der Tore und schafft wiederkehrendes Leid. Rein sind nicht die, die bloß ihren Körper waschen, sondern nur die, die die Schöpferin fortwährend verinnerlichen” (GGS, M. 1, S. 472). Der Vers bezieht sich auf die verbreitete Vorstellung, dass eine Frau, die ihre Tage hat, unrein sei und daher während dieser Zeit isoliert Leben sollte. Der Guru betont aber, dass nicht die menstruierende Frau unrein ist, sondern diejenigen, also auch Männer, die schmutzige Gedanken in sich tragen und niederes Handeln an den Tag legen.
Daher bedarf es keiner negativen Gefühle bezüglich biologischer Phänomene. Viel wichtiger ist, dass sich das schlechte Gewissen regt, wenn man Dinge sagt oder macht, die einen selbst oder andere schädigen. Oft haben Jugendliche, vor allem aus vermeintlich religiösen Familien (für die Religion primär die Befolgung von Menschen gemachten Regeln bedeutet), ein problematisches Verhältnis zu ihrem Körper. Dies liegt an der Erziehung bzw. an der kompletten Tabuisierung des Themas Sexualität. Jugendliche versuchen dann heimlich über Freunde, TV und Internet all die Fragen beantwortet zu bekommen, die sie zu Hause nicht stellen können. Bei vielen Jugendlichen entwickeln sich dann über die Jahre hinweg ein schlechtes Gewissen und ein negatives Selbstbild. Der nackte Körper sowie Sexualität wird als etwas Sündhaftes wahrgenommen. Es ist wichtig, an dieser ungesunden Haltung so früh wie möglich etwas zu ändern und sich davon zu befreien. Jeder kann bei sich selbst anfangen und versuchen, sich selbst als Geschöpf Gottes anzunehmen. Man wird dann im Laufe der Zeit zu der Einsicht kommen, dass eine ganzheitliche Lebenshaltung, die Sexualität als natürlich annimmt, förderlich ist. Nacktsein, die Menstruation sowie ein Samenerguss werden dann als ganz normal angesehen.
Nehmen wir das Leben der Gurus als Vorbild. Sie waren nicht nur Heilige, sondern auch Ehemänner, die Kinder gezeugt haben. In anderen Worten, sie haben ihre Sexualität angenommen und nicht verdammt. Die Gurus haben das Thema Sexualität nicht tabuisiert, sondern sind in ihren Schriften darauf eingegangen (unter anderem GGS, S. 706, 945, 1013, 1022). Sie betonen, dass die menschliche Sexualität etwas natürlich ist, die sich gemäß dem Willen der Schöpfung entwickelt hat. Sie verweisen zudem indirekt darauf, dass Sexualität ein sehr sensibles Feld ist; Sex kann leicht zu Unglück (verletzte Gefühle, ungewollte Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten, AIDS etc.) und Ausschweifung führen. Die Gurus haben vorgelebt, dass ein Mensch sich nicht blind dem Sexualtrieb ausliefern muss, sondern diesen positiv in bedingungslose Liebe für alle Mitmenschen umwandeln kann. Dies ist allerdings eine große Herausforderung, die nur von wenigen Menschen gemeistert wird.
Es ist die Frage aufgekommen, ob eine Frau, die ihre Tage hat, beten darf. Natürlich kann sie beten und auch alle anderen Dinge tun, die sie sonst auch tut. Kein Mensch ist aufgrund von biologischen Prozessen zu irgendeiner bestimmten Zeit unrein. Solche Fragen zeigen, dass leider noch viele Menschen an von Männern geschaffenen Regeln, die zur Kontrolle der Frau und ihres Körpers dienen, glauben. Ein Sikh, der nach dem Guru Granth Sahib lebt, ist bestrebt, sich von sozialen Zwängen (oft als Tradition bezeichnet) und Aberglauben loszusagen und als aufgeklärter Mensch ein gotterfülltes Leben in Harmonie mit der Schöpfung zu führen.
Wo finde ich einen schönen Text zum Thema Aufklärung in Panjabi? Zwei wundervolle Texte zu diesem wichtigen Thema gibt es hier.
Ist ein goldener Armreif besser als ein schlichter aus Eisen oder Stahl? In der Sikhi geht es um ein schlichtes Leben bei dem Inneres und Äußeres eine stimmige Einheit bilden (GGS, S. 919, M. 3). Durch äußere Veränderungen allein wird man im Inneren kein besserer Mensch. Durch ein vermeintlich reiches Äußeres wird man im Herzen nicht reich. Das Einzige, was man damit erreichen kann, ist soziale Wertschätzung von solchen Menschen, für die Äußerlichkeiten wie goldene Utensilien ein Zeichen von Reichtum sind. Wann immer wir etwas tragen, sollten wir uns fragen, warum wir das tun und für wen. Mache ich mich schön für meinen Lebenspartner oder um die Blicke anderer Menschen auf mich zu ziehen? Entsprechend der Sikh-Tradition ist ein schlichter Eisenarmreif oder Stahlarmreif Teil des Erscheinungsbildes eines (getauften) Sikhs. Der schlichte Armreif ist kein Schmuck. Dieser soll dem Sikh eine gemeinschaftliche und nicht persönliche Note verleihen. Daher tragen fast alle Sikhs weltweit einen schlichten Armreif.
Was muss bei Sikh-Patienten im Krankenhaus beachtet werden? Für Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger gilt zunächst ganz allgemein, immer höflich nach den individuellen Bedürfnissen nachzufragen. Ein stereotypisches Vorgehen ist unangebracht. Handelt es sich bei den Patienten um Sikhs, die im Panjab aufgewachsen sind, bevorzugen Frauen sehr wahrscheinlich weibliches und Männer männliches Personal. Bei Sprachbarrieren sollte immer eine Person hinzugezogen werden, die übersetzen kann.
HYGIENE Viele Sikhs waschen sich bevorzugt unter fließendem Wasser und ziehen daher eine Dusche einem Bad vor. Nach der Toilette waschen sie sich mit Wasser, anstatt nur Toilettenpapier zu benutzen. Vor dem Essen legen Sikhs Wert auf gewaschene Hände. In ihrer Gegenwart sollte nicht geraucht oder exzessiv Alkohol konsumiert werden.
ERNÄHRUNG Sikhs sind zum Teil Vegetarier. Dies bedeutet, sie meiden in diesem Fall alle Fleisch- und Fischsorten. Geschächtetes Fleisch wird von Sikhs grundsätzlich gemieden. Manche Sikhs essen auch keine Eier. Daher ist im Einzelfall nachzufragen, welche Ernährung bevorzugt wird. Sikhs bevorzugen generell Speisen, die in ihrem eigenen Hause frisch zubereitet wurden.
Im Gurdwara wird nach dem Abschlussgebet immer eine besonders zubereitete Süßigkeit verteilt, Parschad. Es kann vorkommen, dass ein wenig davon einer Patientin oder einem Patienten von Angehörigen mitgebracht wird. Es kann aus ganzheitlicher Sicht nicht schaden, wenn Patientinnen oder Patienten mit einer besonderen Diät, etwas vom dem Parschad kosten dürfen, sofern keine zwingenden medizinischen Gründe dagegen sprechen.
RELIGIÖSE PRAXIS Grundsätzlich ist es für Sikhs wichtig, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihre Religion auch im Krankenhaus bestmöglich ausüben zu können. Sikhs beten in der Regel am Morgen und am Abend. Hierzu verwenden Sikhs ein Gebetsbuch - Gutka genannt -, wenn sie die Verse nicht auswendig können. Heutzutage hören sich aber Sikhs auch oft die Gebete mit einem Mp3-Player an. Vor den Gebeten waschen sie sich die Hände und oft auch die Füße und Spülen sich den Mund mit Wasser. Bettlägerige Patientinnen oder Patienten sollten dazu mit einer kleinen Waschschüssel versorgt werden. Die fünf K’s sind für einen getauften Sikh bedeutsam. Ein getaufter Sikh wird nur bei gegebener Notwendigkeit Kirpan, Kangha oder Kaschära ablegen. Die Haare aus medizinischen Gründen abzuschneiden, fällt einem Sikh sehr schwer fallen. Dies sollte daher nur bei lebenswichtigen Maßnahmen erfolgen. Eine ausführliche Beratung über die medizinischen Hintergründe ist ratsam. Karra und Kirpan können für Röntgenuntersuchungen abgelegt werden. Bei kleineren Untersuchungen können sie mit Pflaster zur Seite geheftet werden.
GEBURT UND NAMENSGEBUNG Die Geburt eines Babys ist ein sehr freudiges Ereignis für Sikhs. Angehörige werden die Mutter regelmäßig besuchen und ihr Essen mitbringen. Dabei werden oft auch Süßigkeiten verteilt. Das neugeborene Kind bekommt seinen Namen traditionell im Gurdwara, wenn es der Mutter wieder so gut geht, dass sie dort hingehen kann.
