Bhangraist der populärste panjabische Volkstanz. Er wurde früher vor allem nach erfolgreicher Beendigung der Ernte aufgeführt. Der lebensbejahende Tanz wird vor allem von Männern aufgeführt. Der Volkstanz der Frauen nennt sich Gidda. In den vergangenen Jahren haben sich viele professionelle Bhangra-Gruppen in Großbritannien, Kanada und den USA etabliert. Seither hat Bhangra enorm an Popularität gewonnen, vor allem bei jungen Menschen. Hybride Emente prägen viele der Gruppen in der Diaspora. Populär wurden Rhythmen aus dem Bhangra in Deutschland durch den Hit von MC Panjabi im Jahr 2003. In Deutschland sind einige Künstler wie die “Bhangra Brothers” oder Lovely und Monty aktiv, die Bhangra-Rhythmen teilweise auch mit Hip-Hop Elementen vermischen.
Gastbeitrag Thomas Burkhalter (www.norient.com) schreibt über Bhangra und Qawali im Rahmen des Festivals “Musik der Welt” in Basel (20.6.2001-01.07.2001):
Interkulturelle Begegnungen - DCS (Panjabi Dance Nation) Samstag 23. Juni, 22.30 h, Rosstall Bhangra eine asiatische Parallelwelt in England.
DCS die Panjabi Dance Nation gilt in Insider-Kreisen als die beste Liveband Großbritanniens. Mischen die zehn Mann Volksmusik aus dem Punjab mit populären Sounds wie Funk, Rock und Pop auf, brechen in den asiatischen Clubs in London und Birmingham alle Dämme. Im “weissen” England hingegen kennt kaum jemand die Startruppe aus Birmingham, die bereits mehrere Male den “Asian Music Award” in Großbritannien gewonnen hat. Bhangra, die Volksmusik aus dem Punjab, die in der “Diaspora” zu einer Popmusik umfunktioniert worden ist, spielt sich in England in einer asiatischen Parallelwelt ab. Bhangra der wahre Asian Underground! - baut auf eine eigene Plattenindustrie mit autonomen Labels und Vertriebsstrukturen und verkauft Kassetten und CDs in Auflagen, von denen britische Popmusiker nur träumen. Legt ein DJ in den asiatischen Clubs nach Soul, R&B und UK-Garage Bhangra auf, setzt sich eine ungeheure Energie frei, werden Arme in die Höhe geworfen, wird geschrieen, getobt, getanzt. Ein Gespräch mit Surrinder Singh Parwana alias “Shin”, dem Leadsänger der 1983 gegründeten DCS, über das Phänomen Bhangra und über die unterschiedlichen Hörgewohnheiten von Panjabis und Westlern.
Shin, was ist das Charakteristische an Ihrer Band DCS?
Wir sind als “working band” seit achtzehn Jahren konstant auf Tournee. Man verdient in der Bhangra-Industrie sein Geld nicht mit Plattenverkäufen, sondern an den Konzerten, in Clubs und an Hochzeiten.
Sie spielen fast immer für ein asiatisches Publikum. Wird Ihre Musik auch bei Ihrer Schweizerpremiere zünden?
Wir sind berühmt dafür, beim Publikum alle Emotionen freizusetzen und alle zum Tanzen zu bewegen. In Basel werden wir dies auch versuchen. Wir haben wenig Erfahrungen mit einem “westlichen” Publikum, und deshalb freue ich mich besonders, in Basel zu spielen.”
Wäre ein Wechsel in die westliche Musikindustrie für sie denkbar?
“Auch wenn dies toll wäre, sehe ich kaum eine Chance für uns. Wir sind in unseren vollgestopften Tourplänen gefangen und haben nicht die Zeit, ein ernsthaftes Projekt im westlichen Markt in Angriff zu nehmen. Ich fürchte mich zudem davor, Konzessionen an Hörgewohnheiten eingehen zu müssen. Wir sind beeinflusst von der rohen Volksmusik aus dem Punjab nicht wie etwa Talvin Singh von der delikaten indischen Kunstmusik.
Wo genau liegt denn das Problem?
Westliche Ohren sind mit den charakteristischen Dhol- und Dholak-Trommeln unserer Musik nicht allzu vertraut. Seit Jahren arbeiten wir mit einem weißen Tontechniker zusammen, und immer stellen wir fest, dass in seinem Mix Bass und Schlagzeug im Vordergrund stehen und die Trommeln kaum hörbar sind. Die Trommeln aber sind wichtig, sie sind unsere Droge. Bhangra lässt sich nicht mit dem Indienklischee verbinden.
Sind die Texte in Panjabi ein weiteres Problem? Könntet Ihr Euch vorstellen, in Englisch zu singen?
(Lacht) Klar könnten wir das schließlich mixen wir unsere Musik auch mit westlichen Instrumenten wie Schlagzeug, Gitarren und Synthesizer. Das Problem liegt woanders: Machen wir Konzessionen an den westlichen Markt, droht die Gefahr, dass unser eigenes Publikum abspringt.
Kuljit Bhamra, ein Bhangra-Produzent der ersten Stunde, sagte mir, es sei falsch, immer nur den Erfolg im Westen suchen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?
Er hat zwar recht, doch ist es nicht leicht für uns in der Bhangrawelt. Die Plattenlabels töten unsere Szene mit ihrer Tiefpreispolitik. Wir brauchen Produzenten und Musiker, die uns eine Ebene weiter bringen. Allerdings ist Bhangra zur Zeit die Nummer Eins in der indischen Filmindustrie. Es gibt also Hoffnung.
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