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Kirtan live, Darbar Sahib in Amritsar. Die live Übertragung ist nicht immer verfügbar!
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Der Darbar Sahib in Amritsar (allgemein bekannt als Harmandar Sahib und der ‘Goldene Tempel’). Früh morgens, bereits vor Sonnenaufgang, beginnen Sänger mit den Rezitationen aus dem GGS. Bis zum Einbruch der Dunkelheit erfüllen die Gebete den Komplex, der im sechzehnten Jahrhundert errichtet wurde, mit einer einzigartigen Atmosphäre. Nur besonders begabte Sänger dürfen hier singen, sie werden Hazuri Ragi genannt. Das Hauptgebäude befindet sich inmitten eines Wasserbeckens, dem Sarowar. Nur ein Weg führt über das Wasser zum Darbar Sahib, der dadurch geschützt im Inneren des Komplexes liegt. Die umliegende Anlagen des Darbar Sahib ist so konstruiert, dass viele Besucher im freien Platz finden. Die Freiküchen bieten traditionsgemäß den ganzen Tag über kostenfreies Essen an. Die umgebenden Bauten sind so gestaltet, dass man sich unter überdachten Terrassen hinsetzen oder schlafen legen kann. Zusätzlich gibt es auch Herbergen, die gegen ein geringes Entgelt in Anspruch genommen werden können. Die zwei Türme im Hintergrund sind erst in den 90er Jahren errichtet worden. Zuvor existierte nur ein Turm, dieser wurde 1984 bei der Erstürmung des Komplexes fast vollständig zerstört.

 

Bedeutung des Wasserbeckens
In dem Wasserbecken des Darbar Sahib nehmen täglich tausende Männer, Frauen und Kinder ein Bad. Entgegen den Lehren des GGS denken dabei viele Besucher, ein Bad in dem Wasserbecken befreie von vermeintlichen Sünden. Der dritte Nanak, Guru Amar Das schreibt: “Jag houmai mail(u) dukh(u) paaea mal(u) laagie dhujai bhaie. ...” “Die Welt ist verunreinigt durch Egoismus und leidet Schmerz. Wegen der Liebe zum Weltlichen haftet Schmutz an der Welt. Da kann man noch an hundert vermeintlich heiligen Orten rituelle Waschungen vornehmen, doch der Schmutz wird bleiben. Menschen üben Rituale aller Art aus und beschmutzen sich nur mit doppelt soviel Schmutz. Auch durch Studium und Wissen kann man sich dieses Schmutzes nicht entledigen. Ihr könnt ruhig die Gelehrten fragen! Oh mein Ich (Geist, Seele, Bewusstsein), nur der Mensch, der die Gemeinschaft Gottes findet, wird rein” (GGS, S. 39, M.3). Wie an zahlreichen Stellen im GGS wird hier darauf hingewiesen, dass sogenannte heilige Waschungen und Rituale nicht die Seele reinigen. Nur ein tugendhaftes Leben und die Verinnerlichung des Schöpfers bringen dauerhaften Seelenfrieden. Tatsächlich liegt die Bedeutung des Wasserbeckens in Amritsar darin, dass Menschen verschiedenster Herkunft ein Bad in ein und demselben Wasser nehmen. Für Menschen, die in ‘Kasten’ oder anderen diskriminierenden Kategorien denken, ein unvorstellbarer Akt. Umrsprünglich bot der Pool um den Darbar Sahib auch einen gewissen Schutz, da dort wichtige Dokumente, wie die Zusammenstellung des GGS, aufbewahrt wurden. Zudem konnten Besucher die aus entfernten Orten zu Fuß oder mit Pferden eintrafen, sich vor dem Betreten des Gurdwaras waschen.

Bei wichtigen Feiertagen wird der Darbar Sahib heutzutage mit zusätzlichen Lichterketten geschmückt. Im Gegensatz zum Schlichtheitsprinzip der Gurus wurde die Anlage, die viele Male durch Invasoren zerstört wurde, immer aufwendiger und pompöser geschmückt. Einige Historiker gehen davon aus, dass der Darbar Sahib ursprünglich ganz anders ausgesehen hat. Ihrer Ansicht nach war dieser so konstruiert, dass viele Menschen darin Platz finden konnten. Da der Komplex ein zentraler Platz für die Sikh-Gemeinschaft war, wo tausende Sikhs zusammen kamen um zu lernen und gemeinschaftliche Entscheidungen zu treffen, scheint dies einleuchtend zu sein. Im heutigen Darbar Sahib finden nicht einmal 100 Menschen Platz. Seit dem Reich von Ranjit Singh wurden weitere Veränderungen an der Anlage vorgenommen. Heute bedecken Goldplatten und Verzierungen den Darbar Sahib. Der Marmorboden sowie die Goldplatten tragen Namensgravuren der Spender. Die Ironie ist, dass die Spenden, die üblicherweise in Verbindung mit der Hoffnung auf Gebetserhöhung getätigt werden, ein inskribiertes Zeugnis von Egoismus sind.

Heutige Gebetspraxis
Der Tagesablauf im Darbar Sahib ist mittlerweile geprägt von pompösen Zeremonien und parallel laufenden
ritualisierten Rezitationen (Akand Path), die man für Geld ‘in Auftrag gibt’. Die täglichen Einnahmen sind immens. Im Gegensatz zu früher finden heute auch keine Gebetserläuterungen mehr statt. Es wird lediglich unaufhörlich rezitiert. Den Besuchern wird somit keine Möglichkeit gegeben, die Inhalte des GGS zu verstehen. Zudem ist es Frauen im Darbar Sahib seit einigen Jahrzehnten nicht erlaubt, zu singen oder Gebete zu rezitieren. Aus Sicht des GGS und der Gurus sind diese Entwicklungen allesamt nicht nur fragwürdig, sondern stehen im deutlichen Widerspruch zum Wesen der Sikhi. Gerade weil der Darbar Sahib ein zentrale Stätte für die Sikhs weltweit ist, sind die globalen negativen Wirkungen vor allem im Zeitalter von Live Übertragungen verheerend. Denn die meisten Sikhs sehen den Darbar Sahib und alle dort stattfinden Aktivitäten als Vorbild und hinterfragen diese daher nicht. Im Gegenteil. Kritische Anmerkungen mit Bezug auf die Einsichten der Gurus sowie historischen Tatsachen werden von vielen Besuchern und von den Verantwortlichen der SGPC vor Ort als “Angriff auf die Heiligkeit” des Darbar Sahibs abgetan.

 

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