STERBEBEGLEITUNG Sikhs versuchen bestmöglich, den Tod als einen natürlichen Schritt anzunehmen. Ein schwer kranker Sikh, der selbst nicht mehr in der Lage ist, Gebete zu rezitieren, wird sicher gerne Verse des Guru Granth Sahib anhören wollen. Sollte es keine Verwandten und Freunde geben, die dies tun können, ist es hilfreich, Kirtan oder Gebetserläuterungen von CD abzuspielen. Man findet kostenfreie Rezitationen im Internet (siehe Kirtan oder auch PanjabRadio, dort wird jeweils morgens und abends eine religiöse Sendung ausgestrahlt). Ansonsten kann man auch versuchen, aus dem nächsten Gurdwara Aufnahmen zu besorgen.
Sikhs haben nichts dagegen, wenn Nicht-Sikhs den leblosen Körper respektvoll berühren. Die Versorgung des Leichnams kann vom Pflegepersonal wie üblich durchgeführt werden. Die fünf K’s von getauften Sikhs sollten nicht entfernt und weder das Haar geschnitten noch der Turban abgenommen werden. Der Körper sollte möglichst gewaschen und mit weißer Kleidung bedeckt werden. Gegenüber einer Obduktion mag es persönliche Vorbehalte geben, aus religiöser Sicht gibt es keine Einwände. Auch ist nichts gegen eine Organspende einzuwenden. Angehörige haben möglicherweise den Wunsch, eine Verabschiedungsfeier halten, bei der auch Gebete rezitiert werden. Oft wird das Nachgebet Sohila rezitiert.
BESTATTUNG Sikhs werden grundsätzlich eingeäschert, wenn dies möglich ist. Dabei sind eigentlich keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Angehörige, Freundinnen, Freunde und Kollegen kommen in der Regel zusammen, um Verse aus dem Guru Granth Sahib zu rezitieren. Dies ist wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit. Anschließend gehen Sikh-Familien üblicherweise in den nächsten Gurdwara.
Eine Publikation der Evangelischen Kirche Rheinland ist zu dem Thema erhältlich: “Die wichtigsten Religionen und Weltanschauungen. Ein Leitfaden für Mitarbeitende in Krankenhaus, Einrichtungen der Altenhilfe und Hospiz.” Ausführliche Informationen zum Umgang mit dem Tod aus Sicht der Sikhi sind im dem Artikel “Der Tod - Ein Mysterium” zusammen gestellt.
Was ist bei einem neuen Sikh-Kind im Kindergarten zu beachten? Eigentlich ist es am besten, wenn man das Kind nicht in eine Sonderposition bringt, sondern versucht es genauso wie all die anderen Kinder zu behandeln. Wichtig wäre, zunächst ein Gespräch mit den Eltern zu führen hinsichtlich Essgewohnheiten (manche Sikhs sind Vegetarier), Sprachkenntnisse und andere familiäre Lebensgewohnheiten. Bei Gelegenheit sollte den anderen Gruppenkindern erklärt werden, was sich bei Sikh-Jungen unter de m Patka verbirgt, um so die Kinder darüber zu informieren, dass es nur lange Haare sind. Meistens geben sich Kinder mit einfachen und ehrlichen Erklärungen zufrieden. Was sich bewährt hat ist als Sikh zu sagen: “Ich schneide meine Haare nicht und bedecke sie so wie meine Beine mit einer Hose und meinen Oberkörper mit einem T-Shirt. Ich finde es schön, einen Patka/Turban/Dutt zu tragen; das ist was ganz normales für mich”. Manchmal passiert es, dass Sikh-Kinder von gruppenfremden Kindern gehänselt werden. In erster Linie dient der Umgang der Erzieherin mit dem Sikh-Kind für die anderen Kinder als Leitbild (Respekt für das Kind und seine Lebensgewohnheiten, aber keine Sonderbehandlung). Es ist wichtig, die Kindergartenkinder und wenn möglich auch deren Eltern Grundkenntnisse über Sikhi zu vermitteln. Dies kann für einen harmonischen Umgang in der Gruppe nützlich sein. Natürlich hängt es auch von dem Verhalten des Kindes selbst ab, wie es von den anderen Kindern aufgenommen wird. Erfahrungsgemäß integrieren sich Sikh-Kinder von sich aus recht schnell in Gruppen. Eine andere Möglichkeit ist, potentielle Konflikte zu besprechen oder in kleinen Rollenspielen bewusst zu machen. Dies gilt für beide Seiten. Dabei stellt sich die Frage: “Was finde ich bei dem anderen komisch?” bzw. “Wieso finden die anderen mich anders!” Das Buch von Erik Carle “Irgendwie anders” ist in diesem Zusammenhang empfehlenswert. Folgende Seiten bieten einiges für und über Kinder:
Sunny - Ein Animations-Film über einen Sikh-Jungen, www.theproudsikh.com
Kurze Videos über Sikh-Schüler in den USA, www.sikhnextdoor.org/video.html
Auf folgenden Seiten sieht man, wie man einen Turban bindet (man sieht auch die offenen Haare): www.sikhwomen.com/turban/index.htm, www.sikhwomen.com/turban/how.htm Video: www.sikhwomen.com/turban/videos/HowToTieATurban_Medium.wmv (4 MB)
Sind Sikhs nun Vegetarier oder nicht? Diese Frage ist nicht klar zu beantworten, weil es im Ermessen des einzelnen Sikhs liegt, darüber zu entscheiden. Guru Nanak schreibt im Guru Granth Sahib auf Seite 1289, dass diejenigen, die darüber streiten, was man essen soll oder nicht, Tore sind. Die Weisheit des Guru Granth Sahib lehrt, sich selbst, also auch den Körper, ganzheitlich zu respektieren. Dem Tempel Gottes - dem Körper - sollen nur solche Dinge zugeführt werden, die förderlich sind. Die Gurus meinen, dass in Bezug auf Nahrung zu sehr über Äußerliches gestritten wird. Eine innere stimmige Einstellung dem Leben gegenüber ist viel wichtiger, so ihre Auffassung. Guru Nanak kritisiert, dass Vegetarier (er bezieht sich exemplarisch auf Brahmanen, die strenge und ausgefeilte Regeln darüber aufstellen, was essbar ist und was nicht) oft denken, sie seien dadurch bessere Menschen (GGS, S. 472, M. 1). Doch was einen Menschen ausmacht, sind göttliche Gedanken und Taten. Der Guru plädiert daher auch beim Essen für ein reflektiertes und in sich stimmiges Vorgehen. Ein Beispiel: Wenn man als Raucher kein Fleisch ist und dies damit begründet, dass Fleisch der Gesundheit abträglich ist, dann ist dies aus Sicht der Gurus keine wahrhaftige Haltung. Guru Nanak sagt, dass jegliche Art von Nahrung bzw. Genussmittel, die den Körper oder den Geist beeinträchtigen, zu meiden sind (GGS, S. 16, M. 1). Die Weisheit des Körpers sollte respektiert werden. Das bedeutet, dass nur das zugeführt wird, was der Körper wirklich braucht. In anderen Worten: Der Mensch soll essen wenn sie hungrig ist, schlafen wenn sie müde ist und eben nicht essen bzw. schlafen wenn der Geist Lust dazu hat. Entsprechend dieser Haltung ist der übermäßige Konsum von Schokolade ebenso schädlich wie zuviel Alkohol. Dem Guru Granth Sahib geht es um eine reflektierte geistige Einstellung dem Essen gegenüber.
Aus biologischer Sicht stellt sich folgende Frage: Wenn man nicht eindeutig unterscheiden kann, was aus Fleisch und was pflanzlich ist, wie sollen man da dies oder jenes als vermeintlich sündhaft deklarieren? Und wo doch die Schöpferin in allen Lebewesen (Tiere und Pflanzen) gleichsam weilt, welche Ernährungsweise ist da zu rechtfertigen und welche nicht? Aus wissenschaftlicher Sicht ist es heute ein leichtes zu zeigen, dass es Lebensarten (zum Beispiel Euglena) gibt, bei denen es unmöglich ist, eine klare Unterscheidung zwischen Tier und Pflanze zu treffen. Als was soll man zum Beispiel eine “Pflanze” bezeichnen, die Photosynthese betreibt, sich aber von Insekten ernährt, die sich in ihren Blüten verfangen? Und wie steht es mit Menschen, die in solchen Gebieten der Erde leben, in denen man ausschließlich auf Fischfang angewiesen ist? Sind denn diese nun ‘schlechte’ Menschen, weil diese Fisch verzehren (müssen)?
Explizit steht in der Sikh Rahit Maryada (Verhaltenskodex) nur, dass es einem Sikh verboten ist, geschächtetes Fleisch (hier wird dem Tier die Halsschlagader durchtrennt und anschließend gewartet, bis das gesamte Blut aus dem Tier herausgeströmt ist) zu verzehren. Der Hintergrund ist der, dass das Tier bei dieser Prozedur unnötig lange leidet. Darüber hinaus gibt es keine Einschränkungen. Fakt ist, dass einige Sikhs Fleisch essen, andere nicht. In Gurdwara war es dagegen schon immer üblich, nur vegetarisches Essen anzubieten. Der Grund ist einleuchtend: Niemand muss sich erst erkundigen, ob ein vegetarisches Mahl zubereitet wurde oder nicht. Jeder kann sorglos teilhaben.
Es ist anzunehmen, dass zum Beispiel Guru Gobind Singh Fleisch zu sich genommen hat. Er war der überlieferten Tradition zufolge, wie bereits andere Gurus vor ihm, ein passionierter Jäger und auch in kriegerischen Auseinandersetzungen wohl auf Fleisch als Nahrungsmittel angewiesen. Das historische Dokument Amarnamah (datiert 7.10.1708) beschreibt nicht nur, wie der zehnte Guru explizit anordnet, ausschließlich den Guru Granth Sahib als Guru anzusehen, sondern schildert auch, wie der Guru treue Sikhs bittet, Ziegen zu schlachten und das Fleisch unter den anwesenden Armen zu verteilen. Wenn das Dokument annähernd das beschreibt, was damals tatsächlich passiert ist, dann stellt sich die Frage: Würde ein Vegetarier solch eine Anweisung geben?
Aus Sicht des Guru Granth Sahib ist daher folgende Sichtweise am Überzeugendsten: Solange es genügend andere Dinge zu essen gibt, ist es unnötig, Lebewesen wie Ziegen, Schweine und Rinder zu töten, um sich zu ernähren. Und da wir in den materiell hoch entwickelten Ländern mehr als genug zu essen haben, müssen wir nicht noch zusätzlich Tiere töten. Dies meinen wir auch in Hinblick auf Massentierhaltung und genmanipuliertes Futter. Offizielle Statistiken zeigen, dass der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren stark gestiegen ist. Wurden 1950 noch etwa 26 kg Fleisch pro Kopf verzehrt, sind es 2004 in Deutschland über 60 kg (Quelle: DFV 2005). Würden die Menschen in den reichen Ländern nur etwas weniger Fleisch essen, könnten “untierische” Verhältnisse wie Massentierhaltung verringert, wenn nicht sogar beseitigt werden. Auch könnten durch einen maßvolleren Fleischverzehr einige gesundheitliche Fehlentwicklungen vermieden werden. Letzt endlich muss jeder Mensch für sich, entsprechend der Stimme des Körpers, entscheiden, was gegessen werden soll und was nicht.
Wie sollten Bücher über die Sikh-Religion in Bibliotheken eingruppiert werden? Ein Buch welches das Thema Sikh-Religion oder Sikh-Geschichte behandelt, sollte in Bibliotheken und im Fachhandel korrekterweise unter "Weltreligionen" abgelegt werden. Die Sachgruppe sollte “Sikh-Religion (Sikhi)” lauten. Die Sikh-Religion (Sikhi lautet das Wort im Original) ist eine anerkannte Weltreligion mit mehr als 20 Millionen Anhängern weltweit. Nach dem Christentum, Islam, Hinduismus und dem Buddhismus, zählt sie zur fünft größten organisierten Religion der Welt. Leider werden Werke der Sikh-Religion oftmals falsch eingeordnet, da deren Inhalte und Ursprung nicht ausreichend bekannt sind. So findet man wahlweise Bücher über Sikhs unter Religion, Volksreligion, Spiritualität, Hinduismus, Islam usw.
Warum heißen manche Hindus auch Singh? Einige Hindus, darunter die Rajputen, die sich als Nachfahren des Kriegeradels der Kashatriyas sehen, heißen mit Nachnamen Singh oder Sen (mit Nasal). So zum Beispiel der indische Außenminister Natwal “Singh”. Bei der Transkription ins Englische wird in der Regel dieselbe Schreibweise wie Singh verwendet, auch wenn die Aussprache in der Originalsprache wohl eher Sen ist. Guru Gobind Singh hat den Namen Singh gewählt um auszudrücken, dass jeder Mensch das Recht auf ein würdevolles Leben hat und nicht nur eine bestimmte ‘gehobene’ gesellschaftliche Klasse.
Woher stammen die Verse, die vor und nach der Ardas gesungen werden? Vor der Ardas werden traditionsgemäß folgende Verse aus dem Sukhmani von Guru Arjan gesungen: “Tu thakur tum pae Ardas. Jio pind sabh teri ras. Tum mat pita ham bark tere ... Nanak das sada kurbani” (GGS, S. 268, M. 5). Guru Arjan sagt: “Dir mein Schöpfer, gehört mein Gebet. Meine Seele und mein Körper gehören allesamt Dir. Bist unsere Mutter und unser Vater, wir Deine Kinder. ... Nach dem Abschlussgebet wird folgender Vers gemeinsam gesungen: “Agea bhei akal ki tbai chlaeo panth. ... ja ka hirda sudh hai khoj shabad main leh (gesungen wird aber: “jo bhrab ko melbo chai khoj shabad main leh.” Warum, wissen wir nicht). Diese Zeilen befinden sich im Dasam Granth, S. 248, Sri Mukh Wak Patschahi 10. Dann kommt folgender Vers von Bhai Nand Lal: “Raj karega Khalsa ... bachai scharan jo hoe” (Rahitnama Bhai Nand Lal und Giani Gian Singh, Sri Guru Path Parkash, S. 353). In den ersten Versen geht es um die Stellung des GGS. Dieser ist demnach der alleinige Guru der Sikhs. Der zweite Vers besingt die glorreiche Stellung des Khalsa. Manche singen dann noch “Waheguru naam jahaz hai ...”. Woher dieser Vers stammt, wissen wir leider nicht. Unklar bleibt, warum Verse gesungen werden, die nicht aus dem Guru Granth Sahib stammen.
Behörden akzeptieren Nachnamen Singh bzw. Kaur nicht. Was kann man tun? Sat sri akal! Liebes Sikh-Forum Team! Ich bitte euch um eure Mithilfe! Im Februar werde ich nicht nur einer indischen Hochzeit beiwohnen sondern auch selbst einen Sikh heiraten. Ich möchte gerne den Namen meines zukünftigen Mannes "Singh" annehmen, da machen die deutschen Behörden leider nicht so ganz mit. Kennt ihr euch mit der Problematik Namensführung "Singh" aus? Kennt ihr vielleicht Leute, die in jüngerer Zeit gegen die Behörden durchgekommen sind oder versucht haben durchzukommen? Also bei mir hat das Standesamt folgendes geschrieben: "Die gewünschte Namensführung "Singh" ist derzeit nicht möglich, da Singh als Namenszusatz und nicht als Name anzusehen ist." Können wir (Singhs aus Deutschland) nicht irgendwie zusammen gegen diese Bestimmung angehen? Mit freundlichen Grüßen Mirja
Den Behörden sollte nachstehendes mitgeteilt werden: Der letzte Guru der Sikhs, Guru Gobind Singh, hat verkündet, dass JEDER Sikh einen gemeinsamen Nachnamen haben sollte: Frauen Kaur und Männer Singh. Dies ist für einen Sikh kein Namenszusatz, sondern der Familienname. Denn alle Sikhs sind Teil einer religiösen Familie. Guru Gobind Rai selbst, der letzte menschliche Guru, hat sich nach seiner Taufe ausschließlich Guru Gobind Singh genannt. Seine Söhne hießen ebenfalls nur Singh mit Nachnamen, seine Frau Kaur. Somit ist ersichtlich, dass dies für den Guru kein fakultativer Vorgang war, sondern essentieller Bestandteil des Sikh-Seins. Es ist daher indiskutabel für einen gläubigen Sikh, diesen Namen nicht anzunehmen. Der gemeinsame Name drückt die Gleichheit des Menschen aus: Jeder ist nur ein Mensch und stammt von dem einen Gott ab.
Da viele Sikhs in Deutschland keine Schwierigkeiten hatten, den Nachnamen Singh oder Kaur anzunehmen, scheint es im Ermessen der Behörden zu liegen, dies zu akzeptieren bzw. abzuweisen. Eine legale Grundlage für eine Ablehnung können wir daher nicht erkennen. Fakt ist, dass die betreffenden Sikhs zum Teil eine schriftliche Begründung des religiösen Sachverhaltes abgeben mussten. Wenn man unbedingt einen weiteren Nachnamen haben will, kann man einen Zusatz finden, wie etwa der Name der Geburtsstadt der Frau oder des Mannes (Bsp.: Jagbir Kaur Moranwali = die aus dem Dorf Moran). Was aber nicht sein sollte, sind Familiennamen wie etwa Gill, Ghotra, Dhillon, Saini oder Hanspal die auf vermeintliche berufliche und gesellschaftliche Ursprünge (Got) hinweisen.
Worauf wir gerne noch hinweisen möchten: In der Sikh-Tradition ist es nicht üblich, dass Frauen/Mädchen den Namen Singh annehmen. Das hat erst damit begonnen, dass in westlichen Ländern darauf bestanden wurde, dass Mann und Frau denselben Nachnamen tragen. Dies passt aber vom religiösen Sinn her nicht. Ansonsten hätte Guru Gobind Singh sicher einen einzigen Nachnamen für Mann und Frau gewählt. Von daher würden wir plädieren, dass eine Frau den Nachnamen Kaur annimmt. Da es in Deutschland kein Problem ist, dass Mann und Frau unterschiedliche Nachnamen haben, sollte dies keine zusätzlichen Probleme machen. Es ist in Deutschland möglich, den Nachnamen offiziell ändern zu lassen. Dafür muss man ein Schreiben aufsetzen und begründen, warum man seinen Nachnamen ändern möchte. Religiöse Gründe werden von den Behörden akzeptiert. Mit dem Schreiben muss man dann persönlich im Rathaus/Bürgeramt vorstellig werden. Am besten erkundigt man sich vor Ort, welche Stelle genau zuständig ist. Es sei angemerkt, dass eine Namensänderung Geld kostet. Die Gebühr variiert von Ort zu Ort (es kann bis zu einige hundert Euro kosten). Falls die Behörden den Sikh Namen nicht anerkennen, sollte man nicht so einfach aufgeben. Es haben, wie oben erwähnt, viele Sikhs erfolgreich ihren Namen ändern lassen. Von daher gibt es einige Präzedenzfälle. Wenn gar nichts geht, kann man sich alternativ auch darauf einigen, dass Kaur und Singh Vornamenszusätze bleiben und ein gemeinsamer Nachnahme gefunden wird (wie oben erwähnt, der Geburtsort etwa). Eine neue schöne Variante wäre ein gemeinsamer Nachname mit einem Wort aus dem Guru Granth Sahib. So könnte eine Sikh Pritam Kaur Amrit heißen.
Hinweis: Die hier aufgeführte Antwort darf gerne Behörden als Erklärung vorgelegt werden.
Gibt es Gebetsstätten (Gurdwara) von Sikhs in Deutschland? In vielen großen Städten in Deutschland gibt es Gebetsstätten von Sikhs. Meistens sind sie nicht direkt als solche zu erkennen, weil bestehende Räumlichkeiten angemietet oder gekauft wurden. Es gibt noch keine selbst gebauten Gurdwara mit spezifischer Architektur in Deutschland. Einen Gurdwara erkennt man an dem sogenannten Nishan Sahib, einer gelben Flagge (wie bei einer Sonnenblume) mit dem Symbol des Khalsa - dem Khanda Kirpan - darauf (ein doppelschneidiges Schwert, ein Kreis und zwei Schwerter).
Welche Bedeutung hat das Symbol mit dem Kreis und den Schwertern? Das Symbol Khanda Kirpan ist im Verlaufe der Verteidigungskriege der Sikhs, insbesondere seit Bestehen der Khalsa-Bruderschaft, populär geworden. Die Ursprünge gehen wohl auf den sechsten Guru Hargobind zurück, der die Flagge nach Errichtung des Akal Takhat 1606 hisste. Sie wurde Akal dhuja (unsterbliche Flagge) oder Satguru ka nishan (Flagge der göttlichen Weisheit) genannt.
Jedes Element stellt eine Waffe dar, die im Kampf zum Einsatz kam. Das doppelschneidige Schwert Khanda galt als Markenzeichen des Khalsa. Es steht unter anderem für die Einzigartigkeit und Einheit der Schöpfung. Der Kreis, genannt Chakar, symbolisiert die Unendlichkeit allen Seins. Er diente als Schutz gegen Schwerthiebe und wurde über den Turban getragen. Der aus Eisen bestehende Kreis konnte aber auch als Wurfgeschoss eingesetzt werden. Die zwei Krummschwerter Kirpan (von Kirpa, Gnade) kamen zum Teil parallel zum Kampfeinsatz. Und zwar jeweils eines pro Hand. Nur besonders geschulte Kämpfer, vor allem Nihang, waren und sind mit dieser Technik, die auch in der Kampfkunst Gatka Verwendung findet, vertraut. Die zwei Schwerter symbolisieren die Balance von Religiosität und Weltlichkeit. Zudem findet hier der Gedanke Ausdruck, dass Waffen nur als letzes Mittel unter besonderer Verantwortung zum Einsatz kommen. Und zwar zum Wohle des Menschen. So wie beispielsweise ein Skalpell eines Chirurgen.
Das Wort Khanda entstammt dem Gurbani Wort für Schwert Khaddag. Dort wird das Schwert immer symbolisch verwendet, nämlich als Schwert der göttlichen Weisheit “Gian Khaddag”, welches den Egoismus und die Blindheit des Menschen wegfegt (GGS, S. 235, M. 4; GGS, S. 1414, M. 3). Daher bezieht sich der Khanda oder auch der kleine Dolch, den getaufte Sikhs tragen, primär nicht auf weltliche Dinge wie Verteidigungskämpfe, sondern auf den inneren Kampf mit den eigenen Niederungen. Und dies ist eine Angelegenheit auf Messers Schneide, wie Bhai Gurdas beschreibt: “Gursikhi baareek hai khandae dhaar galee ath bheerree” (Vaaran, S. 11). Das doppelschneidige Schwert symbolisiert dies eindrücklich. Sikh-Sein bedeutet gerade, die Balance zu halten; weltlich zu sein und gleichzeitig religiös zu sein; heldenhaft zu sein, gleichzeitig demütig zu sein; hart zu sein, gleichzeitig nachgiebig zu sein - wie etwa ein Bambus. Das Symbol Khanda Kirpan erinnert an diese tägliche Herausforderung.
Gibt es eine deutsche Übersetzung des Guru Granth Sahib? Es liegt inzwischen eine erste komplette Übersetzung des Guru Granth Sahib (GGS) in deutscher Sprache vor, die in Kanada von Dr. Jarnail Singh nach seiner Pensionierung erarbeitet wurde. Hierfür gebührt ihm grundsätzlich Respekt. Die Übersetzung folgt einer wörtlichen Übersetzungstradition. Die Übersetzung weist grobe inhaltliche, sprachliche und grammatikalische Mängel auf. Ein Beispiel:
Die ersten Worte des GGS, die für die Einheit und Unendlichkeit der Schöpfung stehen, werden mit “Der Einzige Purusha (Mensch) übersetzt.” Es ist die Rede von “Engeln”, “apostolischer Sitz” und “Nanak predigte das Evangelium”. Dies hat in keinster Weise etwas mit dem Inhalt des Originals gemein und ist letzlich eine Christianisierung des GGS.
Der Autor, der laut Aussagen von Sikh-Vertretern aus Kanada weder fließend Deutsch noch andere Fremdsprachen spricht, hat für seine Arbeit angeblich Übersetzungsprogramme zur Hilfe genommen. Es verwundert sehr, dass für die Übersetzung einer derart komplexen und poetisch ausgefeilten religiösen Schrift Computerprogramme als Grundlage verwendet worden sein sollen. Der Autor, der den GGS parallel auch ins Französische übersetzt hat, plant nun den GGS auf Spanisch zu übersetzen.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass nur wenige Übersetzungen des GGS vorhanden sind. Auszüge aus dem GGS in ansprechender Qualität finden sich unter www.sikhi.de. Umfangreiche Passagen sind in einigen wenigen Publikationen erhältlich, so zum Beispiel im Buch “Leben aus der Wahrheit - Texte aus der heiligen Schrift der Sikhs” von Monika Thiel-Horstmann, erschienen im Benziger Verlag in Zürich im Jahre 1988. Das Buch ist allerdings vergriffen und kann daher nur an Universitätsbibliotheken ausgeliehen werden.
Diverse englische Übersetzungen wie “Sikhi To The Max” sind vorhanden und können kostenlos heruntergeladen werden. Es ist wichtig zu wissen, dass die existierenden (englischen) Übersetzungen eine hilfreiche Grundlage bilden, aber letztlich nur eine Annäherung an das Original darstellen. Sie enthalten Fehlauslegungen und geben daher nicht immer den Inhalt auf eine angemessene Art und Weise wieder. Erstaunlich ist, dass bei allen Übersetzungen das Mysterium Schöpfer - entgegen dem Original - immer männlich ist.
Wenn der GGS seiner Weisheit und poetischen Schönheit entsprechend übersetzt werden soll, dann muss es sich in jedem Fall um eine direkte Übersetzungen aus den Originalschriften handeln. Eine Übersetzung einer bestehenden Übersetzung kann nur ein inakzeptables Ergebnis bringen. Eine angemessene Übersetzung setzt Teamgeist voraus. So müssten Gelehrte von hohem Charakter, die sich eingehend mit Sikhi beschäftigen gemeinsam mit dichterisch begabten Menschen an eine Übersetzung heran wagen. In jedem Fall ist keine Übersetzung einer Schlechten vorzuziehen.
Gibt es Literatur über die Sikh-Religion in deutscher Sprache? Es ist nur sehr wenig empfehlenswerte Literatur in deutscher Sprache vorhanden. Englische Werke kann man im Internet bestellen oder auch in Universitätsbibliotheken bekommen. Eine etwas größere Auswahl bietet das Südasien-Institut in Heidelberg sowie die Universitäten Tübingen und Berlin. Allerdings basieren nur die wenigsten verfügbaren Publikationen auf den Einsichten des Guru Granth Sahib. Es gibt vom Ernst Klett Verlag eine Indien-Mappe mit Begleit CD-ROM (Videos zu Musik, Tanz, TV und Kirtan) für den Schulunterricht. Es handelt sich um eine “Materialsammlung, die das Interesse an Indien weckt, bestehende Klischees revidiert, Achtung und Respekt vor künstlerischen und technischen Errungenschaften Indiens fördert und Indien bezogene Themen mit der Lebenswelt der Schüler in Verbindung bringt.” Darin findet sich auf den Seiten 125-126 ein kleines Kapitel von Khushwant Singh über die Sikh-Religion. Die Mappe heißt “Indien - Wege zum besseren Verstehen” und kann über den Ernst Klett Verlag online bestellt werden (Bestellnummer 978-3-623-20400-0 bzw. 3-623-20400-5). Vom Stark Verlag gibt es Material für den Englischunterricht: “Unterrichts-Konzepte Englisch - Literatur; Ergänzung 17 der Loseblattsammlung KE71-17.” Hier werden anhand des Films “Bend it like Beckham” Einblicke in die Lebenswelt der Inder in Großbritannien gewährt. Es gibt darunter spezielle Module zum Thema Sikhs.
Wie kann ich ein Sikh werden? Jeder Mensch kann ein Sikh werden. Da Sikh-Sein eine grundlegende Lebenshaltung ist und keine formelle Zugehörigkeit, wird in der Sikhi kein Wert auf eine rituelle Zeremonie gelegt. Ein Mensch wird dann ein Sikh, wenn er die innere Haltung dazu angenommen hat. Man ist kein Sikh, nur weil man in eine Sikh-Familie hinein geboren wurde. Man mag vielleicht die Symbole eines Sikhs tragen, weil es die Eltern wollen oder weil man es so internalisiert hat, dass es zur Gewohnheit wird. Die Gurus betonen immer wieder, dass man ein Sikh nur durch eine bewusste geistige Entwicklung und aktive Lebenshaltung wird: Sikhi sikhea gur wichar (GGS, S. 465, M. 1).
Wenn frau intensiv daran denkt, eine Sikh zu werden, sollte sie sich sehr bewusst Gedanken über die praktischen und sozialen Konsequenzen machen. Wichtig ist, dass so ein Schritt in Ruhe begangen wird. Es sollte nichts überstürzt werden und man sollte es schon gar nicht für jemand anders tun (zum Beispiel, um jemanden heiraten zu können oder ähnliches). Die innere Einstellung ist das Wichtigste. Dann versteht man von selbst, warum ein Sikh bestimmte äußere Dinge als ebenso wichtig erachtet. Am wichtigsten ist, bestmöglich zu versuchen, die Lebensweise eines Sikhs im Alltag zu leben. Hierzu zählt vor allem: Das Leben der Tugenden des Schöpfers. Aus sozialer Sicht ist der ehrliche Verdienst des Lebensunterhalts wichtig, sowie die Abgabe für wohltätige Zwecke bzw. der persönliche Einsatz für gemeinnützige Aktivitäten. Sehr wichtig sind die Rezitation und vor allem das Verstehen der Verse des GGS. Dafür ist langfristig das Erlernen des Panjabi/Gurmukhi sinnvoll; die Zuhilfenahme von Übersetzungen ist hilfreich, birgt aber auch einige Gefahren. Als Sikh sollte man zu einer Haltung kommen, bei der man keinen Drang (mehr) hat, Dinge zu konsumieren, die den Geist und Körper schädigen. Hierzu zählen zum Beispiel Drogen (also auch Alkohol), Tabak und Zigaretten. Traditionell wird geschächtetes Fleisch gemieden, um zu vermeiden, dass Tiere unnötig leiden. Wichtig ist, dass all dies nicht als Zwang erlebt wird. Eine Sikh kommt durch Einsicht und geistige Entwicklung zu dem Punkt, wo sie sagt: “Ich MÖCHTE mich geistig entwickeln, meine Haare nicht mehr schneiden und auch keine Drogen konsumieren.” Die Einhaltung von Geboten und äußeren Dingen ohne innere Überzeugung ist das Gegenteil von Sikh-Sein.
Wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum die oben beschriebene Lebensweise mit allen sozialen Konsequenzen (was sagen Familie und Freunde dazu!) gelebt hat, kannst er oder sie sich taufen lassen, sofern dieser Wunsch besteht. Taufen werden in Deutschland unregelmäßig in verschiedenen Gurdwara durchgeführt. Es ist von Vorteil, wenn man die Leute kennt, die einen taufen. Sie sollten über einen edlen Charakter und eine aufrichtige Lebensweise verfügen. Folgendes Buch ist vielleicht ganz nützlich: I. J. Singh 2003. Being and Becoming a Sikh. Toronto: The Centennial Foundation. Das Buch kann man direkt bei der Stiftung bestellen: www.centennialfoundation.org
Wenn ich eine Sikh werde, wie verhält es sich mit feiern, Gebet und den Haaren?  Liebes Sikh-Forum Team! Mein Name ist Franziska und ich bin fast 18 Jahre alt. Eigentlich bin ich katholisch erzogen worden, aber in letzter Zeit habe ich einige Zweifel, dass diese Religion wirklich die ist, an die ich auch glaube. Aus diesem Grund bin ich auf der Suche nach einer Religion, die mich mehr...."zufrieden stellt/befriedigt", das ausdrückt, was ich auch glaube. So bin ich auf eure Seite gekommen. Nun habe ich einige Fragen zu dem Sikhismus und ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr sie mir beantworten könntet:
Beim Sikhismus betet man ja zu Gott. Gibt es eine bestimmt Zeit, wann man das machen muss?
Ich habe gelesen, dass man Gott im Gebet eigentlich nur danken sollte und nichts materielles "wünschen" darf. Darf man trotzdem beim Gebet um Hilfe, geistigen Beistand, Rückhalt beten, wenn es einen erleichtert und allein schon das Gebet einen gewissen Rückhalt gibt (der Rückhalt, da man weiß, dass man nicht alleine ist)?
Muss man als Frau eine Kopfbedeckung tragen?
Darf man, wenn man dem Sikhismus beigetreten ist, weiterhin alle Art von Musik hören und feiern gehen (dabei muss ja nicht getrunken werden)?
Muss eine Frau, die dem Sikhismus angehört auch ihre Haare wachsen lassen? Ist es erlaubt, die Haare zu Färben (oder ähnliches), wenn man sich so besser fühlt?
Ich habe gelesen, dass der Guru Granth Sahib in Gurmukhi bzw. Panjabi verfasst ist. Heißt das, ich muss Panjabi lernen, um ihn verstehen zu können?
In welcher Sprache finden die Treffen im Gurdwara statt? Vielen Dank schon mal im Voraus! MFG Franziska
Antworten:
In der Sikhi geht es nicht um “müssen”, sondern um wollen. Als Sikh betet man, wann immer man will und kann. Für die Sikh-Gemeinschaft gilt das Gebot, möglichst morgens, wenn es noch ruhig und weniger hektisch ist, sowie abends, wenn der Tag am ausklingen ist, zu beten. Dabei geht es vor allem darum, den Alltag hinter sich zu lassen und die Rezitation zu verinnerlichen, damit die Inhalte auf den Alltag übertragen werden können. Wichtig ist auch Kirtan, weil das ein sehr gefühlsbetonter Zugang zu Gebet ist.
Natürlich kann man um Beistand beten. Gebet bedeutet Kommunikation, Austausch, Verbindung und vor allem Ausdruck des Vertrauens in die Schöpfung. Alles, was einem beim Gebet wirklich gut tut ist, sinnvoll. Neben dem Gebet ist die stille Meditation eine wichtige Form der Besinnung. Denn dies ist die einzige Möglichkeit, einmal ganz ruhig in sich zu gehen und zu versuchen, nicht ständig körperlich oder gedanklich weltlichen Dingen nachzugehen.
Es ist Deine freiwillige Entscheidung, ob Du deinen Kopf bedecken möchtest. Wichtig ist zunächst, die Tugenden zu entwickeln, die zu einer Sikh-Frau passen. Das entsprechende Erscheinungsbild wird dann später mehr wie von selbst folgen.
Auf jeden Fall darf frau jede Art von Musik hören. Sikh-Sein bedeutet offen zu sein für alles wahrhaft Schöne dieser Welt. Wichtig ist, dass man Dinge meidet, die den Körper, die Seele und den Geist schädigen (Drogen, Alkohol, Zigaretten, aggressiv machende Musik etc.). Dabei geht es als Sikh immer darum, die innere und äußere Balance zu wahren.
Ob Du deine Haare zukünftig bewahren möchtest, musst Du für Dich entscheiden. Sikhi basiert auf Freiwilligkeit und Einsicht in universelle Weisheiten, wie sie beispielsweise im Guru Granth Sahib (GGS) beschrieben sind. Sikhs versuchen möglichst natürlich zu bleiben. Aber wenn die Natur einmal zu sehr ausschlägt, muss jeder für sich entscheiden, was nun zu tun ist. Sikh-Frauen, die Sikhi mit Liebe leben, schneiden oder färben für gewöhnlich ihr Haar nicht. Es kommt aber durchaus vor, dass sich hingebungsvolle Sikh-Frauen, die einen sehr starken Haarwuchs (im Gesicht) haben, die Haare bleichen. Man kann dies damit vergleichen, wenn man ganz schiefe und hervorstehende Zähne hat. Hier würde ein Sikh auch nicht sagen, dass er oder sie keine Klammer tragen möchte. Wichtig ist also, dass man dem Grundprinzip von Natürlichkeit treu bleibt aber handelt, wenn dies wirklich (medizinisch) notwendig ist. Die heutzutage verbreitete Einstellung, sofort an seinem Körper etwas zu ändern, wie etwa eine Busenvergrößerung, ist aus Sikh-Sicht kritisch zu sehen. Denn dies geschieht vor allem deswegen, weil man vermeintlich so sein will wie die Anderen. Gleichzeitig will jeder individuell sein; dies ist das Paradox der heutigen Zeit. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass die sich die Ideale von Schönheit bzw. Hässlichkeit ständig verändern: von dünn zu mollig, zu behaart, zu enthaart, zu gepierct und immer so weiter. Der verbreitete Gruppenzwang und Vergleichswahn ist schädlich für die Entwicklung des Menschen. Jeder Mensch ist einzigartig und Dank kann der Schöpferin dadurch ausgedrückt werden, diese Einzigartigkeit zu respektieren und mit Freude zu leben. Als Sikh geht es darum, in seiner Natürlichkeit zu ruhen und sich nicht von schnell lebigen Vorstellungen beeinflussen zu lassen.
Es wäre sehr wünschenswert, wenn man Panjabi und die Gurmukhi Schrift beherrscht. Denn es ist nie gut, wenn man sich auf Übersetzungen verlassen muss. Es ist dennoch sehr hilfreich, englische Übersetzungen zu Hilfe zu nehmen - auch wenn diese nicht immer sehr akkurat sind. Leider gibt es nur wenige brauchbare deutsche Übersetzungen.
Die Treffen finden in den Gurdwara fast nur auf Panjabi statt. Es gibt inzwischen aber einen Unterricht auf Deutsch in Frankfurt. Vor allem für die nachkommenden Generationen wird es zunehmend wichtig, sich mit Sikhi im Deutschen zu befassen.
Haben Sikhs ein geistliches Oberhaupt wie den Papst? Die Sikh-Religion betont ein demokratisches Konzept, dass auf einem spirituellem Fundament basiert. Der Lehre nach gibt es keinen Oberhaupt. Der höchste Ratgeber für Sikhs ist die Schrift, also der Inhalt des GGS. Für weltliche Belange sollten vorbildliche Sikhs, die über einen edlen Charakter verfügen, zusammen kommen und im Konsens wichtige Entscheidungen zum Wohle der Menschheit treffen (Sarbatt Khalsa). Institutionen sollten daher auch immer von einer Panchait, also fünf Sikhs geleitet werden. Die Gurus haben immer betont, dass die Basis des Lebens und somit auch für weltliche Entscheidungen göttliche Weisheit und Vertrauen auf Gott sind. Politische (weltliche) Entscheidungen müssen daher dem Ideal nach immer religiöser Inspiration entstammen, um Egoismus und Machtgier Einhalt zu gebieten.
In den letzten Jahrhunderten, vor allem seit dem die Briten als Kolonisatoren den Panjab kontrollierten, ist den Vorstehern (die Briten setzten sogenannte Sarbrah ein, heute dominiert der Begriff Granthi) wichtiger Gurdwara im Panjab immer mehr Macht zuteil geworden. Der Vorsteher des Akal Takhat (bzw. seine Kollegen aus der S.G.P.C. und der Akali Dal), der sogenannte Jathedar, versucht mittlerweile die Rolle eines Papstes einzunehmen. Dabei dominieren immer mehr machtpolitische Inhalte die Tagesordnung, religiöse und gemeinschaftliche Belange werden immer seltener besprochen und wenn, dann basieren sie in der Regel nicht mehr auf den Lehren des GGS. Dies liegt auch daran, dass der Jathedar ausschließlich von Vertretern der S.G.P.C. bestimmt wird. Die letzten Vorsteher waren allesamt in jeglicher Hinsicht komplett ungebildet. Seit einigen Jahren ist es sogar so, dass immer wieder Sikhs vermeintlich ‘exkommuniziert’ werden, die sich kritisch über die Rolle des Akal Takhat oder zweifelhafte religiöse Praktiken, Gebetsauslegungen sowie historische Deutungen äußern. Jüngstes Beispiel dieser Unpraxis, die es zu Zeiten der Gurus nie gegeben hat, ist die ‘Exkommunikation’ von Gurbakhsh Singh Kala Afghana und dem Herausgeber des Spokesman. Es sei daran erinnert, dass es unter den Gurus nie eine ‘unhinterfragbare’ Position des Jathedar (mit heutigen, autoritär erscheinenden Kompetenzen) gegeben hat. Es gab vielmehr Sewadar, also hingebungsvolle Sikhs, die ihren Lebensunterhalt gemäß den Lehren durch tägliche Arbeit verdienten und sich in ihrer freien Zeit um religiöse oder gemeinschaftliche Angelegenheiten kümmerten. Auch hat es zu Zeiten der Gurus keine bezahlten Granthi (Priester) gegeben. Die Gurus kritisieren in zahlreichen Versen religiöse Ämter (die durch Almosen und Spenden finanziert werden), wie sie zum Beispiel Brahmanen ausübten (GGS, S. 471, M. 1).
Sikhs werden wegen ihres Aussehens gehänselt. Was kann man tun? Guten Abend, Darf ein Sikh-Vater seinem Sohn verbieten, sich die Haare schneiden zu lassen? Oder anders gefragt, wie wichtig ist oder kann der Zopf für einen Sikh sein? In dem Fall geht es um zwei Jungen im Alter von 6 und 9 Jahren. Beide wollen ihre Zöpfe loswerden, weil sie für Mädchen gehalten und deswegen ständig gehänselt werden. Den Älteren, ein begeisterter und wohl auch guter Fußballer, stört der Zopf nicht nur im Training oder im Spiel, wenn er einen Kopfball landen will. Beide habe ich auch im Schwimmbad herumtoben sehen und wie sie permanent von anderen Kindern neugierig angesprochen wurden, was eigentlich nicht weiter schlimm ist. Doch wenn alle Blicke auf den einen oder anderen Bruder gerichtet sind, während einer von den beiden sich gerade mal wieder den herunterhängenden Zopf versucht auf den Kopf zu fummeln, dann scheint das ganz gewaltig zu nerven. Der kleinere von den beiden reagiert teilweise aggressiv und greift unvermittelt irgendein Kind an. Für einen guten Rat vielen Dank im Voraus. Mfg. Politycki
Wenn Eltern gläubige Sikhs sind, dann schneiden sie in der Regel ihren Kindern unter keinen Umständen die Haare. Sie werden den Kindern erklären, dass es für einen Sikh sehr wichtig ist, die Haare zu bewahren. Wenn die Kinder erwachsen werden, liegt es an den Kindern zu entscheiden, wie sie zu ihrer Religion und den Symbolen stehen. Sie werden anfangen, religiöse Gebote zu hinterfragen. Im vorliegenden Fall kann zumindest aus einer pragmatischen Sichtweise heraus die Problematik entschärft werden: Eigentlich sind Zöpfe nur etwas für ganz kleine Kinder. So ist es im Panjab durchaus üblich, auch kleinen Jungs Zöpfe zu flechten. Im Panjab würde sich daher keiner wundern, warum ein Junge Zöpfe trägt. Leider scheint der Vater aber sich nicht darüber bewusst zu sein, dass es in Deutschland eher komisch wirkt. Jedenfalls: Zöpfe bei Jungs flechtet man, wenn überhaupt, nur solange, bis die Haare für einen Knoten auf dem Kopf lang genug sind. Die zwei Jungs sind längst in dem Alter. Sie sind sogar schon so groß, dass sie einen Patka binden könnten. Damit kann man alles machen, was andere Kinder auch gerne machen: Schwimmen, Fußball spielen, etc. Vielleicht sollte man mal diesen Vorschlag mit dem Vater der Kinder erörtern. Natürlich sieht auch der Patka für hiesige Verhältnisse fremd aus, aber das wird ein Sikh mit seinem Äußeren immer. Von daher kann es nicht bedeuten, dass ein Sikh seine Symbole aufgibt, weil andere Menschen ihn fremd finden. Dies ist viel mehr ein Problem derer, die ihn fremd finden.
Sind Bilder der Gurus erlaubt? Es gibt keine (erhaltenen) Bilder der Gurus, die zu ihrer Lebzeit angefertigt wurden. Alle Bilder, die erhältlich sind, wurden erst später nach den jeweiligen Vorstellungen verschiedener Künstler, wie zum Beispiel Sobha Singh, angefertigt und haben wohl nur wenig mit dem realen Aussehen der Gurus zu tun. Die populärsten Bilder, die man in Büchern und auf fast allen Webseiten zur Sikh-Religion findet, verwenden Bilder die die Gurus in einem islamischen Gewand zeigen (siehe linkes Bild) oder sie als weltabgewandte Fromme fernab der Zivilisation darstellen (rechtes Bild: Blick nach oben; als wollte man ausdrücken, dass Gott im Himmel weile und nicht in der Schöpfung selbst). Alle existierenden Bilder sagen somit mehr über die Künstler und ihre jeweilige religiöse Orientierung als über das Aussehen der Gurus selbst aus. Auffällig ist, dass auch bei den ältesten vorliegenden Bildern, die vor einigen Jahrhunderten angefertigt wurden, die Gurus immer mit Turban und Bart zu sehen sind.
In Bezug auf Bilder lässt sich aus Sicht der Gurus folgendes sagen: Die Gurus selbst betonten, dass es in der Sikhi um das Leben von Weisheit im Alltag geht. Im Vordergrund steht daher die Verinnerlichung der Inhalte von Sikhi. Da diese schriftlich im dem Werk Guru Granth Sahib festgehalten wurden, spielen die Botschaften der Verse eine zentrale Rolle. Es geht also primär um den Inhalt der Schrift (Shabad, Gurbani, bzw. Bani) und nicht um das Äußere (der Gurus) oder die Gurus selbst: “Das Wort, Bani, ist Guru [göttliche Weisheit] und Guru ist Bani. In der Bani liegt der göttliche Nektar Amrit bereit” (GGS, S. 982, M. 4). Da gerade in Indien Götzenanbetung sehr verbreitet ist, sollte man als Sikh sehr sensibel mit dem Thema Bilder der Gurus umgehen. Leider ist auch unter Sikhs die Anbetung von vermeintlichen Bildern der Gurus existent. Aus Sicht der Gurus scheint es sinnvoll, keine ‘Bilder’ der Gurus in Gebetsstätten anzubringen, um jeglichen Missbrauch von herein zu verhindern. Denn wenn kleine Kinder sehen, wie sich Erwachsene vor Bildern verbeugen oder diese gar berühren, kann sich das auf das Verständnis von Sikhi nachteilig auswirken. In Ordnung ist, wenn Kinder sich Bildergeschichten der Gurus anschauen, da für Kinder Visualität wichtig ist. Hierbei ist wichtig, den Kindern immer zu erklären, wie die Bilder zu verstehen sind und wie nicht.
Wie verhalte ich mich als Besucher im Gurdwara? Jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft darf einen Gurdwara besuchen. Wichtig ist, dass man eine Kopfbedeckung mitbringt (es gibt auch welche im Gurdwara); es sollte aber kein Hut oder eine Kappe sein. Ein Tuch oder Schal reicht völlig aus. Es sollten in keinem Fall Tabak (Zigaretten/Pfeife), Alkohol oder Drogen mit sich geführt werden. Auch ist es nicht angemessen, kurz vorher noch schnell eine zu rauchen oder Alkohol zu trinken, weil man dann (wie jeder weiß) danach riecht. Ansonsten gibt es nicht viel zu beachten. Jeder kann tragen was einem gefällt. Nur zu freizügig oder aufreizend sollte es nicht sein (offenes Hemd, ganz enge oder halbdurchsichtige Hose, Minirock oder großer Ausschnitt), denn schließlich möchte man vom Guru Granth Sahib lernen und nicht die Blicke der Mitmenschen auf sich ziehen. Frauen sitzen heutzutage in vielen Gurdwara auf der einen, Männer auf der anderen Seite. Es gibt allerdings keinen einleuchtenden Grund, warum diese trennende Praxis, die wohl erst in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden ist, aufrecht erhalten werden sollte. Wenn man rein kommt, zieht man sich die Schuhe und die Socken aus. Anschließend wäscht man sich die Hände und wenn möglich auch die Füße. Nach dem Betreten der eigentlichen Halle verbeugt man sich aus Respekt vor dem Guru Granth Sahib und setzt sich dann hin. Ob vorne oder hinten, ist den Besuchern selbst überlassen. Sikhs sitzen zumeist im Schneidersitz, aber dies ist kein Muss. Man sollte so sitzen, dass ein entspanntes Zuhören möglich ist.
Was für Gebete rezitieren Sikhs? Prinzipiell kann jeder Sikh jeden beliebigen Vers aus dem GGS rezitieren. Eine gemeinschaftliche Festlegung gibt es lediglich für das Abend und Morgengebet. Laut der Sikh Rahit Maryada sollte ein getaufter Sikh, wenn möglich, morgens das Jap Ji, das Jaap und Twäparsad Sweye von “Saraawag sudh samuh” bis “Bhedh na paeo” rezitieren und abends So Dar, Rag Asa Mahala 1 (“So dar tera keha” bis “sarn pare ki rakho sarma”, dann Kabeobach Benti Tschopäi von “Hamri karo hath de racha” bis “duscht dokh te leo batchai”, dann Sweiya “Paen gähe jab” bis “sabh tohe bkhaneo” und Dohra “Sagal duar ko” bis “Gobind das tuhar”, die ersten fünf Paurris des Ramkli Mahala 3 - Anand von “Anand bhea” bis “tit ghar anhad waje” einschließlich der letzten Paurri “Anand suno wadbhagio” bis “waje anhand ture”, dann die Mudawni Mahala 5 von “Thal which tin” bis “sabh nanak bhram pasaro”, abschließend den Slok Mahala 5 “Tera kita jato nahin” bis “tan man tiwä harea”) und vor dem Einschlafen Sohila.
Wichtiger als das oft verbreitete ‘runterleiern’ der Gebete um der bloßen Pflicht (und des vermeintlich “schlechten Gewissens”) wegen ist das Verstehen und Verinnerlichen, sprich Leben der Gebete. Hierzu ist es hilfreich, sich jeden Tag einen neuen Vers auszusuchen und zu versuchen, diesen (mit Zuhilfenahme von Übersetzungen und Erläuterungen) zu verstehen und als Anleitung für das eigene Leben zu sehen.
Wo kann man Sachen aus dem Panjab einkaufen? Stoff für Kleider (Salwar Kameeze), Turban sowie fertig geschneiderte Kleider können in Metropolen wie Frankfurt (Kaiserstraße, nähe Bahnhof) und Köln (Neumarkt) in diversen Panjabi Shops eingekauft werden. Dort erhält man auch Gewürze, Videos, CDs und vieles mehr.
Wo kann man Panjabi lernen? Es gibt unserem Wissen nach keinen Panjabi-Sprachkurs in Deutschland. In einigen Gurdwara wird Unterricht an Sonntagen für Kinder angeboten, so zum Beispiel in Frankfurt. Es gibt zwei gute Lehrbücher mit Kassette, aber dafür sind gute Englischkenntnisse erforderlich: Kalra, Surjit Singh; Navtej Kaur Purewal & Sue Tyson-Ward. Teach Yourself Panjabi. Preis: 9 Pfund (etwa 13 €). Eine Begleitkassette mit Sprachübungen ist ebenfalls erhältlich. Bhardwaj, Mangat Rai. 1995. Colloquial Panjabi. A Complete Language Course. London/New York. Preis: $ 39.90 (etwa genau soviel €). Im Internet gibt es verschiedenen Seiten Lerneinheiten.
Spielt die Turbanfarbe eine Rolle? Die Farbe des Turbans (Dastar) hat keine besondere Bedeutung. Jeder Sikh nimmt die Farbe, die ihm oder ihr gefällt. Aus Sicht des GGS sind natürlich alle Farben gleich schön, das sie alle gleichermaßen aus der Schöpfung hervorgegangen sind. Es dominieren allerdings die Farben Blau und Schwarz. Ältere Sikhs tragen oft einen weißen Turban, dies symbolisiert in Südasien Weisheit und Erfahrung. Ein Turban ist in der Regel zwischen vier und sieben Meter lang und einen Meter breit. Es gibt ganz verschiedene Wickeltechniken, die unterschiedlich kunstvoll sind. Hier sehr ihr, wie man einen Turban bindet.
Was oder wer ist die Damadami Taksal? Die Damadami Taksal ist eine religiöse Ausbildungsinstitution in der Nähe von Amritsar im Panjab. Sie bildet Rezitierer und Sänger aus und betont einen eigenständigen Kodex. Die Ursprünge der Institution liegen dem Selbstverständnis nach bei Guru Gobind Singh. Historisch lässt sich das wohl nicht einwandfrei belegen. Jarnail Singh Bhinadranwale ist der berühmteste und einflussreichste Vorsteher in der jüngsten Vergangenheit. Er stand der Damdami Taksal bis 1984 vor. Jarnail Singh wurde 1984 bei der Stürmung des Darbar Sahib getötet. 1988 schaffte es die Institution unter Jasbir Singh, ihren Kodex im Darbar Sahib durchzusetzen. Er gab auch die Anweisung, dass die "Raagmaala", die seit 1936 nur im Darbar Sahib, aber nicht im Akal Takhat rezitiert wurde, auch dort zu inkludieren. Seit Mai 1993 gilt im Darbar Sahib wieder die Sikh Rahit Maryada.
Die seit den 80er enorm populäre Damadami Taksal verliert inzwischen an Ansehen. Die Gründe sind vielfältig. Die Nachfolger Jarnail Singhs leugneten jahrelang seinen Tod und verstrickten sich dabei in unstimmige Spekulationen über seinen angeblichen Verbleib. Die inhaltliche Ausrichtung der Institution hat sich zum Teil von den originären Einsichten der Religionsgründer entfernt. Inzwischen gibt es aufgrund interner Führungsstreitereien mehr als nur eine Damdami Taksal - die Mat Satto Vali Gali Taksal und die Damdami Taksal Bhatinda. Das Verständnis der Mitglieder ist überwiegend mythologisch, dogmatisch und von ritualisierten Gebetspraktiken geprägt und geht von einem wörtlichen Verständnis des GGS aus. Die ausnahmslos männlichen Verantwortlichen der Institution respektieren den gemeinschaftlichen Kodex, die Sikh Rehat Maryada, nicht in allen wichtigen Punkten. So werden nicht die festgelegten Gebete gelehrt; auch bei der Taufe finden sich Abweichungen.
Mitglieder der Damadami Taksal sind überdies Vorreiter in der Abschaffung des einheitlichen Nanakshahi-Kalenders, der 2003 vom Akal Takhat als verbindlich eingesetzt wurde. Der Nanakshahi-Kalender schrieb alle wichtigen Feiertage der Sikhs einheitlich fest und bot damit erstmals die Möglichkeit, diese weltweit gemeinsam zu feiern und sich die Tage leicht zu merken. Vertreter der politisch immer noch gut vernetzten Damadami Taksal sowie einflussreiche selbsternannte ‘Heilige’ (Sant Samaj, Sant/Babe) haben jedoch nie den neuen Kalender akzeptiert. Sie hielten an dem alten Kalender fest, der jedes Jahr basierend auf den Planetenkonstellationen neu erstellt wurde. Inzwischen haben sie trotz heftigen Widerstandes von weiten Teilen der Sikhs in Indien und in der Diaspora erfolgreich den alten Kalender durch einen unabgestimmten Erlass durch den Vorsteher des Akal Takhat wiedereinführen lassen. Die Vorgänge zeigen zum wiederholten Male, dass das ursprüngliche Wesen und die gemeinschaftlichen Ideale der Sikhi im religiösen Zentrum Amritsar vollständig über Bord geworfen wurden.
Die Ausbildung in der Damadami Taksal, die offensichtlich nur Männern offen steht, ist rein religiös angelegt. Eine fundierte schulische Ausbildung wird von der Institution nicht gefördert. Dies ist daran zu erkennen, dass die Absolventen überwiegend über eine schlechte schulische Allgemeinbildung verfügen. In der Regel sprechen sie kein Englisch, sehen in der Wissenschaft eine Bedrohung und lehnen Kleider, die nicht dem Standard der Institution entsprechen, ab. Die Anhänger der Institution, sie werden Taksali genannt, tragen luftige Gewänder. Das Training ist vor allem darauf angelegt, die Schüler als Rezitierer und Interpretierer in Gurdwara zu qualifizieren. Viele Absolventen arbeiten später gegen Bezahlung als Granthi.
Der weltweite Einsatz der Absolventen als Granthi ist ein Grund für den inzwischen ritualisierten Charakter der Gurdwara und die mythologisch dominierten Interpretationen des GGS, die einen Bezug zum universellen Kern der Verse und zum heutigen Lebensalltag vermissen lassen. Hinweise auf Widersprüche zu den Einsichten des GGS und der Lebensweise der zehn Meister seitens Sikhs in Sikh-Foren oder unabhängiger Gelehrter werden allerdings als ‘blasphemisch’ verurteilt. Eine offene Diskussion basierend auf den Einsichten des GGS und auf glaubwürdigen historischen Quellen wird dadurch weitestgehend verhindert. Hier ein Beispiel aus dem Forum www.sikhsangat.com, welches verdeutlicht, wie mit freien Meinungsäußerungen umgegangen wird:
_Akaal108_: baba vir singh the great bhramgyani wrote from that dastar thread: “Vir Singh: First of all, Guru Gobind Singh Jee only started one Jatha, Sampradah or group and that is the Khalsa. Over time that one group split up into many groups, but none the less Dasam Pasha only created one group. Secondly Guru Gobind Singh did not start Damdami Taksal jee as people like to promote.” ...
Vir Singh: .. Jyot Vigasi Sant, Sri Baba N30 Singh Jee 108… Baba Deep Singh Jee was not the spiritual head of the present day Damdami Taksal. He had set up his missionary center at Gurdwara Damdama Sahib in Bathinda. But Baba Deep Singh Jee and Baba Gurbaksh Singh Jee were the last Jathadars of their Damdami Taksal sect, which was killed off to the last man defending Sri Harimandir Sahib. They left no successors, but after their Shaheedi many sects arose all claiming to be the spiritual descendents of Baba Deep Singh Jee’s Taksal. Damdami Taksal of Mehta is one such Taksal claiming this descent.
NavjotSingh: who did u get this info from :T:
Vir Singh: Through research, and some books. You see, I myself also use to beleive that the present day Damdami Taksal was started by Guru Jee. But after researching, I have changed my view abou the origins of the Taksal of Mehta. ...
_Akaal108_: “Vir Singh: N30 Singh, still waiting..... I dont like to breath down anyones neck, but you are the one who keeps on bringing in this topic up. Lets debate this. This time please reply using facts and logic without any sarcasm and insults.”
Vir singh, Since i m not a offical representative of damdami takshal. I would chose not to pursue any debate on you regarding that matter. However i did you an favor. I posted your request on http://www.gursikhij...um/list.ppa?f=1. Just waitin for their reply. I am sure they will clear up all the curiousity you have in civlized manner.
Vir Singh: N30 Singh, I have read the reply you have received from the gursikhijeevan.com site. I got one reply from a Mr. “Singh Khalsa Panth Da”. Basically, since he could not refute my argument, he has resorted to threatening me with “consequences”. Is this the best he could do? When he can’t argue using facts, he threatens me with “consequences”… This is the exact reason why I don’t like to associate with any particular group, Jatha or Sampradah, because as soon as you question something, you are threatened with “consequences”. I await someone intelligent to give me a reply using there brains rather then there muscles. I am not against Taksal. All I want is to find out the truth and have a friendly debate without being looked down upon for having questions and doubts in my mind about something. ... BTW I know what Mr. “Singh Khalsa Panth Da” meant by “consequences”. He obviously means physical harm….
Was oder wer ist der Akhand Kirtani Jatha (AKJ)? Informationen zu der Gruppierung Akhand Kirtani Jatha (AKJ) finden sich hier.
Welche Rolle spielt das Kastensystem (Jaat paat) in der Sikhi und bei den Sikhs? Informationen zum Kastensystem und Sikhs finden sich hier.
Welche Rolle spielt der Tod in der Sikhi und wie läuft die Todeszeremonie ab? Ausführliche Informationen zum Umgang mit dem Tod aus Sicht der Sikhi sind im dem Artikel “Der Tod - Ein Mysterium” zusammen gestellt.
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